Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2008/3
Hochtourengruppe

Kletterfahrt nach Arco

Finja Trautmann in den Mund gelegt

Ja, ja, als jüngste Teilnehmerin wurde ich verdonnert, einen Reisebericht abzugeben. Und das mit meinen grade mal 6 Monaten. Dafür darf Papa aber den Text übersetzen, denn wer versteht sonst noch meine Ausführungen im Original: „älu mamamm babahh ha nnamü“.

 

Finja Trautmann auf dem Weg zum Einstieg
Finja Trautmann auf dem Weg zum Einstieg
Foto: Olaf Schröder

Also, los ging es am 20. April 08. Mit einer Übernachtung in Süddeutschland traf ich mit meinen Eltern Anita Trautmann und Olaf Schröder sehr gut ausgeschlafen in Arco ein. Was soll ich auch machen, wenn man über Stunden die Lehne des Rücksitzes ansehen muss. Dort sollte ich meine drei Babysitter für die nächste Woche – Klaus Steube, Gerhild Jüttner und Ronald Scheffler – kennenlernen. Diese waren kurz vor mir angekommen, doch erstmal war nichts von ihnen zu sehen. Später traf ich sie dann in der Fußgängerzone von Arco, als sie von den ersten Klettertouren zurückkehrten. Was ist das für ein Pflichtbewusstsein? Sie sollten doch auch auf mich aufpassen.

Danach bezogen wir unseren Bungalow auf dem Campingplatz. Die Bärtigen mussten draußen im Zelt übernachten, durften aber zum Essen mit ins Haus. Der Bungalow war wohl auch der Grund, wieso es einige schon zum vierten Mal nach Arco zog. Im Zelt wäre es für mich zu kalt, sagten sie. Als ob ich noch ein Baby wäre, das sich nicht bewegen kann. Aber ich habe es ihnen schon gezeigt. Von der Decke bin ich doch gerne runtergerobbt. Ein kalter Steinboden ist doch viel interessanter.

Abends wurde ausgiebig über das Klettergebiet für den nächsten Tag diskutiert. Wichtig bei der Auswahl war ein kurzer Weg zwischen Parkplatz und Einstieg sowie eine kleine Spielwiese vor den Kletterrouten.

Beim ersten Kletterfelsen bei Preore konnte ich sogar meine Leute von der Spielwiese in meinem VW-Bus beobachten. Zu den Felsen durfte ich aber (noch) nicht. Aber beim zweiten Klettergebiet (Marmitte dei giganti), das wir nach einem verregneten Vormittag ansteuerten, habe ich mir Klettermaterial geschnappt und bin zu den Felsen aufgebrochen. Leider kam ich kurz darauf in ein Antigravitationsfeld und landete wieder auf meiner Spieldecke - mit einem grinsenden Papa neben mir. In Nago hatte ich dann einen schaukelnden Logenplatz in meiner Babyschale. Hier konnte ich beobachten, wie Ronald und Papa eine einfache 5b Route nur mit Mühe technisch hoch kamen. Ich konnte mir das Grinsen ja nicht verkneifen, als sie dann sagten, das wäre mindestens 6b…. Aber zu ihrer Entschuldigung muss ich dann doch sagen, dass alle anderen Kletterer, die im Laufe des Tages vorbeikamen, auch nicht besser in dieser Route aussahen. Nebenbei konnte ich mich noch mit Max anfreunden. Recht gut aussehend, einen Monat älter, aber mit seinem tiroler Dialekt nicht zu verstehen. Trotzdem habe ich es geschafft, eine Expresse gegen meinen Strumpf zu tauschen.

Nach Massone durfte ich nicht mit. Dafür wurde ich von meinen Eltern durch Malcesine getragen.

Als letztes Gebiet haben wir uns Promeghin angesehen. Meine Eltern meinten hinterher, dass das gar nicht im Arcoführer stehen dürfte ­- kein Kalkgestein und nicht abgespeckt, dafür aber etwas bröselig, so das der Sichernde auf jeden Fall einen Helm tragen sollte.

An den 1½ Regentagen durchstöberten wir dann die Klettergeschäfte in Arco und testeten die Geländegängigkeit des Kinderwagens. Nach einem halben Kilometer mit teilweise 15% Steigung und Absätzen von nur 5 cm gaben meine Eltern dann aber auf. Dabei konnte man bei diesem Geschuckel doch besonders gut schlafen.

Das Fazit der Fahrt: Mit so vielen kompetenten Babysittern fahre ich wieder in den (Kletter-)Urlaub.

Olaf Schröder

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V.22. August 2008