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Reisegruppe
Foto: Martin Bernhardt |
Eigentlich sollte es um 6.00 Uhr losgehen.
Zwei Wochen vor Ostern, eine Gruppenfahrt mit Jugendlichen aus unseren Jugendgruppen.
Eine Woche Felsklettern in Italien. Finale Ligure, die Blumenriviera, die Perle Italiens westlich von Genua, direkt am Mittelmeer.
Dummerweise hatte ich verschlafen, und alle warteten mit verschränkten Armen, wippenden Füßen und einem Spruch auf den Lippen an der Kletterwand in Braunschweig.
Wir sind dann doch noch losgefahren, für die meisten viel zu früh.
Regen…, Regen…., mal keinen Regen, wieder Regen, Schneesturm in den Nordalpen, noch mehr Schnee in den Südalpen, dann wieder Regen, Regen, Regen….. Aber das war uns egal. Wir fuhren ja in den sonnigen Süden. Gegen 20 Uhr. Es regnete immer noch, erreichten wir unser Ziel. In San Bernadino, oberhalb des Ortes Finale Ligure, fanden wir unsere Ferienwohnung. Unsere Ferienwohnung sollte für 9 Personen Platz bieten. Das tat sie auch, nur war es etwas eng. Wie gut, dass ich nicht mit dem Sumo-Ringer-Nationalkader unterwegs war. Wäre eng geworden. Es regnete immer noch und kalt war es auch. Morgen wird’s bestimmt besser, denn wir wollten schließlich klettern. Die erhoffte Wetterbesserung trat nicht ein, dafür Regen, Kälte, leckeres Frühstück und Fernsehen.
„Maaartin was machen wir heute?“
Erst mal raus.- Wir, die Reisegruppe Braunschweig, Pascale, Tillmann, Laura, Julia, Clara, Pauline, Bastian, Dirk (Paps von Julia) und ich schnappten unsere Regenjacken und abgings ans Meer, runter nach Finale, erstmal ortskundig werden.
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Pauline klettert eine 6a
Foto: Martin Bernhardt |
Es wollte irgendwie nicht aufhören mit dem Regen. Auch der nächste Tag sah für s Klettern nicht so gut aus. Italienische Local-Insider-Tipps sagten besseres Wetter voraus. Die wollen uns doch nur bei Laune halten.In Braunschweig könnte man morgens im T-Shirt nett im Kaffee sitzen. Irgendwie fanden wir das echt doof.
„Maaartin was machen wir heute?“
Erst mal raus. - Felsen anschauen und mal sehen, was geht.
Es gibt da so eine Grotte, die schauen wir uns mal an. Bitte Klettersachen mitnehmen.
Der Fels „Parete Dimenticata“ incl. der „Grotta Dell´edera“ war unser Ziel. Parete Dimenticata ist die langestreckte Fortsetzung des Monta Sordo und bietet eine Vielzahl leichterer Routen und eines der geologischen Wunder in Finale, die Grotte.
„Ups, es regnet ja gar nicht mehr“, stellten wir auf dem Weg zum Fels fest. Schon angekommen, entdeckten wir einen Höhleneingang. Der Zustieg zur Grotte über ein Fixseil steil nach oben auf ein kleines Plateau, weiter zu einem kleinen Austiegsloch in die Grotte, war schon ein echtes Erlebnis. Durch ein kleines Felsloch, die Sumo Ringer hätten da nicht durchgekonnt, erreichten wir die „Grotta Dell´edera“ einen nach oben offenen Zylinder, etwa 25 Meter hoch, Steilwand mit einigen Routen - abgefahrener Ort, warm, trocken und siehe da, mit Sonnenschein. Endlich klettern. Mit einigen Routen zum Aufwärmen und Kennenlernen des Gesteins konnten wir endlich der Bestimmung dieser Fahrt nachkommen.
Am nächsten Morgen wurden wir endlich mit Sonnenschein begrüßt. Unser Kletterziel war der „Monte Caprazoppa“, einer Felsgruppe westlich von Finale. Im Sektor „Cava di Rio Fine“, ein ehemaliger Steinbruch, wurden viele kurze Routen neu erschlossen. Die Haken wurden so dicht gesetzt, dass einige ihren ersten Vorstieg machen konnten. Nachdem wir fast alle Routen durch hatten, ging es weiter bergauf durch mannshohes Gestrüpp zum Sektor
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Palmenklettern
Foto: Martin Bernhardt |
„Il Cimitero“. Neben den leichteren Routen, die Tillman und ich eingehängt hatten, ging unsere Aufmerksamkeit mehr in die benachbarte Grotte. Fasziniert beäugten wir die Sintersäulen in der Grotte und das riesige Dach. Wir entschlossen uns „Another Day In Paradise“ 6c+ zu klettern. Großgriffige Kletterei bis unters Dach und dynamischer Dachkletterei. Supertour, die Tillmann im zweiten Versuch durchsteigen konnte.
Am nächsten Tag regnete es wieder und kalt war es auch am „Pian Marino“. Regen hatte uns echt im Griff, so dass wir uns für den nächsten Tag den überhängenden Sektor „Anfiteatro“ am „Monte Cucco“ als Kletterziel aussuchten. Lange leicht überhängende Routen, das Wasser tropfte vom Gipfel hinter uns in den Wald, zwischendurch Sonne, und alle probierten sich in Routen von 5c bis 6c+ aus.
Der letzte Tag war an sich der schönste, wofür auch immer. Sonnenschein ohne Ende, so dass der Aufstieg zum Fels „Monte Caprazoppa“ Sektor „Pietra Del Sole“, wieder durch mannshohes Gestrüpp echt anstrengend war. Dadurch, dass wir uns ein wenig verlaufen hatten, mussten wir über Stock und Stein kraxeln und der Aufstieg zu einer kleinen „outdoor experience“ wurde mit zerkratzen Beinen und meuternden Sprüchen geschafft. Oben am Fels angekommen, war die Aussicht zwar hervorragend, die Klettermotivation aber fast dahin.
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Baden im Mittelmeer Ende März!
Foto: Martin Bernhardt |
Na ja, ein paar Touren haben wir noch gemacht, sind dann aber runter nach Finale an den Strand gefahren und ihr werdet es nicht glauben, die Jungs und Mädels wollten Anfang März im Mittelmeer baden. Die Jungs zuerst, das Wasser war echt noch richtig kalt, dann die Mädels, unglaublich, schreiend und quietschend rannten alle ins Wasser. Dirk und ich nicht. Dafür ist es noch nicht genug Sommer. Selbst die Einheimischen saßen mit dicker Jacke an der Strandpromenade. Am Mittelmeer sein und nicht einmal ins Wasser gehen, das gilt nicht!
So, die Rückfahrt wurde dann noch mit einer Übernachtung in der Jugendbildungsstätte des JDAV in Hindelang unterbrochen. Tolles Haus, kann ich jedem, der mal mit einer Gruppe ins Allgäu möchte, nur empfehlen.
Alles in allem war es eine schöne Fahrt. Für einige das erste Mal weit weg von zuhause, felsklettern, leichtes und schwieriges im Top Rope oder im Vorstieg bewältigt, viel gelacht, sich übers Wetter geärgert, sich noch mehr über das viel schönere Wetter in Braunschweig geärgert, ungewöhnliche Felszustiege z.T. leidend erlebt, Küchen- und Hausdienste mehr oder weniger professionell erledigt, gemeinsames kochen, riesige Pizza (wer soll so viel essen?), grillen, eine Woche ohne Bruder, baden im Meer, Krankheit, tolle Klettermotivation, Nörgeleien, Eidechsen gesehen, Palmen rauf geklettert, super Ferienanlage, Ferienhaus zu klein, Pool, lecker Frühstück, und vieles mehr.
Pascale Schöwe, Tillmann Ziola, Laura Grote, Julia Herdeegen-Timpe, Clara Hübner, Pauline Kohlhase, Bastian Engel, Dirk Herdeegen-Timpe und Martin Bernhardt
Martin Bernhardt