Vom 4. bis 6. September 2009 lud die Sektion Minden die nordwestdeutschen Sektionen zum traditionellen Sterntreffen ein. Der Einladung war zu entnehmen, dass diese etwas altbackene Veranstaltung durch Einbeziehung der Familiengruppen modernisiert und aufgewertet werden soll. Weil Minden mit Weserdurchbruch, Wiehengebirge und Wasserstraßenkreuz etliche Attraktionen aufzuweisen hat, nahmen wir die Einladung gerne an und freuten uns auf ein schönes Wochenende gemeinsam mit anderen Familiengruppen. Kurz vor der Veranstaltung erfuhren wir, dass wir die einzige Familiengruppe wären, welche sich angemeldet hatte und dass es beim Sterntreffen eigentlich üblich sei, dass die Gruppen ihr eigenes Programm gestalteten und sich dann zur Abschlussveranstaltung träfen. Da die Gegend für uns alle völlig unbekannt war, bat ich den Mindener Familiengruppenleiter Klaus Kämmerling, für uns eine Familienwanderung zu führen, was er dann auch zusagte.
Das Wochenende kam heran, 3 Familien packten Zelte und Schlafsäcke ein, denn wir hatten uns vorgenommen zu zelten, aber es regnete den ganzen Freitag, also wurde die Anreise auf Samstagmorgen verschoben und es regnete weiter. Im strömenden Regen trafen wir uns auf dem Parkplatz am Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit Klaus und seinen Kindern. In Regenjacken eingepackt marschierten wir zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal, welches groß und mächtig über dem Weserdurchbruch thront. In einer Regenpause hatten wir einen schönen Blick auf Minden und die Weser. Klaus erzählte uns etwas über seine Stadt und spielte mit uns das Klappersachlangenspiel. Dann führte er uns auf schmalen Pfaden zu einer Höhle, einer alten Steinzeichnung, dem Drachenfliegerstartplatz und einem Aussichtsturm. Die ganze Wanderung wurde immer wieder mit Geschichten und Spielen für die Kinder aufgelockert, so dass es nie langweilig wurde. Nach 4 Stunden kamen wir patschnass und fröhlich an den Autos an. In diesem Zustand die Zelte aufzubauen, lehnten vor allem die Mütter rigoros ab. Ein Quartier hatten wir aber nicht gebucht. Zum Glück hat Silke einen netten Arbeitskollegen, welcher in der Nähe einen Bauernhof besitzt. Nach einem kurzen Anruf sind wir einfach bei Cort eingefallen, haben seinen Küchentisch besetzt und luden ihn zu Kaffee und Kuchen ein, denn wir waren ja auf Selbstversorgung eingerichtet. Das Wohnzimmer wurde zum Schlafsaal und im Kinderzimmer fanden unsere Kinder mit Corts Sohn einen neuen Spielgefährten. Im Laufe des Nachmittags hörte der Regen auf, so dass wir abends grillen konnten und die Kinder hatten viel Platz, im Garten zu toben. Emma und Moritz bauten mit ihrem Papa doch noch das Zelt auf.
Abends fuhren wir dann zum Weserufer zur Veranstaltung „Weser in Flammen“, welche uns von den Bergfreunden aus Minden sehr empfohlen wurde und wir wurden nicht enttäuscht. Auf der Weser gab es eine Prozession von beleuchteten Motorbooten, lampiongeschmückten Kanus und Ruderbooten sowie Fackelschwimmern. Dazwischen und am Ende gab es immer wieder Feuerwerk am Ufer und von Flößen aus, dazu Volksfeststimmung mit Musik und Karussell am Ufer und Leuchtstäbe als Schmuck oder zum Winken für alle kleinen und großen Kinder. Begeistert aber todmüde fielen wir danach ganz schnell ins Bett.
Am Sonntag sind wir nach ausgiebigem gemeinsamem Frühstück zum Wasserstraßenkreuz gefahren. Dort haben wir eine Dampferfahrt durch die Schachtschleuse unternommen, andere Schiffe beim Schleusen beobachtet und den Ausstellungspavillon besucht. Auf einer Parkbank richteten wir das Mittagsbuffet ein und fuhren dann gespannt zur Abschlussveranstaltung. Doch welche Enttäuschung erwartete uns da! Als wir pünktlich zum Veranstaltungsbeginn ankamen, war das Kuchenbuffet bereits leergegessen. Mit unseren Kindern fühlten wir uns im Kreis der Alpenvereinssenioren etwas deplatziert. Der ungemütliche Schulspeiseraum lud auch nicht zum Verweilen ein. Da halfen auch keine Musik und keine freundlichen Worte des Sektionsvorsitzenden. Wir tranken schnell einen Kaffee, aßen unsere letzten Kekse und fuhren heim. So bleibt als Resumee, dass wir ein sehr abwechslungsreiches Wochenende mit vielen schönen Erlebnissen hatten, vor allem auch dank der fröhlichen Führung von Klaus und des netten Gastgebers Cort. Das, was wir aber vom Sterntreffen erwartet hätten, nämlich gemeinsame Aktionen mit anderen (Familien)gruppen, war ein großer Reinfall.
Ralf Hartzsch