Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2009

Bericht über den Wegediensteinsatz im Bereich der Braunschweiger Hütte

vom 17. bis 21.September 2009

Den letzten Wegedienst hatten wir vom 23.bis zum 31.Juli 2004 vorgenommen.

Damals war die Durchführung dringend notwendig, weil der Sicherheitsweg zum Gletscher im Bau war und der traditionelle Weg Via Alpina / E 5 / Nr. 918 getrennt wurde und nicht mehr begangen werden konnte.

Die Bauarbeiten sind 2008 soweit fortgeschritten gewesen, dass es nun soweit war, den Verlauf der neuen Streckenführung zu beschildern und die übergangsweise gestellten Wegweisungen zu aktualisieren.

In den Wochen vorher hatte ich bei dem Touristenverband im Pitztal bereits die Schilder vorbestellt. Bezeichnend ist die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Touristenverbandes Pitztal (TVB) vor Ort, bei denen ich mich herzlichst bedankte.

Neues Schild
Foto: Helmut Eidam

Am Donnerstag, dem 17.September, holte ich meine Helfer, Klaus Witt und Günter Gehrke, kurz nach 6.00 Uhr zu Hause ab. Eine glatte Fahrt bis ins Pitztal schloss sich an und gegen 15.30 Uhr nachmittags waren wir vor Ort. Die Schilder lagen,wie abgesprochen, schon im Touristenbüro in Mandarfen bereit. Ich wollte mich vergewissern, ob wir im Falle, dass das Wetter nicht hält, mit dem Pitz Express zum Gletscher hochfahren können. Also weiter zur Talstation. Dort treffe ich den Bruder unseres Hüttenwirtes Stefan. Er bereitet uns eine Freude, denn er konnte uns mitteilen, dass die Beschilderung zur Braunschweiger Hütte oben an der Bergstation der Gletscherbahn erledigt sei! Es ist doch schön, Menschen dort vor Ort zu haben, die uns helfen! Nun weiter zur Materialbahn. Wir wollten gleich unten an der Bahn die ersten Schilder anbringen. Doch meine Sparsamkeit bei der Bestellung in der Form, dass wir die Halter an die Schilder selbst montieren wollten, brachte uns zur Begrüßung im Tal die erste Überraschung Wir hätten eine Bohrmaschine, am besten Standbohrmaschine schon unten an der Bahn haben müssen, denn die Schilder waren nicht vorgebohrt. Zum Glück hatte ich die Mobilfunknummer von unserem hilfsbereiten Josef Larcher vom TVB bei mir. Ein kurzer Anruf bei ihm und wir verabredeten uns direkt nach dem Gespräch in seiner Werkstatt in St.-Leonhard. Während ich dorthin fuhr, konnten Klaus und Günter schon mal unser Gepäck über die Bahn nach oben schicken.

Nach einer knappen Stunde war ich mit den Schildern zurück und so konnten wir die ersten Schilder anbauen.

Auf das Abendessen in unserer Hütte freuten wir uns schon seit Stunden!

Freitag 18.09.09 teilen wir uns auf. Klaus Witt will an der Weggabelung alter Weg Via Alpina / Sicherheitsweg oberhalb des Wasserfalles das Hinweisschild setzen. Hierzu musste er auch einen Pfahl (in Tirol nennt man diesen Ständer!) mitnehmen. Diese Anforderung beherrscht Klaus Witt perfekt, schließlich war er im Jahr 2004 in gleicher Weise mit Schild auf dem Rücken unterwegs auf das Pitztaler Jöchl.

Günter und ich rollten das ganze von oben nach unten auf. Das Schild am Abzweig zum übergangsweise genutzten Jägersteig hatten wir in 2004 nicht optimal setzen können und heute wollten wir das korrigieren. Dazu mussten wir den Ständer vollkommen neu setzen. Solche Arbeiten sind im Fels immer eine Arbeit mit Überraschungen, aber es war dann doch zu unserer Zufriedenheit erledigt. Weiter abwärts ging es darum, die alten Markierungen, rot/weiße Streifen, zu entfernen oder zu überstreichen. Das hatten Günter und ich schon im Juni dieses Jahres begonnen, aber ganz war es uns nicht gelungen.

Von oben konnten wir Klaus arbeiten sehen, denn das Wetter war einfach bestens! Nachdem wir den Picasso der Berge im negativen Sinn darstellten, gingen wir weiter abwärts und halfen Klaus noch beim Aufbau eines Steinhaufens zur Standsicherung des Schildes. Steine schleppen ist wirklich immer wieder ein Genuss!

Dann gemeinsamer Abstieg zur Materialbahn, Werkzeug zwischenlagern und in der Gletscherstube bei Dagmar erst mal einen Kaffee trinken.

Gegen Abend sind wir wieder oben auf unserer Hütte.

Kaputte Schilder
Foto: Helmut Eidam

Samstag 19.09.09 Heute wollen wir den Weg zum Rettenbach Joch kontrollieren. Im Schattenbereich morgens ist es noch sehr kühl, aber es ist absehbar, dass wir auch heute wieder Sonnenschein bekommen. Bei der Begehung im Vorjahr war auch mir aufgefallen, dass wir dort unbedingt Reparaturen ausführen müssen. Der Weg ist jetzt wieder in einem sehr guten Zustand. Burkhard, der Bruder von Melanie, der Frau von unserem Hüttenwirt Stefan, hat mit einem Helfer dort einige Haken für die Sicherungsketten neu bohren müssen, denn die Halterungen waren ausgerissen. Es ist schon spürbar, dass, seitdem das Pitztaler Jöchl gesperrt ist, die Wanderer die Alternative über das Rettenbach Joch mehr frequentieren.

Oben angekommen in der unwirklichen Atmosphäre der Mittelstation Schwarze Schneid auf 2993 m Höhe, sehen wir weiter oben auf dem Gletscher ungefähr 10 Skiläufer. Eine Pistenraupe und der Lift sowie auch die Bergbahn von der Söldner Seite drehen unablässig ihre Runden.

Hier trennen sich unsere Wege. Klaus und Günter gehen über den Gletscher hinunter zum Parkplatz an der Söldener Gletscherbahn. Sie wollen die Gesteinsformation am Polleskogel prüfen und wenn möglich, vielleicht von der Seite zur Hütte kommen. Ich aber nehme den gleichen Weg wie beim Anstieg

zurück. Von der Braunschweiger Hütte aus gehe ich dann Richtung Mainzer Höhenweg, um dort den Weg und die Beschilderung zu prüfen. Am Abzweig oberhalb der Silbergrube auf 2.900 m Höhe zum Mainzer Höhenweg hängt das Schild der Sektion Mainz nur noch an einem Kabelbinder. „Der Wind, der Wind das himmlische Kind“ war hier wohl sehr stark tätig! Als ich dort bin, sehe ich oben am Pitztaler Jöchl Klaus und Günter herüberkommen. Nach kurzer Zeit sind sie bei mir. Für die Befestigung des Schildes habe ich keine Schrauben mit. Also runter zur Hütte, Material holen und noch mal hoch. Als wir unten angekommen sind, meint Günter: „Ich gehe noch einmal hoch und erledige die Reparatur.“

„Gut“, sagen Klaus und ich,“dann wollen wir uns mal an die fast drei Zentner Koks machen, die schon seit vielen Jahren unten im Keller liegen und nun endlich entsorgt werden müssen“. Ausgerüstet mit Eimern gehen wir an die Arbeit und sehen nach kurzer Zeit aus wie zwei Original Kohlentrimmer!

Es zahlte sich aus, dass ich mit Reiner an der Bahn vom Pitztal Express gesprochen habe. Die gewonnene Zeit an der Bergstation konnten wir jetzt hierfür gut gebrauchen.

Mein Bergfreund und Wegewart Manfred Neuber von der Sektion Mainz bedankte sich herzlichst für unsere Hilfe, nachdem ich ihm ein Foto mit Bericht gesandt hatte.

Sonntag 20.09.09 Der Gletscher ruft! Das Wetter ist traumhaft und wir wollen den Weg über den Gletscher abgehen. Die Markierung des Weges muss von einem roten Punkt auf einen schwarzen Punkt umgewidmet werden. Aber vorher warten wir noch bis die Sonne unten auf den Steinen am Gletscher das Eis abgeleckt hat. Dann aber los! Seit Anfang dieser Saison ist der Wegeverlauf weiter nach oben verlegt, weil es dort sicherer ist, denn das Abschmelzen des Gletschers führt vermehrt zu Spalten im unteren Bereich.

Bis auf die andere Seite des Gletschers führt uns der Weg und nach ungefähr 5 bis 6 Stunden sind wir wieder zurück auf der Hütte.

Was machen wir mit dem Rest des Tages? Da gibt es doch noch Türen, an denen der Türdrücker defekt sind. Haben wir nicht unten in unserem Materiallager noch Türdrücker? Gesagt, getan.

Montag 21.09 09 Nach dem Frühstück machen wie uns auf den Weg zurück nach Braunschweig. Die ersten 400 Kilometer geht es wie der Blitz aber dann…endlich um Uhr 19.00 sind wir wieder in Braunschweig.

Mit herzlichem Dank an meine Helfer Klaus Witt und Günter Gehrke aus Braunschweig sowie an unsere Helfer im Pitztal.

Helmut Eidam

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 18. November 2009