Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2007/4

Generationenübergreifender Schilder- und Wegedienst 2007

Wir waren mal wieder im Pitztal in und um unserer Braunschweiger Hütte im Einsatz!

Liebe Bergfreundinnen, Liebe Bergfreunde,

im vorigen Jahr hatte unser 1. Hüttenwart Sigbert Goebel von dem Arbeitseinsatz im September auf der Braunschweiger Hütte berichtet.

In diesem Jahr möchte ich von unseren Arbeiten im Juli zur neuen Beschilderung der Wege in unserem Umfeld dort oben berichten.

Als bereits vorgeplante Aktion des Tourismusverbandes Pitztal und der dort hüttenbetreibenden Sektion des DAV hatte ich die erste Aufgabe schon ins Nest gelegt bekommen.

Womit beginnen alle diese Unternehmungen? Natürlich damit, Teilnehmer zu finden, die Zeit und Spaß haben mit anzupacken! Auch dieses Mal wurden wir dankenswerterweise fündig.

Am Montag dem 23.Juli starteten mein Enkel Lukas (11 Jahre) und ich morgens gegen 6.30 Uhr. Ob das die richtige Zeit ist für einen Jungen, der gerade Ferien bekommen hat? So dachte ich, aber weit gefehlt, der Spaßfaktor war bei 100%! Nachmittags um halb fünf Uhr waren wir bei unserer Wirtin Cilli Auer auf der Hütte in 2.758 m Höhe angekommen. Zum Abendessen gab es die von mir Lukas schon lange schmackhaft gemachtenWiener Schnitzel, was zur Folge hatte, dass wir zur Verdauung mit unserem vollen Bauch noch am Abend auf den Karleskopf in 2.902 m Höhe wandern mussten.

Am nächsten Tag haben wir die Schilder ,die beim Tourismusverband in St.-Leonhard lagerten, schon vor dem Eintreffen der 5 weiteren Helfer auf die Hütte geholt und vormo ntiert. Der Andrang der teilnehmerstarken Wandergruppen des E5 von Oberstorf nach Meran und zurück, die natürlich gerne ihre Rucksäcke aus dem Tal auf die Hütte schicken, führte dazu, dass wir mit unseren Schildern dazwischen rutschen mussten. Ein kurzes Gewitter am Nachmittag führte zu einem Temperatursturz und der Materiallift kam mit etwas Schnee beladen von der Hütte wieder runter ins Tal. An diesem Dienstag kamen wir erst am späten Nachmittag verfroren wieder auf die Hütte.

Am Abend lagen wir schon früh in unseren Kojen, denn morgen wollten wir mit der Markierung beginnen.

Arbeitskommando
Arbeitskommando an der Braunschweiger Hütte
Foto: Norbert Decker

Der Mittwoch begann mit schönem Wetter, was dann auch bis zum Ende des Einsatzes uns treu blieb. Mit Farbsprühdosen ausgestattet, gingen wir den E5 von der Materialstation in 1.890 m Höhe bis zur Braunschweiger Hütte und frischten die Markierungen wieder auf. So wurden wir zu den Picassos der Berge!

Am Donnerstag wollten unsere Helfer mit den uns noch fehlenden Werkzeugen eintreffen: Aber vormittags fingen wir schon mal mit den Farbmarkierungen und den Schildern an dem Abzweig Mainzer Höhenweg/Pitztaler Jöchl bei 2.966 m und zum Karleskopf in 2.901 m Höhe an.

Ein Bergschaden, der den Weg vom Pitztaler Jöchl 2.996 m Höhe hinunter zum Parkplatz Rettenbach auf 2.600 m Höhe unbegehbar werden ließ , atte es erforderlich gemacht, dass sich Vertreter, unter anderem vom Tourismusverband Sölden, der Gletscherbahn Sölden und der Wegebetreuung Pitztal, auf den Resten des Pollesferner am Donnerstagnachmittag verabredet hatten. An diesem Termin nahm ich teil und bekam schon einmal einen Eindruck, wie schnell sich die Aufgaben ändern oder erweitern.

Mit einem großen Hallo trafen dann ab 17.00 Uhr unsere Helfer ein, Julia Jürges, Armin Rogge, Hans Hermann Schulze, Klaus Witt und Norbert Decker. Julia hatte von Braunschweig einen selbstgebackenen Kuchen, verziert mit Motiven der Pitztaler Berge mitgebracht. Gemeinsam ließen wir es uns erst einmal auf der in voller Sonne liegenden Terrasse schmecken.

Es ist Freitagmorgen. Um 7.00 Uhr und wir sitzen schon beim Frühstück. Der Tag ist voll gepackt mit Arbeit. Über den Karlesferner und dem Hangenden Ferner, zur Pitztaler Gletscherbahn in 2.800 m Höhe muss ein Schild gebracht werden. Wir planen 2 ½ Stunden Gehzeit für eine Strecke. Mit Werkzeug und Schild ausgestattet gehen Julia, Armin und Norbert um kurz vor 8.00 Uhr los. Die drei sollten noch einige Überraschungen erleben! Drüben angekommen, kamen Hinweise von den dort Beschäftigten der Bergbahn, dass dieser oder jener Weg nicht mehr der richtige sei. Die Bauarbeiten dort oben, jetzt und im vorigen Jahr, haben zu Veränderungen geführt. So wurde das Schild von den dreien hin und her getragen. Ein Anruf bei uns auf der Hütte und das Gespräch mit Stefan Neurauter führte zu einer noch nicht optimalen Lösung. Eine kleine Verbesserung erreichten wir, Sigbert Goebel und ich, durch das Aufstellen eines weiteren Schildes während der Wanderwoche im Pitztal am 24.08.2007. Zurück zu der Arbeit der drei, nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist, diese sperrten bei dem Einsatz mit den reichlich zur Verfügung stehenden Steinen nicht mehr aktuelle Wege.

Der Rest der Mannschaft fing am Haus an, die Schilder auszuwechseln und auch neue Pfähle zu setzen. Was uns aber noch störte, war die total verknotete Braunschweig Fahne. Den Knoten mal eben aufzulösen stellte sich als sehr schwierig heraus, aber mit artistischen Einlagen auf der Leiter stehend von Hans Hermann und Klaus wurde nach langem Hin und Her die Sache erledigt, siehe Foto! Nun war es Mittag, das Wetter schön und es wartete noch das Schild zur Aufstellung auf dem Pitztaler Jöchl in 2.996 m Höhe. Das Schild auf dem Rücken geschnallt wie eine mächtige Antenne aussehend ging Klaus Witt hinter uns her zu dem Aufstellort. Nach getaner Arbeit genossen wir noch die Aussicht zur schönen Braunschweiger Hütte und den weniger schönen Auswirkungen des Bergsturzes unterhalb des Polles Kogel.

Am Abend konnten wir uns gegenseitig das Erlebte beim Abendessen, von Patrick dem Koch zubereitet, berichten.

Nun waren wir es so gewohnt und am Sonnabendmorgen saßen wir schon wieder um kurz nach 7.00 Uhr beim Frühstück. Dann wurden Gruppen gebildet. Heute gehen Julia, Armin und ich den langen Weg, um das Schild zur Braunschweiger Hütte am Rettenbach Parkplatz aufzustellen. Wie bereits geschrieben, war der direkte Weg dorthin durch den Bergschaden versperrt.Also ging es nur über den Rettenbach Pass in 2.988 m Höhe hinunter über den Gletscher zum Parkplatz in 2.700 m Höhe. Oben auf dem Pass bekamen wir so unsere Bedenken. Dort unten gingen die Wanderer zum Teil wie auf Eiern über den blanken Gletscher bergauf oder bergab. Sollten wir das auch tun mit dem Schild? Julia holte sich die ausschlaggebende Motivation von den dort oben arbeitenden Bauhandwerkern. „Geht scho!“ die Antwort. Nun sind wir schon mal hier, also ran! Nach ungefähr 6 Stunden waren wir wieder in der Braunschweiger Hütte angekommen.

Was hatten die anderen bei der Arbeit so erlebt? Der Weg hinunter nach Mittelberg auf 1.740 m über das Gletscherstüble bei 1.891 m musste noch an der Stelle des Zusammentreffens neuer und alter Weg bei 2.300 m beschildert werden. Vor dieser Arbeit waren wir alle sehr unsicher, schließlich zeichnete sich ab, dass der bislang begangene Weg am Wasserfall vorbei durch den Bau des Notweges zum Rettenbachferner unterbrochen und als nicht mehr begehbar einzustufen sei. Die Sektion, der Bauherr und die ausführende Baufirma suchten schon einige Zeit eine Alternative. Fast zeitgleich zu unserem Einsatz waren dann die Würfel gefallen, es wird der Weg von früher an der Hangseite links abgehend an der Materialbahn über die „Weiße Muhr“ wieder hergerichtet von der Baufirma. Dem konnten Hans Hermann, Klaus und Norbert, die heute Lukas bei sich hatten, Rechnung tragen. So stellten sie das Schild schon einmal, den neuen Gegebenheiten entsprechend, auf und gingen den geplanten neuen/alten Weg ab. Unten am Gletscherstüble gab es dann noch eine Erfrischung für die tapferen Wanderer!

Am Abend beim Abendessen wurde uns klar, wir waren schon fertig! Viel schneller als geplant. Der nicht auszuschildernde Weg am Wasserfall hoch war weggefallen und fehlte jetzt in Planung. Aber wie es so ist, jetzt kam der Stalltrieb nach Zuhause durch, so dass wir uns zur Heimfahrt am Sonntag entschlossen, was nicht unbedingt die beste Wahl war. Die Rückfahrt dauerte ungefähr 10.00 Stunden. Wahrscheinlich wären wir am Montag besser durchgekommen, denn einige örtliche Feste schon innerhalb Österreichs machten ein normales Durchkommen zunichte.

Helmut Eidam

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.17. November 2007