Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2009
Hochtourengruppe

Klettern auf der Schwäbischen Alb

Unser diesjähriges Frühjahrsklettern führte uns nicht (wie üblich) auf die Südseite der Alpen, sondern „nur“ 500 km weit, zur Schwäbischen Alb. Genau genommen die „Ostalb“. Im Folgenden die Eindrücke von verschiedenen Teilnehmern an unterschiedlichen Tagen.

Gerhild kletter am Piazriss (V+) im Eselburger Tal
Gerhild kletter am Piazriss (V+) im Eselburger Tal
Foto: Klaus Steube

Rosensteine

Unser erstes Quartier, das Naturfreudehaus bei Aalen, war am Donnerstag, 4. Juni 2009 Treffpunkt der in drei Autos anreisenden: Gerhild Jüttner, Marion Schmidt, Holger Blume, Clemens Pischel, Ronald Scheffler und Klaus Steube. Das Wetter meinte es gut mit uns und nach kurzer Mittagspause fuhren wir zu den nahegelegenen Felsen des Rosensteins bei Heubach. Wir staunten über den perfekt ausgestatteten Klettergarten; Hakenabstände wie an unserer Kletterwand in Braunschweig und ein sehr rauer, von Wasser zerfressener Kalkfels. Trotz der Beliebtheit des Rosensteins waren die Routen kaum abgespeckt und wir konnten - uns unter das dort kletternde Schwabenvolk verteilend - bis in den frühen Abend müde klettern. Dank der Bohrhakenreihen wagten wir uns auch in solche Routen, in die wir uns im „heimischen“ Ith mit seinen sparsameren Sicherungen nicht getraut hätten. Eigentlich waren es sogar zu viel Haken, denn es gab genügend Möglichkeiten, mit Klemmkeilen oder Schlingen zwischendurch zu sichern; aber wir nahmen das Angebot dankend an, wohl wissend, dass der Rosenstein eine Ausnahme ist.

Marion, unsere Neueinsteigerin, kletterte begeistert mit – kein Wunder als „Mädle“ des Schwabenlandes fast obligatorisch. Der Abend bescherte uns auf dem Heimweg eine Pizzeria und müde und zufrieden fielen wir in unseren geräumigen Schlafräumen der Wanderhütte in die Betten.

- KS –

Eselsburger Tal

Freitag der 05. Juni. Die Nacht in der Unterkunft war unerwartet ruhig und daher sehr angenehm. Wie am Vorabend beschlossen, begaben wir uns um 7.30 Uhr in die "Kantine" des Naturfreundehauses, wo uns ein üppiges Buffet erwartete.

Die Steinernen Jungfrauen  im Eselburger Tal
Die Steinernen Jungfrauen im Eselburger Tal
Foto: Clemens Pischel

Gut gestärkt konnten wir danach den Tag in Angriff nehmen. Mit dem Multifunktionsauto von Klaus war es möglich, zu sechst unser Ziel anzusteuern: Das Eselsburger Tal. Nach einer Fahrt von 40 km in Richtung Süden stellten wir bei Bilderbuchwetter am Ortsrand von Herbrechtingen den Wagen ab. Wir gönnten unserer Haut noch eine Cremekur mit hohem Lichtschutzfaktor, bevor es durch das idyllisch-schöne Tal der Brenz ging. Nach ungefähr zwei Kilometern begegneten wir den nicht mehr ganz so jungen „Steinernen Jungfrauen“. Der Zahn der Zeit hat dermaßen an ihnen genagt, dass sie sich nur noch mit Hilfe von Stahlklammern aufrecht in der Landschaft halten können. Wir ließen die Damen links liegen und visierten die so genannte Mittlere Wand an. Die dortigen Kletterer suchten bald das Weite. Wir hatten die ganze Südseite für uns alleine. Die Topos im Buch gaben nur nach genauem Hinsehen Aufschluss, welche Routen wir überhaupt geklettert sind: so wären wir bis heute fast im Glauben, eine 7 geklettert zu haben, doch es war „nur“ 'ne 6. Nachdem wir dort die verschiedenen „Wege“ auf den 15-20m hohen Felsen ausprobiert hatten, machten wir am Hang Siesta mit Blick auf die ruhig dahinfließende Brenz, von der immer wieder ein Fischreiher aufstieg. Mittlerweile war es noch wärmer geworden und wir hofften auf ein kühleres Klettern an der Nordwestseite des Felsens. Die Routen hier waren etwas anspruchsvoller und die Auswahl nicht mehr ganz so groß. Auch die Absicherung mit Bohrhaken war sparsamer als auf der anderen Seite. Insgesamt war das gesamte Massiv vom häufigen Besuch schon ordentlich abgegriffen. Dadurch konnte man zwar sehr gut die Routen und Griffe sehen, jedoch machte es den Aufstieg nach Oben nicht leichter. Gegen 16 Uhr beschlossen wir den geordneten Rückzug und marschierten zurück zum Auto. Mit einem Boxenstopp an einem Supermarkt ging es zurück zum Naturfreundehaus. Kurz nach 21 Uhr kam zuerst Jens Köhler (mit dem Auto) und danach die Zugfahrer Gaby Lappe und Kai Maluck zur Unterkunft und komplettierten unsere Gruppe.

Im Aufenthaltsraum des Naturfreundehauses planten wir das Wochenende.

- CP -

...Die mit dem Regen kamen...

Als unsere Kletterfreunde uns am Freitagabend mit sonnenverbrannten Armen begrüßten, konnte ich mir für die kommenden Tage kaum Regenwetter vorstellen. Aber der Samstagmorgen ließ keinen Zweifel. Die Kletterschuhe würden in der Hütte zurückbleiben, während wir uns den Tag mit einer Regenwanderung durch die Wälder der Schwäbischen Alb vertreiben wollten. Immerhin sollte es zu einer Felshöhle mit Abseilstelle gehen. Ronald entdeckte die Fotografie von Schnecken und an Weggabelungen wurde anhand der GPS-Geräte die weiter einzuschlagende Richtung geprüft. So fand Jens über umgestürzte Bäume und glitschige Pfade auch die besagte Felshöhle. Nun kamen ein Seil sowie Gurte und Abseilachter noch zum Einsatz (es gab allerdings auch einen Seiteneingang in die Höhle, so dass man nicht zwangsweise abseilen musste). Unten angekommen hatte Kai die Idee, noch eine Bergrettungsübung einzuflechten, krabbelte mit Hilfe von Prusikschlingen am Seil nach oben und baute daran am oberen Höhleneingang einen Flaschenzug. Die Rolle der hochzuziehenden Flasche wurde mit mir besetzt, und so ging es aus der Höhe zurück ans Tageslicht (schön, mit so kräftigen Bergfreunden auf Tour zu sein!). Die weitere Wanderung führte uns in mehreren Bogen mit Einkehr (erweitertes Kuchenessen) wieder zur Hütte. Inzwischen wieder trocken, erwischte uns auf den letzten paar Kilometern noch mal ein heftiger Regenguss, so dass wir uns triefend nass ins Naturfreundehaus zurück flüchteten. Die Nässe wurde jedoch später beim abendlichen schwäbischen Maultaschenessen schnell wieder vergessen.

- GL -

Der "Lochstein" im Roggental
Der "Lochstein" im Roggental
Foto: Jens Köhler

Auf dem Kalten Feld

Nach zwei vergeblichen Anläufen, in der Nähe der Geislinger Hütte am Sonntag zu klettern (der erste Felsen war gesperrt, der Zweite versank in einem Gewitterregen), machten sich Gabi, Gerhild, Klaus und ich kurz entschlossen auf in Richtung Kaltes Feld, dem mit 860m höchstem Plateau in der Nähe. Das Hochplateau mussten wir auf steilen Waldstraßen erklimmen, oben konnten wir dann einige wunderschön gelegene Hütten sehen, Gabi legte sich mit einem seltenen, aber wahrscheinlich gefährlichen Exemplar der Art Tarantula albiae geislingensis an. Nur durch einen beherzten Einsatz der Gruppe konnten wir sie aus dem Spinnennetz befreien! Als Wanderführer in einem unbekannten Gebiet wurde die übliche Gefahr, sich Verhauer auszusuchen, noch dadurch verstärkt, dass Gabi und Kai pünktlich zum Bahnhof mussten, aber wir waren rechtzeitig zurück am Auto und konnten die beiden in die Heimat verabschieden,

- JK -

Lochstein und Roggennadel

Am Montag gab es in der gepflegten Geislinger Hütte, mit ihrer reich ausgestatteten Küche und einem Keller mit Vorräten wie Hausmacherwurst, Bier und Wein aus der Region (ach nein, letzteres erst abends) ein Frühstück.

Es regnete nicht, und wir machten uns auf, zu dem am Sonntag angepeilten Lochstein und der Roggennadel. Der Lochstein darf nicht vom Felsfuß an der Talseite beklettert werden. Das Besondere am Felsen ist, dass man diese talseitigen Routen durch einen Tunnel auf der Bergseite erreicht: Etwas hochkraxeln, durch das Loch auf die andere Seite, dort mit Hilfe einer Schlinge nach draußen hangeln und zu den verschiedenen Einstiegen. Vier Routen konnten wir gut bewältigen, bei der fünften hatten wir Probleme, nicht nur weil die Bewohner eines Wespennestes sich gestört fühlten.

Die Wolken zogen schon wieder bedrohlich auf. Aufbruch zur Roggennadel. Clemens und Klaus waren die ersten am Einstieg. Ein Blick nach oben ließ mich ahnen, dass ich keine Chance mehr habe würde, diese schön aussehende Route zu klettern. Kaum hatte Clemens die erste Sicherung gelegt, fing es an zu regnen. Er ließ sich aber nicht abschrecken und Klaus sicherte „tapfer“ weiter. Er ließ es sich nicht nehmen, die Route danach auch noch zu machen. Wir anderen zogen uns zum Auto zurück und warteten im Trockenen, bis die beiden, etwas durchgeweicht, eintrafen.

- GJ -

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 2. August 2009