Alle Vorzeichen standen auf Grün für einen erfolgreichen Arbeitseinsatz. Die Fahrer waren benannt, die Absprachen „wer macht was“ waren zur Zufriedenheit geregelt. Blieb nur als einziges Fragezeichen offen; wird das Wetter mitspielen. Die Wetterlage war alles andere als gut. Tagelang hielt sich ein Tiefdruckgebiet mit Schneefall, Nebel und Temperaturen deutlich unter dem Nullpunkt und bei bestimmter Wetterlage ist an einen Aufstieg nicht zu denken und die Materialbahn versagt bei starkem Schneebehang an den Seilen ihren Dienst. Wenn dann die Seilbremse auch noch einfriert geht nichts mehr.
Auch wenn ein Teil der Mannschaft erst nach einer Nächtigung im Tal den “Aufstieg“ schaffte, hat das dem Eifer der Akteure nicht geschadet. Mit schon bekanntem Eifer ging es kräftig zur Sache.
Erst einmal wurden die Arbeiten in der Hütte begonnen, die Entsorgung des dritten und letzten ehemaligen Brunnenschachtes nach hinten geschoben. Immer in der Hoffnung auf Wetterbesserung um damit die überfällige Auflage der Bezirkshauptmannschaft doch noch zu erfüllen. Aber es waren ja reichliche Aufgaben vorhanden.
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Wolfgang Ahrens, Armin Rogge, Norbert Decker, Sigbert Goebel, Günther Gehrke, Klauss Witt, Klaus Scheunemann (v.l.n.r)
Foto: Siegbert Goebel |
Nun will ich die durchgeführten Arbeiten beschreiben, erspare mir aber eine zu sehr ins Detail-gehende Berichterstattung.
Abbau und Einpacken der gesamten Ausstattung unserer Hütten-Kapelle und deren Dokumentation.
Klingt doch ganz einfach, oder?
Jedes Detail wurde fotographisch festgehalten und in einer Foto-Nachbearbeitung mit einer Artikel-Nr versehen und diese auf dem abgebautenTeil selber natürlich auch angebracht. Nun nach Einheiten verpackt und an sicherer Stelle komplett eingelagert. Die Einrichtung unserer (nun ehemaligen) Kapelle wartet darauf zu neuem Leben erweckt zu werden. Eine Aufgabe für unsere Sektion und den jeweiligen Hüttenwart von besonderem Bedeutung und Verpflichtung, stellte doch unsere Kapelle ein besonderes Kleinod dar, was von Besuchern unserer Hütte besonders gut angenommen wurde. Selbst eine kirchliche Trauung haben wir im letzten Jahr noch feiern können. Vielleicht erreichen ja diese Zeilen einige Mitglieder, die sich dieser Aufgabe in den nächsten Jahren durch persönliches finanzielles Engagement verpflichtet fühlen.
Die uns vorgeschriebene Generalsanierung der Hütte ließ keinen Spielraum für den Verbleib der Kapelle im Inneren der Hütte. Um die Einrichtung vor dem Abriss zu bewahren haben wir den Abbau und die Einlagerung vorgenommen.
Der Keller unter der Küche steht zu Beginn der Saison regelmäßig gut 25- 30 cm unter Wasser. Unsere Versuche den Raum gegen eindringendes Schmelzwasser abzudichten waren nur teilweise erfolgreich, wegen der hohen Schnee-Anwehung von 2- 3m Höhe an diesem Wandteil wird immer wieder Wasser durch die Natursteinwand in den Keller eindringen. Nun sorgen wir für einen „gelenkten Zufluss“ aber auch einen automatischen Abfluss. Ein Bodensumpf von 40x60 cm und ca. 60 cm Tiefe wurde in den felsbelassenen Fußboden eingebracht. Der Fußboden selber sowie die Wände mit Estrich bzw. Zementputz ansehnlich gestaltet. Dass die Aufnahmen für die Regale nun aus festem Mauerwerk sind und die Treppe neue Fliesen bekam rundet die Sache ab. In dem Wassersumpf wurde eine Tauchpumpe installiert, die einlaufendes Schmelzwasser künftig automatisch herauspumpt.
Dann endlich das Wetter reißt auf und mit Macht geht es an den Rückbau des schon vorher gesprengten Brunnenschachtes. Die Übung aus dem ersten Einsatz verleiht Flügel und in Rekordzeit ist am Nachmittag von dem Bauwerk nichts mehr zu sehen. An diesem Tag entstand auch das Mannschaftsfoto. Es trügt ein wenig, es war trotzdem kalt.
Die Auflage für den Winterraum lautete die „Dreifach-Lager“ auf Doppelstocklager zurück zu bauen. Wichtige Not-Lagerkapazität in der Sommersaison wäre verloren gegangen. Die Lösung war leichter gedacht als realisiert. Der Aufenthaltsbereich muss in den heutigen Vorraum integriert werden und die abgebauten Lager wiederum im alten Aufenthaltsbereich aufgestellt werden. Nachdem wir vom Bezirkskaminkehrermeister zwar die Genehmigung für die Verlegung der Feuerstelle erhalten haben, wären wir an der Hürde, durch eine 60 cm dicke Natursteinwand einen Kaminzug zu ziehen, beinahe gescheitert. Alle Versuche einem Fachbetrieb diese Aufgabe zu übertragen scheiterten an unserem kurzfristigen Ansinnen oder die Gefahr eines Zusammenbruchs der Mauer hat die angefragten Firmen abgeschreckt. Nächster Versuch war angesagt; gibt es eine Möglichkeit eine Kernbohrung, Durchmesser 150 mm durch die Wand zu treiben. Auch hier nur Absagen von Fachbetrieben, in diesem Fall nicht wegen der Schwierigkeit, sondern wegen totaler Auslastung der Betriebe. Ja und selber eine Kernbohrung wagen? Wer von uns hat das jemals vorher gemacht und wer übernimmt die Verantwortung für die beteiligten Personen und das “sauteure Bohrgerät“. Ein Gespräch mit dem Polier unserer KABA-Baustelle zeigte eine wage Lösung auf. Ich zeige Euch die Bedienung und die Aufstellung, ihr müsst aber alles selber erledigen. Meine Leute haben keine Zeit, uns sitzt die Zeit im Nacken. Und dann weis ich noch gar nicht ob wir im Tal ein Bohrgerät haben.
Der Strohhalm wurde aufgegriffen und mit Sorge der Antwort entgegen gefiebert. Am nächsten Morgen war das Monstrum da. Fast ein Zentner schwer, sollte es mit einem einzigen metallenen Spezialdübel an der Wand befestigt werden. Ein Gewicht von fast einem Zentner an solch einem kleinen Dübel? und dann noch die Hydraulikleistung des Bohrgerätes. Uns überkamen erhebliche Zweifel. Leider sollten wir Recht behalten. Der erste Versuch endete damit, dass das schwere Bohrgerät während des Betriebes aus der Verankerung samt Dübel herausriss und wir in einer riskanten Reaktion das Monstrum kurz vor dem Boden abfangen konnten. Glück gehabt, so unsere lapidare Meinung. Der Polier war natürlich immer wieder befragt und hat uns versichert, dass von uns alles richtig angebracht war. Trotzdem, wieder kein Erfolg beim zweiten Versuch, der Dübel ist im vollen Material einfach abgerissen. Zu diesem Zeitpunkt war uns fast bewusst, dass es mit dem Ofen im „neuen Aufenthaltsraum“ wohl nichts werden würde. Aber weit gefehlt. Der Erfindungsreichtum der beteiligten Bohrleute war größer als die zuvor beschriebenen Schwierigkeiten. Ein „Bohrgerüst“ aus Leiter und Brettern wurde gebaut und ein neuer Versuch gestartet. Nach ca. 53 cm war endgültig Schluss, der Mitnehmer vom Antrieb auf die Bohrkrone versagte seinen Dienst. Alle Versuche mit Ersatz die Funktion wieder herzustellen waren vergeblich. Nicht aber der Versuch, die letzten Zentimeter der Wanddurchführung mit brachialer Gewalt und Hammer und Meißel zu erreichen. Der Ofen wurde probebeheizt, die Lager fertig gestellt, eine Sitzgelegenheit eingerichtet. Die Wintergäste können kommen.
Ende August erhielten wir eine Bestätigung eines örtlichen Elektrofachbetriebes, in dem uns die ordnungsgemäße Ausführung der elektrischen Anlage bestätigt wurde. Damit wurde unsere begonnene Arbeit im Juni des Jahres belohnt. Für einen Teil der Privaträume der Pächterfamilie und für alle Personalzimmer war der Vermerk aufgenommen „Arbeiten werden im September des Jahres „ fortgesetzt. Diese Arbeit hat wieder einige Tage in Anspruch genommen, wurden aber erfolgreich beendet.
Und wie soll man diverse Restarbeiten definieren. Nun, alles was noch offen war bis hin zu einigen Nachbesserungen. Eben alles, damit wir einen “guten“Eindruck“ hinterlassen, um am 23.09.08 die Verhandlung mit erneuter Inaugenscheinnahme durch die Bezirkshauptmannschaft zu bestehen. Dies ist mit Erfolg abgeschlossen worden.
Das vorgelegte Sanierungskonzept wurde im Beisein des DAV-Hauptvereins, unseres Architekten und dem künftigen Bauführer und unserem 1. Vorsitzenden von der Bezirkshauptmannschaft akzeptiert und der Zeitplan der Sanierungsmaßnahme abgestimmt. Damit gingen Tage großer Anstrengung erfolgreich zu Ende.
Bleibt mir am Schluss eine Bemerkung zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 der Braunschweiger Hütte. Unsere gemeinsamen Anstrengungen von Pächterfamilie und allen Sektionsverantwortlichen haben dazu beigetragen, das überdurchschnittliche Ergebnis des Vorjahres nochmals deutlich zu steigern.
Hierfür möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken.
Rückfragen aus unserer großen Mitgliederzahl der Sektion Braunschweig zu den bisherigen Einsätzen auf der Hütte waren bisher keine zu verzeichnen. Dies lässt bei mir zumindest einige Denkfalten auf der Stirn entstehen.
Vielleicht habe ich ja mit diesem Bericht Ihr Interesse geweckt, und ich erhalte nach diesem Bericht die eine oder andere Rückfrage. Noch besser wäre es wenn wir uns im neuen Jahr bei der Jahreshauptversammlung sehen könnten. Der Punkt Braunschweiger Hütte wird hier wieder einen elementaren Platz einnehmen müssen, geht es doch um die Weichenstellung in die Zukunft.
Mit einem herzlichen Gruß
Ihr Sigbert Goebel, 1. Hüttenwart Braunschweiger Hütte