Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2008/2
Hochtourengruppe

Unterwegs in Chile

in Wüste und auf Vulkanbergen

Teilnehmer: Holger Blume, Ronald Scheffler, Gerhild Jüttner
Planung und Organisation: Holger Blume.

Und so lief es ab:

Fr , 23 .11 2007 Flug von Hannover über Paris und Sao Paulo nach Santiago de Chile

Sa, 24 .11.2007 Ankunft, Übernahme des Mietwagens, Einkaufen, Zelten nördlich von Santiago nach Einbruch der Dunkelheit

So, 25. 11.2007 Fahrt nach Copiapo und weiter auf der Straße 31 Richtung Argentinien (Passo San Francisco), Abzweig in Richtung Laguna Rosa, Dunkelheit zwingt uns, abseits des Weges einen Zeltplatz zu suchen (2500m Höhe)

Mo, 26.11. 2007 Weiterfahrt zur Laguna Rosa (Naturschutzgebiet, schöner Salzsee mit vielen Flamingos und auch anderen Vögeln), am Paß (4100m ) Spaziergang zur Akklimatisierung, Unterkunft im Refugio am See gefunden (3750m)

Di, 27.11.2007 Wanderung auf den nahe gelegenen Cerro Maricunga (4965m). Holger bricht vorzeitig die heutige Tour ab, hat Rückenprobleme

Mi, 28.11.2007 Holger hat sich durchgerungen, die gesamte Tour abzubrechen. Wir fahren nach Copiapo zurück und setzen Holger schlechten Gewissens am Busbahnhof ab. Zu zweit zurück auf der 31 Richtung Passo San Francisco, bei Kilometer 226 von der Straße nach rechts zum Fuß des Tres Cruces Norte abgefahren, in 4500m Höhe Zelt aufgebaut

Do, 29.11.2007 Wegerkundung für die nächste höhere Lagerstätte

Fr, 30.11.2007 Wanderung zu einer Anhöhe von 5450 m

Sa, 1.12.2007 Geländefahrt auf 5100 m Höhe, Zeltaufbau

So, 2.12.2007 Spaziergänge, Auffüllen des Wasservorrates - Schmelzen von Schnee mit Sonnenenergie

Mo, 3.12.2007 Besteigung des Tres Cruces Norte (6030m), nochmalige Übernachtung in 5100 m Höhe

Di, 4.12.2007 Zeltabbau und Fahrt zur Laguna Verde (Salzsee mit grüner Farbe, Thermalquellen, 4300m)

Mit 5.12 2007. Fahrt zum Refugio Murray, 4500 m, Übernachtung

Do, 6.12.2007 Weiter bis an den Fuß des Vulkanberges Vicuna (6067 m), wegen Problemen bei der Anfahrt und beim Aufstieg in Höhe 5500 m abgebrochen

Fr, 7.12.2007 Fahrt nach Copiapo (Permit für Grenzberge besorgen, Wasservorräte auffüllen , Internetneuigkeiten erkunden (Holger)) und zurück

Sa, 8.12. 2007 Fahrt zum Passo de San Francisco und Besteigung des Cerro de San Francisco, 6018 m

So, 9.12 2007 Ruhetag mit Spaziergang um die Laguna Verde

Mo,10.12.2007 Angriff auf den El Muerto (6488 m), Fahrt über das Basislager des Ojos de Salada in ein Nebental, von dort zu Fuß in ein Hochlager, 5500 m.

Di, 11.12.2007 Früher Aufbruch, wegen schwieriger Wegfindung auf dem Nebengipfel (6148 m) die Route beendet, Abstieg zum Hochlager, Abbau und Rückmarsch zum Auto, letzte Nacht an der Laguna Verde

Mi,12.12.2007 Abfahrt Richtung Santiago, am Pazifik bis La Serena. Vergeblich einen Zeltplatz gesucht, Übernachtung im Hotel

Do.13.12.2007 40 km südlich von La Serena in der Bucht Guanaquero schönen Zeltplatz am Strand gefunden, zweimal dort übernachtet

Sa. 14.12.2007 Fahrt nach Santiago, Übernachtung im Hotel

So.15.12. 2007 Übergabe des Autos am Flughafen und Flug zurück über Sao Paulo und Paris nach Hannover


Erste Nacht in der Wüste
"Zeltplatz" in der Atacama-Wüste
Foto: Gerhild Jüttner

Unser Ziel waren die Vulkanberge östlich von Copiapo, in einem Gebiet, das zur Wüste Atacama gehört. Copiapo, durch Silbergewinnung zu Ansehen gekommen, ist jetzt eine Hochburg des Kupferbergbaus. Bei unserer Fahrt zu den Salzseen auf einer Hochebene von etwa 4000 m sahen wir viele Abzweigungen zu größeren und auch zu recht bescheidenen Minen. Die Berge sahen aus wie riesige Abraumhalden, schimmerten aber dank der verschiedensten Mineralien in einem großen Farbenspektrum.

Der erste Salzsee war die Laguna Rosa, ein Naturpark mit vielen Flamingos und auch anderen Vögeln. Hier übernachteten wir zweimal. Der zweite Salzsee, die Laguna Verde, zeigte bis auf die ersten Morgenstunden, ein wunderschönes Grün. Es ist ein ansehnliches Gewässer. Sehr angenehm empfanden wir die Thermalquellen, die hier entsprangen. Zwei Becken waren mit Steinen umschichtet, die notdürftig vor dem Wind schützten. Der Hüter des Campingplatzes hatte in seiner kleinen Behausung auch ein Bassin mit Thermalwasser. Er war sehr freundlich und bot uns an, es zu benutzen. Nachdem wir sechs Tage im Wüstensand gezeltete hatten, waren die Bedenken gering, ob dieses mineralhaltige Wasser gesundheitsfördend sei. Von den Flamingos sahen wir nur einmal ein Paar, das schnell wieder davonflog. Ihm war wahrscheinlich die Zusammensetzung des Salzwassers auch etwas zweifelhaft.

Die meisten Leute (aus den verschiedensten Ländern), die wir an den Lagunen trafen, wollten auf den Ojos del Salado, den höchsten Vulkan der Welt und höchsten Berg Chiles (6893m). Wir waren bescheidener, nicht nur wegen des kostenpflichtigen Permits (160 Dollar für Ausländer).

Als ersten 6000er hatte Holger Tres Cruces Norte geplant. Er ist der niedrigste eines Dreiermassivs; dazu gehören noch die Gipfel Tres Cruces Central und Sur. Zur Akklimatisation zelteten wir zuerst drei Nächte inmitten von Sanddünen in 4500 m Höhe und zwei Nächte im Schutze eines Felswalls in 5100 m Höhe. Es ist erstaunlich, wie wenig langweilig es in der doch eintönigen Umgebung während mehrerer Tage wird. Wir schlüpften mit Sonnenuntergang in unsere Schlafsäcke und blieben darin bis zum Sonnenaufgang, allerdings mit kleinen Unterbrechungen, der Akklimatisation und der Nierenfunktion geschuldet. Bei unseren Nachtgängen bewunderten wir den üppigen Sternenhimmel.

Der Wind kam meist gegen 11 Uhr, oft mit heftigen Böen. Deshalb empfahl es sich, bei Gipfeltouren trotz fehlender Spaltengefahr, früh zu beginnen. In der klaren und trockenen Luft und von einer 4000er Ebene gesehen, erscheinen die 6000er Gipfel greifbar nahe, leicht und schnell erklimmbar. Aber die Entfernungen sind viel größer. Leicht ansteigende Sandflächen entpuppen sich als mehrere Erhebungen mit Senken dazwischen. Pfade gibt es nicht, es sei denn auf den Cerro San Francisco und wahrscheinlich auf den viel begangenen Ojos del Salado . Als wir uns nach fünf Tagen an den Aufstieg zum Tres Cruces Norte wagten, nahmen wir einen anderen Weg, als wir vorher in Erwägung gezogen hatten. Wir ließen loses Geröll und Schneefeld rechts liegen und zogen leichte Kletterei im Felsgrat vor. Dabei ging es uns, wie oft erlebt: Nach einem bewältigten Felsgebilde türmt sich immer wieder ein neues auf. Irgendwann sahen wir aber den eigentlichen Gipfel, den wir von unten noch gar nicht erblicken konnten. Die kleine Senke und die letzten Höhenmeter fielen dann leicht. Unser Berg, mein erster über 6000 m, bestand nicht nur aus schwarzem Lavagestein, sondern zeigte rotes grobkörniges Material. Der Abstieg ging schnell. Auf sandigem Geröll rutschten wir nach unten. Nach dem Steilstück mußten wir sehr aufpassen, die richtige Längserhebung zu nehmen. Es sieht alles ähnlich aus und eine kleine Abweichung oben kann eine verzweifelte Suche nach Zelt und Auto weiter unten bedeuten. Wir verbrachten noch eine Nacht in 5100 m Höhe. Am nächsten Morgen drängte ich zum schnellen Aufbruch zu den Thermen hinab. Mein Magen hatte mich die letzten Tage zur Diät gezwungen und mit niedriger Höhe wollte ich ihn milder stimmen.

Kleine Penetentes
Kleine Penetentes
Foto: Gerhild Jüttner

Unseren zweiten Gipfel Vicuna, auch nur knapp über 6000 m, erreichten wir nicht. Wir fuhren zu früh von der Piste ab. Unser Auto setzte auf einem Stein auf und wir buddelten eineinhalb Stunden, um es zu befreien. Unser Anmarschweg war länger als vorgesehen und führte zusätzlich über ein sehr hinderliches Schneefeld mit Penetentes, die in der trockenen Luft durch Sublimation entstehen. Gegen Mittag setzte der übliche Wind mit heftigen Böen ein. Wir wichen auf die etwas windgeschützte Bergseite aus. Dort lag aber ein übles lockeres Geröll. Wir gaben in 5500m Höhe auf. Ronald wollte den Aufstieg wiederholen, aber ich fand, daß es der Schotterberg nicht wert war.

Cerro de San Francisco
Cerro de San Francisco
Foto: Ronald Scheffler

Der Cerro de San Francisco ließ sich gut bewältigen. Auf stetig ansteigendem sandigem Gelände ging es gleichmäßig voran. Ein sichtbarer Pfad führte bis kurz vor den letzten steileren Anstieg. Der Gipfel war eine kleine Hochebene und, um einmal nach Chile und zum anderen nach Argentinien zu schauen, bedurfte es einer kleinen Rundwanderung. Ronald suchte lange nach dem höchsten Punkt. Endlich fand er einen kleinen Aluminiumkoffer der Bank von Santiago de Chile und darin das Gipfelbuch.

Der Höhepunkt sollte der El Muerto werden. Er liegt vom Ojos del Salado nicht weit entfernt. Wir errichteten auf 5500m ein Hochlager. Von dort mußten wir noch etwas höher steigen und eine Senke durchqueren, bevor der eigentliche Anstieg begann. Dabei verliefen wir uns in den Steinmassen. Wir hatten keinen genauen Überblick, wo wir uns befanden.

El Muerto
El Muerto
Foto: Ronald Scheffler

Die Strategie, sich auf möglichst gangbare Weise nach oben zu bewegen, führte uns auf den Nebengipfel, immerhin auch ein Sechstausender (6148m, mein Rekord). Wir hätten etwa 150 m absteigen und 500 m wieder hinaufkraxeln müssen, um auf dem El Muerto zu stehen. Das Gelände sah unangenehm aus. Der Aufstieg hatte schon viel Zeit und Kraft gekostet. Ich stimmte Ronald erleichtert zu, hier abzubrechen. Wir hatten nur eine Nacht im Hochlager eingeplant und wollten am selben Tag zurück zur Laguna Verde.

Auf der Rückfahrt nach Santiago zelteten wir zwei Tage in einer schönen Bucht des Pazifik, direkt am Strand mit Bäumen als Sonnen- und Windschutz, Holzterrassen zum Meer und breitem Sandstrand. An einem Steilhang am Ende der Bucht lag das Fischerdorf Guanaquero. Dort wurden Austern aufgearbeitet. Vor unserer Nase im Pazifik gab es eine künstliche Zucht. Die Austern wachsen auf Bällen, die im Meer verankert sind. Während der ersten Nacht hatten sich viele Bälle losgerissen und wurden an unseren Strand geschwemmt . Die Austern darauf lebten noch und öffneten zeitweise ihre Schalen. Austern haben wir nicht gegessen. In einem Fischrestaurant namens Molokai ( sehr zu empfehlen) speisten wir äußerst köstlichen Fisch, frisch und liebevoll zubereitet. Dazu schafften wir eine ganze Flasche ebenfalls köstlichen Weines. Noch ein Strandspaziergang zurück zum Zelt und wir hatten einen richtig schönen Urlaubstag verbracht.

Gerhild Jüttner

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.24. Mai 2008