Mit dieser Einleitung möchte ich den Bericht zum zweiten Arbeitseinsatz in der letzten Septemberwoche 2007 beginnen.
Aber der Reihe nach.
Erstmals gab es zwei Arbeitseinsätze in einem Jahr. Bemerkenswert, vor allem dann, wenn ich an die Reaktionen nach dem ersten Aufruf zu einem Arbeitseinsatz von mir zurückdenke.
Helmut Eidam hat mit einer Gruppe im Juli neue Wegeschilder in unserem Arbeitsgebiet erfolgreich aufgestellt und ansonsten auch für guten Durchblick bei der Wegemarkierung gesorgt. Seinen Bericht haben Sie in der letzten Ausgabe 2007 lesen können.
![]() |
Die Hütte im Winter
Foto:
|
Und der folgende Einsatz im September sollte die im Vorjahr begonnenen Renovierungsarbeiten an unserer Hütte fortsetzen. Die Absprachen, wer macht was und die erforderlichen Material-Bedarfslisten waren fertig.
Bevor ich aber auf Details zu sprechen komme, möchte ich allen Teilnehmern dieser beiden Arbeitseinsätze meinen herzlichen Dank aussprechen.
Die zu Beginn der Saison 2007 durchgeführte Arbeits-Planung war nach einer Begehung der Bezirkshauptmannschaft Imst (BH) am 20.August und dem daraus resultierenden Bescheid von Mitte September ’07 nur noch Makulatur.
Nur gut eine Woche blieb, die Arbeiten an die Auflagen der BH anzupassen.
Zum besseren Verständnis für Sie liebe Mitglieder, die nicht so im Thema sind, ein kurzer Abriss der Ereignisse.
Einem Gutachten der Tiroler Landesstelle für Brandschutz folgend, hat unsere Sektion einen Antrag an die BH auf Genehmigung dieser gesetzlich vorgeschriebenen Brandmeldeanlage gestellt. Statt einer Genehmigung folgte eine, in diesem Umfang nicht erwartete, intensive Begutachtung/Begehung unserer Hütte.
Unter der Führung der neuen Amtsleiterin, Frau Mag. Neururer, aus der Gewerbeabteilung, haben die Referate Hygiene, Arbeitssicherheit, Brandschutz, Wasserwirtschaft usw. die Hütte am 20.08.2007 inspiziert. Da Helmut Eidam, unser neuer 2 Hüttenwart und ich in dieser Zeit mit der Wandergruppe ohnehin im Pitztal waren, haben wir selbstverständlich an der Begehung teilgenommen. Nur gut, so konnten wir zumindest die Entscheidungen bzw. deren Ergebnisse nachvollziehen. Diese waren aber alles andere als beruhigend für die Sektion, sondern sehr ernüchternd. Auflagen und neue Vorgaben, so kann man das Ergebnis zusammenfassen.
Dies ausführlich darzustellen soll aber nicht Bestandteil dieses Berichtes sein.
Erforderliche und umgehende Konsequenzen zu ziehen waren aber angesagt, um eine evt. „angedrohte“ Schließung für den Fall der Nichterfüllung zu vermeiden.
Das mag dramatisch klingen. In der letzen Konsequenz wäre dies aber leider der Fall. Im Vorstand war schnell klar, wir müssen einen gesicherten Weg der Umsetzung suchen. Aber auch dies ist nicht Gegenstand des aktuellen Berichts. Nur soviel; alle Maßnahmen sind eingeleitet, durch bauliche Maßnahmen den Auflagen nachzukommen und für den ersten Teil der Arbeiten sollte auch eine fundierte Finanzierung stehen. Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.
Unsere Aufgaben beim Arbeitseinsatz können naturgemäß nur solche Arbeiten umfassen, die von uns Hobbyhandwerkern erbracht werden können und weiter sollten derzeit nur solche Arbeiten durchgeführt werden, die sich an den Forderungen der BH ausrichten.
Dies waren:
Und wenn Zeit bleibt, sollten angegangen werden;
Alles wurde geplant und an die Kenntnisse und Fähigkeiten der Teilnehmer so gut es ging angepasst. Nun, die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Leider mussten wir dann beim Einsatz selber feststellen, dass die Planung ohne Berücksichtigung der Wetterkapriolen, die in diesem Jahr so manchen Wanderer getroffen hat, gemacht war.
Als wir bei schönstem Wetter von der Hüttenmannschaft bei der Begrüßung hörten, dass in den nächsten Tagen mit einem sehr ernsten Wettersturz zu rechnen ist, der einen vorzeitigen Abbruch der Arbeiten erforderlich machen könnte, wollte man es kaum glauben. Diese Überlegung mussten wir aber anstellen, da eine Benutzung der Materialbahn zum Transport der Ausrüstung ins Tal nicht mehr sichergestellt gewesen wäre. Dies haben wir zwei Wochen zuvor bei dem damaligen Wintereinbruch erfahren müssen. Es scheint so, dass die Bahn für hohe Schneelasten nicht ausgelegt ist.
Schon die Verantwortung für die Mitglieder der Gruppe ließ keine andere Wahl zu, als einen vorzeitigen Abbruch in Betracht zu ziehen. Diese Situation klar vor Augen, nahmen wir uns vor, so viel wie möglich, in der verbleibenden Zeit zu schaffen. Priorität war die Auflage nach einem Rückbau der drei Brunnenschächte, die unsere Hütte vor Jahren mit Wasser vom Gletscher versorgt hatten. Durch den Rückgang der Gletscher waren wir schon vor Jahren gezwungen, eine neue Wassergewinnung zu erschließen. Dies ist mit der Fassung von drei Quellen oberhalb der Hütte zwar sehr gut gelungen. Nur den Rückbau der Brunnenschächte haben wir bis heute nicht umgesetzt. Eine behördliche Anordnung ließ nun keinen Spielraum mehr, die Brunnenschächte weiter bestehen zu lassen. Eine gewaltige Aufgabe an die wir uns wagen wollten. Die Besichtigung im Frühsommer der bis zu 20 cm dicken Betonwände und im Quadrat von ca. 2m x 2m und 4m tief, zeigte sehr schnell, dass mit eigenen handwerklichen Mitteln ein Rückbau unmöglich war. Die Forderung; Rückbau in einen Natur-belassenen Zustand, stand aber im Raum. Schnell wurde klar, dass nur mit Hilfe einer Sprengung dieses Bollwerk zu beseitigen war. Pünktlich zum Arbeitseinsatz war der mittlere Brunnenschacht soweit gesprengt, dass eine weitgehende Zerstörung erreicht war. Der oberste Brunnen, tief in den Fels getrieben, ließ keine Sprengung zu. Hier musste eine andere Lösung her. Der besonderen Situation gehorchend, gingen wir mit der gesamten Mannschaft, noch unterstützt von Burckhard und Stefan von der Hütte, also in Summe mit 12 arbeitswütigen Menschen, an den Rückbau heran.
Während beim mittleren Brunnen in einem Umkreis von vielen vielen Metern (bis 60 Meter weit oder mehr flogen die Betonbrocken) kleinste, mittlere und teilweise sehr schwere Betonbrocken verstreut umher lagen, standen wir am oberen Brunnen voller Entsetzen vor seinem gewaltigen Volumen, welches zu füllen bzw. zu verschließen war. Getreu dem Motto; „viele Hände schaffen schnelles Ende“ war am späten Nachmittag der gesprengte Brunnen nebst aller Betonbrocken in der Umgebung unter einer dicken Natursteinschicht begraben. Hierbei wurde Felsgestein von beträchtlicher Größe und zentnerschwer zu der zu schließenden Stelle gebracht. Mit Brechstangen als Hebel und vielen Händen ging es dann nach anfänglichen Schwierigkeiten beinahe professionell ans Werk. Ein geschichteter schräger Steinwall von mehr als 4m Höhe verschließt heute die Stelle an der einmal ein Brunnen stand. Wasserleitungs-Rohre und die Elektroleitungen der ehemaligen Brunnenschächte wurden ausgegraben und entsorgt. Im oberen Brunnenschacht konnte mittels vieler starker Balken im oberen Drittel des Schachtes eine tragfähige Decke eingezogen werden, so dass die Verfüllung nun machbar war. Eine enorme Kraftanstrengung aller Teilnehmer hat in viel kürzerer Zeit als erwartet eine dauerhafte und den Auflagen entsprechende Rückverbauung erbracht.
Die Forderung Natur-belassener Zustand ist aus unserer Sicht voll erreicht. Ich gehe soweit, dass es schwer fällt, die beiden ehemaligen Brunnen heute ausfindig zu machen. Bleibt zum Schluss die Frage was macht der dritte, unterste Brunnenschacht. Eine zu hohe Schneelage aus dem Wettereinbruch von Anfang September hat die Sprengung bei diesem Einsatz verhindert. Dies wird ein Fall für das dieses Jahr.
Als die Mannschaft gegen 16:30 Uhr an der Hütte zurück war und einen erfrischenden Kaffee genießen konnte, hat anfangs wohl keiner gedacht, dass der Arbeitstag damit noch längst nicht zu Ende war. Ohne jede Aufforderung gingen die einzelnen Gruppen an die weitere Arbeit. Erst weit nach 19:00 Uhr fand dann der erste Arbeitstag ein Ende. Bei gutem aber wie immer viel zu reichlichem Essen wurde eine erste Rückschau gehalten und die Arbeiten für den nächsten Tag besprochen. Viel schneller als gewöhnlich zog sich die Gruppe zur Nachtruhe zurück. Die schwere Arbeit zeigte deutliche Wirkung.
Leider bestätigte der Wetterbericht am nächsten Tag die Befürchtungen, und damit wurde der vorzeitige Abbruch endgültig festgelegt.
Mit einer Trotzreaktion und einer hohen Intensität gingen daraufhin die Arbeitsgruppen an die verbliebenen Arbeiten. Hier soll nicht mehr über jedes Bohrloch oder andere Arbeiten berichtet werden.
Aber einen Umstand möchte ich doch hervorheben. Die im Vorjahr begonnene Entrümpelung der Hütte wurde nochmals im großen Stil weitergeführt. Die Anlieferung des Abfallcontainers an der Talstation der Materialseilbahn war für Montagmorgen geplant. Bei normalem Verlauf der Arbeiten wäre die Entsorgung so verlaufen, dass am Freitag die Abholung hätte erfolgen können. Nun musste das Volumen des Containers in der verbleibenden Zeit gefüllt werden. Eine Bitte an die Hüttenmannschaft und schon wurde gemeinsam mit uns entrümpelt was immer auch möglich war. Und das war viel, sehr viel. Der Kokskeller von Unrat und altem Gerät befreit, alte Elektrokabel in transportierbare Größen zerlegt. Der Dachboden bot ein schauerliches Bild, alte vergammelte Matratzen, Gestühl, Gerätschaften, ja ganze Türen, zwar halb verfallen aber noch immer zentnerschwer, galt es, ins Tal in den Container zu befördern. Um 14:00 Uhr bereits kam von Franz (einem Verwandten) und seinem Enkel, die wir zusätzlich für das Ausladen aus der Bahn in der Talstation und das Einlagern in den Container gewinnen konnten, die Meldung; Container ist voll. Und die Meldung, die ersten „Heuschrecken“ haben schon nachgeschaut was aus dem Container entwendet werden kann. Um die „Schätze“ (Kupfer, Eisen usw.) für uns zu sichern, (wir haben eine Vergütung dieser Materialien mit dem Containerunternehmen ausgehandelt) haben wir telefonisch um eine sofortige Abholung nachgesucht und gleich noch einen weiteren Container bestellt. Dieser Container wurde in der Zeit bis Dienstagvormittag ebenfalls noch gefüllt.
Viele, viele Fahrten mit der Material-Bahn waren notwendig und damit mehrere Tonnen Gerümpel entsorgt.
Der zweite Tag verlief ähnlich wie der Tag zuvor. Jeder war bemüht, möglichst viel zu erledigen. Die Küche schob am Abend das bereits fertig gebratene Fleisch von einer Seite zur anderen, wir wollten einfach kein Ende finden. So gegen 20:30 Uhr waren dann aber doch alle am Tisch versammelt und stellten beim Abgleich mit der Arbeitsliste fest, dass ein wirklich großer Teil der vorgenommenen Arbeiten bereits erledigt werden konnte.
Bemerkenswert war die große Harmonie innerhalb der Gruppe. Gegenseitige Unterstützung war selbstverständlich und antreiben musste ich niemanden. Im Gegenteil, die Fragen „Was kann ich noch tun?“ klingen noch immer nachhaltig positiv bei mir nach.
Der Ablauf des Dienstagvormittags – das schlechte Wetter sollte gegen Mittag beginnen - wurde noch kurz besprochen, bevor der Abend in gemütlicher Runde endete.
Nachdem die Restarbeiten am Morgen unserer Abreise erledigt waren, und auch die Hüttenabrechnung mit unserer Hüttenwirtin Cilli glatt über die Bühne ging, hieß es Abschied nehmen. Am Nachmittag war alles wieder in den Autos verstaut, und die Rückreise begann.
Ich möchte diese Zeilen nochmals dafür nutzen ganz herzlich DANKE zu sagen. Eine kurze aber arbeitsintensive Zeit ging wie im Fluge vorbei. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich immer wieder Menschen finden, die sich dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen. Und allen anderen sei verraten, uns hat es auch noch Spaß gemacht.
Da mit dieser Aktion leider die Arbeiten nicht erledigt sind benötige ich auch in diesem Jahr wieder freiwillige Helfer. Diesmal wollen wir wegen der Auflagen der Bezirkshauptmannschaft Imst aber bereits Anfang der Saison 2008 starten. Bitte schauen Sie sich den Aufruf zum Arbeitseinsatz 2008 an und melden sich bitte bei mir, wenn auch Sie mithelfen wollen. (Zum Aufruf)
Ihr / Eurer Sigbert Goebel, 1. Hüttenwart