Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2007/2

Auf dem Hexen-Stieg

Eine Herbstwanderung durch den Harz

Mitte Juli haben uns Höhenwege rund um das Grödnertal über blühende Wiesen, vorbei an gigantischen Fels-wänden und tiefen Schluchten geführt. Nach den Gebirgslandschaften der Westlichen Dolomiten wollen wir nun das Wanderjahr zur Laubfärbung auf dem Harzer Hexen-Stieg beschließen. Manfred Graul ist wiederum bei mir.

Dienstag, 10. Oktober 2006

Schon zeitig sind wir unterwegs. Es geht an Bad Harzburg vorbei über Blankenburg nach Thale. Unweit der Touristeninformationstelle steigen wir aus dem Wagen. Ein guter Freund hat uns gebracht. Die Sonne hat den östlichen Himmel inzwischen glutrot gefärbt. Hoffentlich wird es ein schöner Herbsttag.

Es ist 8.06 Uhr, als wir loswandern.

Der Hexen-Stieg führt uns schon bald an der Roßtrappe vorbei. Der Granitfels überragt das Bodetal. Der Hexen-tanzplatz erhebt sich links auf der anderen Seite. Es geht nicht gerade gemächlich aufwärts. In Treseburg haben wir nahezu zehn Kilometer zurückgelegt. Mittagspause machen wir auf dem Rastplatz in Altenbrak.

Kurz hinter Altenbrak teilt sich der Hexen-Stieg. (Die organisierten Wanderungen nehmen die Alternativroute 1.) Die Hauptroute, auf der wir bleiben wollten, ist jedoch ab heute wegen Holzschlag gesperrt. Wir müssen daher über die Bundesstraße ausweichen, was mit einigen Mehrkilometern verbunden ist.

In Wendefurth, gleich vor der Staumauer, erfrischen wir uns in der Gaststätte „Zum Fischer“. Dann geht es um die Talsperre zügig weiter. Gegen 17.30 Uhr schwenken wir am Philosophenweg nach Rübeland ein. Für eine Besichtigung der Tropfsteinhöhlen ist es leider zu spät. Im Hotel „Bodetal“ ist jedoch auch für uns Feierabend. Immerhin haben wir über dreißig Kilometer in den Beinen.

Die Forelle „Müllerin“ schmeckt dafür um so besser. Mit ein paar Bierchen beschließen wir später den Abend. Der Schierker Feuerstein darf natürlich auch nicht fehlen.

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Gleich morgens müssen wir ansteigen. In den Niederungen liegt noch der Morgendunst, als wir wieder auf dem Stieg sind. Spinnengewebe überziehen die Büsche. Altweibersommer. Es scheint wiederum ein schöner Tag zu werden.

Riesige Abraumhalden türmen sich auf. Es geht weiter an der Bode entlang. Bald sind wir an der Großen Trogfurter Brücke und schließlich auf einem der Wege der deutschen Kaiser und Könige des Mittelalters. Die Überlandsperre führt wenig Wasser.

Unterhalb der Königsburg vereinen sich die Haupt- und Alternativroute 1 wieder. Wenig später sind wir in Königshütte. Wir legen eine Zwischenrast ein.

Kurz hinter Neuehütte teilt sich der Hexen-Stieg erneut. Die Alternativroute 2 umgeht den Brockenanstieg. Die Umgehung verläuft über Elend, Braunlage, St. Andreasberg, am Oderteich vorbei zum Torfhaus.

Bis Drei Annen-Hohne steigen wir stetig bergauf. In der Bahnhofsgaststätte stärken wir uns gegen Mittag mit einer Kartoffelsuppe mit Würstchen, um später auf dem Glashüttenweg Schierke entgegenzustreben. Als Abwechslung „erklimmen“ wir noch schnell den Trudenstein, einen freistehenden Granitblock, der linkerhand emporragt. Wir haben einen wunderschönen Blick auf die südlichen Harzberge. Als wir dann auch noch die Brockenbahn qualmend und luftverpestend durch die Landschaft fahren sehen, kommt bei uns Eisenbahnnostalgie auf. Und so beschließen wir schon wenig später, den Brocken morgen von Schierke aus mit der Schmalspurbahn „einzunehmen“.

Übernachtet wird in Schierke im Hotel „König“. Doch schon frühzeitig ziehen wir uns heute zurück. Den grandiosen Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die Slowakei erleben wir im Bett liegend am kleinen Zimmerfernseher.

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf zum Schierker Hbf. Etwa einen Kilometer geht es steil nach oben. Pünktlich um 9.52 Uhr setzt sich die Dampflok heulend und fauchend in Bewegung. Die Fahrt geht durch den Harzer Nationalpark, von dem allerdings nur wenig zu sehen ist. Abgestorbene Bäume auf beiden Seiten der Strecke. Waldsterben in Reinkultur.

Oben am Brockenhaus herrscht noch keine allzugroße Betriebsamkeit, als wir auf 1141 m sind. Das Wetter meint es wiederum gut mit uns. Wir haben einen herrlichen Blick auf das Harzer Vorland. Der Horizont verliert sich allerdings im Dunst.

Auf dem Neuen Goetheweg wandern wir am späten Vormittag talwärts. Ganze „Heerscharen“ kommen uns entgegen. Die Brockenbahn nebelt uns ein. Weniger schön sind auch die Platten, auf denen es ein Stückchen nach unten geht.

Gleich hinter der Luisenklippe queren wir den Kaiserweg. Unmittelbar vor dem Torfhaus vereinen sich Goethe- und Märchenweg. Die Alternativroute 2 ist wieder mit der Hauptroute verbunden.

Da die AV-Hütte am Torfhaus leider nicht mehr bewirtschaftet wird, kehren wir mittags im Knusperhäuschen ein. Als vermutlich eifriger Harzwanderer wird Manfred gleich mit lautem Hallo begrüßt.

Der Magdeburger Weg leitet uns nach kurzer Rast schon bald um die Steile Wand. Ein Wasserfall plätschert über Felsbrocken. Wir sind jetzt auf dem Dammgraben und wandern der Bergstadt Altenau entgegen. Den Abstieg wählen wir über den Mühlenberg. Unterkunft finden wir in Moock´s Hotel.

Freitag, 13. Oktober 2006

Trotz aller Strapazen sind wir auch heute wieder früh unterwegs. Bis zum Dammgraben müssen wir zunächst wieder ansteigen. Vor Sperberhai kommt ein weiterer leichter Anstieg. Nach dem Innerstesprung, ein etwas größerer Entensumpf, kommen wir zunächst am Nassenwieser Teich vorbei. An der Brüche deute ich leider die Beschilderung falsch. Prompt laufen wir in die entgegengesetzte Richtung. Als ich den Fehler bemerke, sind wir schon am Prixhaier Teich. Also zurück. Eine halbe Stunde verloren.

Dann wandern wir aber doch am Bärenbrunner Teich entlang. Wenig danach sind wir in Buntenbock. Durch das Lerbachtal, das , wie es uns scheint, nicht enden will, erreichen am Nachmittag Osterode, Endpunkt des Harzer Hexen-Stiegs. Unser Fahrer erwartet uns schon, und so fahren wir wenig später in Richtung Braunschweig.

Heute war es zwar ein trüber, nebeliger Tag. Mitunter hat es sogar leicht genieselt. Aber dennoch war es kein „schwarzer“ Freitag. Gottlob sind alle wohlbehalten heimgekehrt.

Wanderungen im Mittelgebirge sind zwar nicht mit Hochgebirgstouren vergleichbar. Anspruchsvoll können solche Touren allemal sein. Immerhin haben wir auf dem Harzer Hexen-Stieg in nur vier Tagen an die 95 Kilometer zurückgelegt. Es waren an den ersten beiden Tagen etwa 800 Höhenmeter bis Schierke zu bewältigen. Absteigen mußten wir hingegen insgesamt über 1.000 Meter.

Horst-Dieter Meißner

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.11. Mai 2007