Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2007/4

Durch die Sextener Dolomiten

Eine anspruchsvolle Hochgebirgswanderung für Genießer

Obwohl ich die Bergwelt der Sextener Dolomiten schon mehrfach erlebt und erst vor wenigen Jahren erneut durchwandert habe, zieht mich die Vielfalt der zauberhaften Landschaftsbilder immer wieder magnetähnlich an. Die faszinierenden Eindrücke noch einmal zu genießen, ist daher unser diesjähriges Ziel. Wie im Vorjahr sind Manfred Graul und Jürgen Pfeiffer ebenfalls wieder dabei.

Dienstag, 17. Juli 2007

In der Pension Pichler in Gossensass am Brenner ist das Frühstücksbüffet reichlich beladen. Genüsslich schlürfen wir unseren Tee. Es ist noch früh am Morgen. Wir haben hier übernachtet.

Angereist sind wir gestern. Von München aus ging es nach Garmisch, kurz darauf über den Zirlerberg nach Innsbruck und von da aus weiter auf der alten Brennerstraße. Gebühr für Vignette und Maut gespart.

Gleich nach dem Frühstück starten „wir“ durch. Jürgen chauffiert, ich mache es mir auf dem Beifahrersitz bequem. Manfred ist mit eigenem Fahrzeug unterwegs. Er hat die Tage zuvor Freunde in Garmisch besucht. Unsere Wanderung durch die Sextener Dolomiten soll heute im Laufe des Tages beginnen.

Schon bald schwenken wir - vor Brixen - in das Pustertal ein. Es geht an Brunneck und Toblach vorbei nach Innichen und dann Richtung Sexten. Ein Fahrsträßchen leitet uns in das Innerfeld Tal. Doch schon nach wenigen Kilometern ist Schluss mit lustig. Endstation. Die Autos werden abgestellt. Wir wandern hingegen weiter via Drei-Schuster-Hütte (1626 m), die wir in gut einer Stunde schweißnass erreichen. Die Sonne brennt. Es ist drückend heiß. Für heute sind wir jedoch am Ziel.

Die AVS-Hütte ist idyllisch in Fichten- und Lärchenbeständen eingebettet. Die Dreischusterspitze (3152 m) erhebt sich schroff und spitz auf der einen Seite, der Haunold (2966 m) zeigt sich zackig gegenüber. Vor der Hütte herrscht bis zum späten Nachmittag rege Betriebsamkeit.

Unterster Parkplatz Innerfeld Tal - Drei-Schuster-Hütte
Tourenlänge: 2,5 km ; Wanderzeit: ¾ h ; Höhenunterschied: 250 m Anstieg

Mittwoch, 18. Juli 2007

Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Wolkenlos der Himmel. Gefrühstückt wird in aller Ruhe. Zur Drei-Zinnen-Hütte ist es nicht allzu weit. Wir kalkulieren etwas über vier Gehstunden ein.

Gegen 7.45 Uhr schlendern wir los. Zunächst über eine Wiese. Dann verschluckt uns ein Nadelgehölz. Wir sind auf dem Dolomitenhöhenweg 4, der uns - am Morgenkopf (2493 m) vorbei - steil hoch zum Gwengalpenjoch (2446 m) bringt. Dann tauchen urplötzlich vor uns der Toblinger Knoten (2617 m) und wenig später die Drei Zinnen auf - das Wahrzeichen Südtirols.

In der Drei-Zinnen-Hütte (2405 m) sind wir um die Mittagszeit. In und vor der Hütte herrscht ebenfalls reger Betrieb. Vorsorglich beziehen wir gleich nach unserer Ankunft Quartier. Man weiß ja nie.

Den Nachmittag verbringen wir - nach einem wohlverdienten Mittagsschläfchen - vor der Hütte in der Sonne. Das Panorama hält uns gefangen. Eine Bergspitze bizarrer als die andere. Unbeschreiblich. Wenn nur die vielen Menschen nicht wären. Auch noch am Abend geht es - mittlerweile in der Gaststube - mehr als laut zu.

Manfred berichtet nach dem Abendessen über seine Besteigung der Kleinen Zinne (2956 m) und Kletterkünste am Toblinger Knoten vor etlichen Jahren. Leider kann ich mit ähnlich spektakulären Bergerlebnissen nicht aufwarten. Mir bleibt lediglich von einer Watzmann-Überquerung an einem Tag und einem Fußmarsch über die Alpen - von Oberstdorf bis zum Gardasee - zu erzählen.

Drei-Schuster-Hütte - Dolomitenhöhenweg 4 - Gwengalpenjoch - Drei-Zinnen-Hütte
Tourenlänge: 5,5 km ; Wanderzeit: 4 h ; Höhenunterschiede: 850 m An- und 50 m Abstieg

Donnerstag, 19. Juli 2007

Obwohl es gleich früh morgens durch das Altensteiner Tal zur Talschlusshütte (1526 m) im Fischleinboden zügig nach unten geht, wird es heute ernst. Ein leichter Wind bringt zunächst zwar Kühle, doch schon bald brennt die Sonne wieder unbarmherzig. Wir entscheiden uns daher für die Seilbahn von Sexten Moos zu den Rotwandköpfen (2062 m). Anderenfalls hätten wir einige hundert Höhenmeter ansteigen müssen. Und das bei 34°C im Schatten.

Durch die Landschaft um die Rotwandwiesen führt ein leicht abschüssiger Höhenweg. Rechterhand erhebt sich das zerklüftete Massiv der Sextener Rotwand (2939 m). Die Karnischen Alpen grüßen auf der anderen Seite. Dann geht es jedoch wieder steil nach oben. Hoch zum Ex-Rifugio Sala (2094 m) beginnt die Kletterei. Bei sengender Hitze wird jeder Schritt zur Qual, zumal die Wasservorräte längst aufgebraucht sind.

Irgendwann wird weiter unten das Rifugio Berti (1950 m) sichtbar. Nach etwas über achtstündiger Wanderung haben wir es für heute geschafft.

Drei-Zinnen-Hütte - Altensteiner Tal - Talschlusshütte - Sexten Moos - Rotwandköpfe - Rotwandwiesen - Ex-Rifugio Sala - Rifugio Berti
Tourenlänge: 15 km ; Wanderzeit: 8¼ h (ohne Seilbahn) ; Höhenunterschiede: 800 m An- und 1250 m Abstieg

Freitag, 20. Juli 2007

Hoch zur Sentinellascharte (2717 m) steht uns zunächst ein zeitraubender Wiederanstieg durch das Vallon Popera bevor. Es ist unheimlich still. Ringsherum hohe Wände. Auf dem Alpini-Klettersteig hangeln wir uns dann in eineinhalb Stunden bis zur Elferscharte (2650 m) wieder leicht talwärts. An kritischen Stellen helfen Drahtseile.

An der Scharte haben wir einen imposanten Fernblick: Weit unten der Talschluss, vor uns das Altensteiner Tal, links das Bacherntal über dem das Rifugio Zsigmondy-Comici (2224 m) thront. Der Zwölferkofel (3034 m) erhebt sich dahinter.

Nach längerer Rast - der Klettersteig liegt hinter uns - wandern wir auf dem Alpiniweg weiter. Wir sind auf der „Strada degli Alpini“, einem Geröllpfad, der an der Wand des Elferkofels (3092 m) nahezu waagerecht entlang führt. Wir bewegen uns auf einem etwa einen Meter breiten Steig, der jedoch ab und an drahtseilgesichert ist. Auf der einen Seite fällt die Bergwand mehrere hundert Meter senkrecht ab, auf der anderen geht es genauso steil nach oben.

Wir kommen irgendwann am Äußeren und später am Inneren Loch vorbei. Noch vor dem Eissee (2326 m) halten wir uns rechts und sind auf dem Dolomitenhöhenweg 5. Nun liegt nur noch ein leichter Abstieg vor uns, und wir stehen vor dem Rifugio Zsigmondy-Comici.

Rifugio Berti - Sentinella-Scharte - Alpini-Steig - Elferscharte - Alpiniweg - Eissee - Rifugio Zsigmondy-Comici
Tourenlänge: 9,5 km ; Wanderzeit: 9¼ h ; Höhenunterschiede: 800 m An- und 500 m Abstieg

Sonnabend, 21. Juli 2007

Heute müssen wir einen unfreiwilligen Ruhetag einlegen. Sämtliche Schutzhütten um die Drei Zinnen sind belegt, wie Telefongespräche am gestrigen Abend ergeben haben. Es ist Wochenende. Ganz Italien scheint unterwegs zu sein. Wir verbleiben daher eine weitere Nacht in der Zsigmondy-Hütte.

Auf die faule Haut wollen wir uns aber dennoch nicht legen. Wir verordnen uns daher einen Frühschoppen in der Carducci-Hütte (2297 m), die wir über die Forcella Giralba (2431 m) in eineinhalb Stunden erreichen. Nach einpaar Bierchen lassen wir uns noch eine Minestrone mit Würstel schmecken. Dann geht es wieder „heimwärts“.

Rifugio Zsigmondy-Comici - Forcella Giralba - Rifugio Carducci - Forcella Giralba - Rifugio Zsigmondy-Comici
Tourenlänge: 3,5 km ; Wanderzeit: 2¾ h ; Höhenunterschiede: 350 m An- und 350 m Abstieg

Sonntag, 22. Juli 2007

Zur Büllelejoch-Hütte (2527 m) liegt gleich morgens ein Aufstieg vor uns. Die kleine Hütte steht, umgeben von Steinblöcken, auf einem Hochplateau zwischen Oberbachern- und Büllelejoch. Eine kurze Rast ist angesagt.

Auf dem Friedensweg geht es wenig später weiter. An der Gamsscharte haben wir einen wunderschönen Blick auf den Toblinger Knoten und die Drei-Zinnen-Hütte mit den Bödenseen. Jürgen nutzt die Zeit und steigt auf der „Ferrata Paterna“ hoch zum Paternkofel (2744 m). Ein Aufstieg, der sich sicherlich lohnt. Denn ihm bietet sich ein nicht zu übertreffendes Panorama. In einer Dreiviertelstunde ist er zurück.

Doch schließlich müssen wir wieder nach unten. Von der Gamsscharte (2665 m) geht es über Geröll weiter abwärts. Noch vor dem Paternsattel (2457 m) stoßen wir auf das Rifugio Lavaredo. Unser heutiges Ziel ist erreicht. Der Touristenrummel hat uns wieder.

Rifugio Zsigmondy- Comici - Büllelejoch-Hütte - Friedensweg - Gamsscharte - Paternkofel - Rifugio Lavaredo
Tourenlänge: 6 km ; Wanderzeit: 4¼ h ; Höhenunterschiede: 500 m An- und 300 m Abstieg

Montag, 23. Juli 2007

Vom Paternsattel streben wir auf einem ehemaligen Kriegssträßchen in Richtung Auronzohütte (2320 m). Für Manfred kommt hier das Aus. Er kann sich kaum noch bewegen. Ihn plagt der Ischiasnerv. Um 9.41 Uhr setzen wir ihn daher an der Hütte in den Bus der Südtiroler Verkehrsbetriebe. Er fährt bis Innichen, wo sein Fahrzeug geparkt ist, und begibt sich in Garmisch in ärztliche Behandlung.

Jürgen und ich halten uns südlich. Gleich hinter der Forcella di Longeres (2235 m) haben wir noch einen kurzen Anstieg zu bewältigen, dann sind wir auf der Via ferrata Bonacossa. Vor uns die Cadini-Gruppe. Wild und gezackt. Hinter uns die Drei Zinnen. Sagenhaft.

Den Monte Campedelle (2346 m) erreichen wir schon bald. Um die Cima Cadini di Rimbianco steigen wir wieder ab. Seile und Eisenleitern helfen uns weiter zur Forcella di Rimbianco (2176 m). Ein Hochkar, das Cadin di Navaio, liegt vor uns. Hohe Felsbauten auf allen Seiten. Ein letzter Anstieg, der es aber in sich hat. Dann sind wir auf einem Sattel. Das Rifugio Fonda-Savio (2367 m), auf dem Passo del Tocci gelegen, duckt sich unter dem Torre Wundt (2512 m).

Für heute haben wir es geschafft. Ich sitze zunächst allein in der Sonne. Jürgen ruht. Die Hütte ist ebenfalls gut besucht.

Rifugio Lavaredo - Auronzo Hütte - Forcella di Longeres - Via ferrata Bonacossa - Rifugio Fonda Savio
Tourenlänge: 5 km ; Wanderzeit: 4 h ; Höhenunterschiede: 200 m An- und 300 m Abstieg

Dienstag, 24. Juli 2007

Auf dem Bonacossa Weg geht es zu früher Stunde über Geröll und Holztreppen hoch zur Forcella del Diavolo (2620 m). Beim Absteigen in das Cadin della Neve unterstützen uns Seile und Eisenleitern. Zur Forcella Misurina (2471 m) müssen wir allerdings wieder nach oben. Auch hier helfen Stahlseile und eine Holzleiter. Eine weitere kurze Drahtseilpassage bringt uns schließlich abwärts zum Rifugio Col Varda (2115 m). Dann geht es unter der Seilbahn gemächlich weiter zum Misurina See (1755 m).

Auf dem Hüttenweg müssen wir dann jedoch an der Nordseite des Sees zu unserem heutigen Ziel, der Bosi Hütte, wieder nach oben. Die fünfhundert Höhenmeter schaffen wir in knapp zwei Stunden. Das Rifugio versteckt sich nur wenig unterhalb des Monte Piana (2324 m). Dunkle Wolken ziehen auf. Es beginnt zu regnen. Wenig später schüttet es wie aus Eimern. Es donnert und blitzt. Ein Gewitter entlädt sich. Gottlob sind wir längst in der Hütte.

Das herrliche Panorama können wir noch am frühen Abend genießen. Die Sonne hat wieder die Vorherrschaft. Das Gewitter ist längst weitergezogen. Und so geht unser Blick bis zur Cadini-Gruppe. Schemenhaft glauben wir unseren heutigen Wanderweg erkennen zu können.

Wir sind übrigens die einzigen Gäste. Endlich Ruhe am Abend.

Rifugio Fonda Savio - Forcella del Diavolo - Forcella Misurina - Misurina See - Bosi Hütte
Tourenlänge: 10,5 km ; Wanderzeit: 6½ h ; Höhenunterschiede: 750 m An- und 850 m Abstieg

Mittwoch, 25. Juli 2007

In das Valle del Castrati steigen wir bei schönstem Sonnenschein auf einem schmalen Pfad ab. Jeder Schritt muss bedacht sein. Mühevoll und gefährlich. Nach etwa zwei Stunden stoßen wir auf das Valle di Rimbianco, das dann in das Valle di Rimbon übergeht. Die Schwarze Rienz plätschert auf der rechten Seite.

Zur Drei- Zinnen-Hütte, die wir gegen 16 Uhr erreichen, führt der Weg zunächst stetig bergauf. Dann ist noch ein letztes Steilstück von einigen hundert Höhenmeter zu bewältigen. Ich bin geschafft.

Bosi Hütte - Valle di Castrati - Valle di Rimbianco - Valle di Rimbon - Drei-Zinnen-Hütte
Tourenlänge: 10 km ; Wanderzeit: 6¾ h ; Höhenunterschiede: 550 m An- und 350 m Abstieg

Donnerstag, 26. Juli 2007

In aller Herrgottsfrühe nehmen wir Abschied von der Drei-Zinnen-Hütte. Auf dem Dolomitenhöhenweg 4 geht es leicht ansteigend zum Gwengalpenjoch. Zur Drei-Schuster-Hütte und später zum Parkplatz (1380 m) steigen wir stetig ab. Um die Mittagszeit sitzen wir im Auto und fahren in Richtung Heimat.

Drei-Zinnen-Hütte - Gwengalpenjoch - Drei-Schuster-Hütte - Parkplatz Innerfeld Tal
Tourenlänge: 8 km ; Wanderzeit: 4½ h ; Höhenunterschiede: 50 m An- und 1100 m Abstieg

Mittlerweile hat sich auch bei mir die Erkenntnis breit gemacht, dass man dem Alter Tribut zollen muss. Die Zeitangaben sind daher keineswegs authentisch, sondern lediglich die persönlichen Daten eines älteren Herrn. Meine Herzrhythmusstörungen hatten jedenfalls Hochkonjunktur. Aber der Weg ist nun einmal das Ziel. Trotz aller Strapazen hatten wir viel Spaß.

Horst-Dieter Meißner

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.17. November 2007