Vom 14. bis 19. September fuhren 17 Mitglieder der Hochtourengruppe in das Grenzgebiet zwischen Oberbayern und Pinzgau, genauer zur Hirschbichlhütte auf dem gleichnamigen Gebirgspass in 1200m Höhe, der eingebettet in der Bergwelt der Berchtesgadener Alpen liegt. Teilnehmer der Fahrt waren Holger Blume, Thomas Göldner, Ralf Hartzsch, Gerhild Jüttner, Gerd Kittelmann, Jens Köhler, Gaby Lappe, Birgit Lehmann, Tina und Rainer Nitsche, Klaus Prenner, Matthias Rahn, Hans-Jürgen Rönnecke, Ronald Scheffler, Marion Schmidt, Klaus Tlusty und Stefan Weinert.
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Hirschbichl-Pass in den Berchtesgadener Alpen
Foto: Matthias Rahn |
Fünf Tage lang haben sich die Teilnehmer in bunt gemischten Gruppen zusammengefunden, um je nach Interessen (Bergwandern, Klettern, Klettersteige) unterwegs zu sein. Darum kann es hier auch keinen Bericht aus einer einzigen Feder geben, vielmehr werden viele kleine Berichte das Spektrum dieser Woche wiedergeben. Vorweg aber noch die Bekanntgabe des beliebtesten Gipfels: Gewonnen hat eindeutig der 2050m hohe Hochkranz, der von Wandergruppen am Montag, Donnerstag und Freitag bei stets anderen Wetterverhältnissen (Schnee, Nebel und Sonnenschein) besucht wurde.
Der Montag wurde für einen Teil unserer Gruppe zum Tag des Wassers ernannt. Statt im Regen auf die umliegenden Gipfel zu steigen, führte unser Weg ins Tal nach Weißbach. Unser erstes Ziel war die Lamprechtshöhle. Durch Tunnel, über Stege und viele Stufen gelangten wir ca. 600 m in die Höhle hinein, stets begleitet vom tosenden Wasser, das sich dort mit unglaublicher Kraft seinen Weg bahnt.
Einer Sage nach befanden sich in der Höhle einst wertvolle Schätze aus Kreuzzügen eines Ritters „Lamprecht“, die in den vergangenen Jahrhunderten viele Schatzsucher anlockten. Über 200 Skelette sollen gezählt worden sein, deren Fundstellen heute durch schwarze Kreuze an den Höhlenwänden markiert wurden.
Wieder zurück am Tageslicht (zwischenzeitlich regnete es nicht mehr) steuerten wir den nächsten Punkt zum Thema Wasser an. Auf dem Rückweg zum Hirschbichl durchstiegen wir zunächst die Seisenbergklamm, ein in Jahrtausenden entstandenes Naturdenkmal. Der Weg führte über glatte Holzstege durch die enge und stellenweise finstere Schlucht. Das Tosen des herabschießenden Wassers war hier noch gewaltiger als in der zuvor besuchten Höhle.
Oberhalb der Klamm änderten sich Gelände und die Form des Wassers wiederum: Nasse Bergwiesen, die umliegenden Gipfel in Wolken gehüllt und neu einsetzender Sprühregen beschlossen den Rückweg nach Hause. Trotz (oder gerade wegen?) der Feuchtigkeiten in verschiedenen Varianten hatten wir einen sehr schönen Tag.
Gaby Lappe
Nach dem eher verregneten Vortag hat Petrus nun für bestes Wetter gesorgt, und so konnten wir zu fünft aufbrechen in Richtung Piding, wo mit dem Pidinger Klettersteig einer der sportlichsten und fordernsten Klettersteige Deutschlands auf uns wartete. Von Einstieg bis Ausstieg überwindet dieser Eisenweg ca. 700 m Höhe mit Schwierigkeit D. Die fünf waren Gerhild, Ronald, Rainer, Holger und Jens. Der Zustieg zum Klettersteig beschäftigte uns die ersten 80 Minuten, dort angekommen zwei Überraschungen: Eine große Gruppe der Bundespolizei führte gerade eine Bergrettungsübung durch. Allerdings waren sie so gut wie fertig, so dass wir nach dem Aufrödeln nur noch wenige Minuten warten mussten. Die andere Überraschung war, dass es zwischen Gerhild und Jens ein kleines Kommunikationsproblem gegeben hat, das dazu führte, dass eines der Klettersteigsets der Gruppe im Auto zurückgelassen wurde. Durch Kombination von Bandschlingen und Karabinern konnten wir jedoch ein alternatives Klettersteigset für Gerhild zusammenbauen.
Dann konnte es losgehen; es wurde eine sehr schöne Klettersteigtour mit stets neuen fantastischen Tiefblicken in die Nordwände des Hochstaufens. Jedesmal wenn wir dachten, gleich müsste der Steig vorbei sein, kam noch einmal eine anstrengende Wand.
Zwischendurch wurden wir von einem jungen Mann überholt, der einmal pro Woche den Klettersteig hinaufrennt. Er kam an diesem Tag mit dem Rad vom Waginger See nach Piding, an Fitness mangelte es ihm jedenfalls nicht.
Ziemlich erschöpft kamen wir oben an, auf den letzten Metern am Ausstieg wurden wir von Ronald gefilmt. Es folgten dann eine kurze Gipfelrast und eine Einkehr im Staufenhaus, ehe wir über die Nordseite des Hochstaufens gen Steiner-Alm und zum Parkplatz Urwies abstiegen.
Beendet wurde dieser schöne Tag mit einer Einkehr in einer Gaststätte in Piding. Gegen 21:00 Uhr waren die fünf wieder zurück im Hirschbichl.
Jens Köhler
Aufregung pur! Heute sollte also meine erste alpine Mehrseillängen Tour stattfinden. Am Dienstagabend wurde erst einmal das Ziel diskutiert. Zur Auswahl stand das Gebiet rund um die Schmidt-Zabierow-Hütte in den Loferer Steinbergen sowie das Hochkaltergebiet an der Blaueishütte. Wegen der Wetterprognosen und des etwas kürzeren Aufstiegs haben wir uns dann für die Blaueishütte entschieden, da wir am Abend wieder absteigen wollten.
Am Mittwoch früh machten sich Gaby, Gerhild, Birgit, Marion, Holger, Jens, Ronald und Matthias auf den Weg zum Hintersee. Am Parkplatz wurde das Material aufgeteilt und abgemacht, dass wir heute mal nicht den Berg hoch rennen! Also kamen wir dann auch erst nach 1 Stunde und 50 Minuten Aufstieg und 800 Hm an der Blaueishütte an.
Die Hütte liegt im Blaueiskar zu Füßen des nördlichsten Gletschers der Alpen, dem Blaueis! Ein herrlicher Standort mit sehr netten Menschen als Gastgeber!
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Gaby und Matthias im Plattenweg
Foto: Jens Köhler |
Hier wurde Pause bei Kuchen gemacht, der zu dem besten im gesamten Alpenraum zählen soll! Nach dieser Stärkung ging es dann bei herrlichem Sonnenschein an die Platten des Steinberges. Es wurden vier Seilschaften gebildet und die Routen Plattenweg III (Holger und Jens) und Plattenweg Variante IV (Gaby und Marion, Ronald und Birgit sowie Gerhild und Matthias) ausgesucht, beide sechs Seillängen lang. Für mich war es die erste alpine Kletterei überhaupt, und es wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis! Nachdem die Plattenwege hinter uns lagen, haben wir uns erst mal eine ausgiebige Pause gegönnt und die herrlichen Tiefblicke zur Hütte genossen!
Anschließend machten sich Gaby, Gerhild, Holger und Ronald auf, um die Nordostwand der Schärtenspitze noch dranzuhängen. Leider wurden sie zum Rückzug gezwungen, da sie einen Abzweig verpassten und der Tag sich langsam dem Ende näherte. Birgit, Jens und ich sind über den Normalweg zum Steinberg aufgestiegen und haben unsere Glücksgefühle in das Gipfelbuch geschrieben. Marion zog es vor, zur Hütte abzusteigen und genoss noch einige Augenblicke am Pausenplatz.
Als wir uns alle wieder an der Hütte versammelt hatten, war klar, dass wir den Abstieg zum Parkplatz nicht bei Tageslicht schaffen würden. Also…rennen! So ging es dann ebenso zügig bergab wie am Morgen schon bergauf! Abgeschlossen wurde dieser wunderbare Tag bei einem italienischen Abendessen in Lofer!
Matthias Rahn
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Ronald auf der Hängebrücke
Foto: Gaby Lappe |
Einige Stammtisch-Freunde auf der Grünsteinhütte hatten im Sommer 2008 die Idee, die von Isidor Grassl vor vielen Jahren gekennzeichnete Kletterroute neu auszubauen. 900 m Stahlseil, unzählige Eisen, eine Hängebrücke und vieles mehr wurden von einigen Bergfreunden in mühsamer Handarbeit in die Felswand gebaut. Fast genau ein Jahr später, wenige Wochen nach der Eröffnung des Klettersteigs, beschlossen Matthias, Marion, Gaby, Ronald und ich den Steig auszuprobieren.
Der Klettersteig ist in zwei Varianten aufgeteilt. Eine schwierige Variante (D/E) und die Isidor-Variante (B/C). Nach der Hängebrücke treffen beide Varianten zusammen, von dort aus geht es gemeinsam auf den Grünstein-Gipfel. Gaby und Ronald als erfahrene Kletterer konnten der Versuchung nicht widerstehen und entschieden sich für die schwierige Variante. Wir „Neulinge“ gaben uns mit der einfachen Isidor-Variante zufrieden.
Dieser Teil ist nicht sehr steil und immer wieder von grasigen und erdigen Abschnitten durchzogen. Von Gaby und Ronald wurde nämlich berichtet, dass die D/E Variante doch einige sehr schwierige Passagen mit überhängenden Wänden hat. Außerdem mussten beide eine 25 Meter lange, wackelige Hängebrücke überwinden.
Laut Beschreibung verspricht der Klettersteig grandiose Ausblicke auf Königssee und Watzmann. Wegen dichter Bewölkung konnten wir leider nur ab und zu einen kurzen Blick auf den See erhaschen. Am Gipfel spendierte Ronald einen Schluck von seinem brasilianischen Gipfelschnaps und nach kurzer Rast ging es auf einem schönen Wanderweg abwärts zur Grünsteinhütte, wo wir einkehrten.
Birgit Lehmann
Am Abend vorher wurde beschlossen, bei gutem Wetter den Aufstieg zum Kammerlinghorn zu wagen. Das 2484 m hohe Kammerlinghorn ist der südwestlichste Ausläufer des Hochkaltergebirges und der Hausberg der Hirschbichlhütte. Fast alle waren mit dabei, es fehlten nur Marion und Matthias (Hochkranz) sowie Gerd, der abreisen musste.
Nachdem es fast die ganze Nacht ausgiebig geregnet hatte, waren alle gespannt, was das Wetter am Morgen hergab.
Und wir waren wahrlich erstaunt, als es nur noch neblig war, mit markanten blauen Lücken in Richtung Kammerlinghorn. Also ging es los, zunächst zur Bind-Alm, dann steiler werdend hinauf zur verlassen liegenden Mittereis-Alm in 1450 m Höhe. Im Zickzack folgten wir sodann dem Wanderweg durch einen malerischen Lärchenwald. Sehr motivierend war der Gratverlauf des Kammerlinghorns, der links über dem Wald unter dem blauen Himmel lag. Und auch die schroffen Gipfel der Reiter-Alm, die sogenannten Ramsauer Dolomiten, stießen mit ihren Häuptern durch die Nebeldecke und verleiteten viele zu Foto-Stopps. In 1800 m Höhe dann eine lange Pause, erstens zwecks Erholung, zweitens um auf Thomas zu warten. Da wir sehr lange warten mussten, wurde der Ort Thomas-Göldner-Gedächtnis-Platz getauft.
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Auf dem Kammerlinghorn
Foto: Thomas Göldner |
Während der Pause war Nebel aufgezogen, der sich auch hartnäckig trotz weiteren Aufsteigens hielt. Immer wieder kam Hoffnung auf, der Nebel wurde dünner, aber der Nebel gewann doch die Oberhand. So schien es bis zu dem Moment in ca. 2100 m Höhe, als die Wandergruppe durch die Nebeldecke stieß, und wir plötzlich die Aussicht ringsum genießen konnten. Dieses Wetter hielt sich, und wir konnten am Gipfelkreuz eine sonnige Pause einlegen. Klaus Prenner, Klaus Tlusty und Ronald sorgten dafür, dass jeder einen Gipfelschnaps bekam. Der Abstieg war wegen des schmierigen Lehmbodens in der langen Rinne oberhalb der Mittereis-Alm mit Vorsicht zu genießen, denn Lehm und nasser abgespeckter Fels waren noch nie eine gute Kombination. Einige ließen die Wanderung noch auf der Bind-Alm, mit Blick auf das Klausbachtal und die Ramsauer Dolomiten, ausklingen.
Weitere aufgesuchte Gipfelziele der Gruppenmitglieder waren die Meyrbergscharte und das Wagendrischlhorn (2251m) in der Reiter-Alm sowie das Vorderberghörndl und die Hochalm-Scharte im Hochkaltergebirge. Leider verging die Zeit viel zu schnell, und so mussten alle am Samstag wieder abreisen. Thomas und Stefan fuhren weiter nach Saalfelden, um noch eine Hüttentour im Steinernen Meer dranzuhängen. Ich bin mir sicher, dass alle Teilnehmer jetzt das Ludwig-Ganghofer-Zitat verstehen: „Wen Gott lieb hat, den lasset er fallen in dieses Land“.
Jens Köhler