Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2010

„Oktoberfest“ der Hochtourengruppe

auf der Malepartushütte im Harz am 24./25. Oktober 2009

– Ein Wochenende für Kletterer und Wanderer –

Klettern im Okertal
Klettern im Okertal
Foto: Klaus Steube

Für das Wochenende hatten die Wetterfrösche „ruhiges Herbstwetter mit sonnigen Abschnitten“ prognostiziert. So fanden sich zehn Optimisten am späten Vormittag des Samstages im Okertal ein, um „zu sehen, was geht“. Und es ging viel, denn Petrus meinte es gut, bescherte uns Windstille und trockene Felsen. Da Treppensteinmassiv und Eschwege besetzt waren, wichen wir auf die „Unteren Studentenklippen“ aus. Rasch hängten Gaby Lappe und Klaus Steube fünf Routen ein, währenddessen Kai Maluck sich im Boulderbereich umschaute, um für den späteren Ausbildungsteil geeignete Felsen auszuwählen. Zehn Personen brauchten ihre Zeit, zumal für einige das Klettern an Granitfelsen noch wenig vertraut war. Doch mit dem beruhigenden Seil(zug) von oben ließen sich auch die etwas

schwierigeren Passagen von fast allen meistern. Zum Abschluss kommentierte Kai die von Klaus im Vorstieg gelegten Zwischensicherungen, eine ideale Überleitung zum zweiten Teil unseres Klettertages: mobile Sicherungen. Dazu stapften wir eine Etage nach oben, wo Kai ausführlich in das „gewusst wie“ der Platzierung von Keilen und Friends einführte. Anschließend verteilten wir uns im Gelände, um in mehr-oder-weniger geeigneten Rissen, mehr-oder-weniger gut diverse Sicherungen zu „versenken“. Diese Werke wurden dann von allen mit Noten bewertet und abschließend besprochen. Gegen 18.00 Uhr stiegen wir ab, um in Kolonne zur Malepartushütte, einem Schmuckstück der Sektion Hildesheim, zu fahren. Lediglich fünf verbliebene Wanderer der Gruppe begrüßten uns dort.

Nun wurde der Grill organisiert und mit vereinten Kräften ein Holzkohlefeuer entfacht, auf dem dann, mit etwas Verspätung und gutem Zureden so manches Stück Fleisch dem Garungsprozess zugeführt wurde. Verhungern musste niemand und nach Sättigung konnten wir uns den nächsten Programmpunkten widmen.

Gegenlicht im winterlichen Harzwald
Gegenlicht im winterlichen Harzwald
Foto:

Perspektivenwechsel: Wir drehen die Zeit acht Stunden zurück, die Wanderer starteten zu einer ausgedehnten Brockenwanderung, Teilnehmer waren Ute Rabenstein, Peter Bornhorn, Rita, Michael und Max Krech, Lisel Koziol, Helmut Meinecke, das ganze unter der Führung des Wanderwartes Jens Köhler. Im Wald bei Oderbrück lagen noch viele Schneereste, die Luft war mit Feuchtigkeit gesättigt. Da pünktlich zum Wanderungsstart die Sonne herauskam, bezauberte uns der Hochwald durch tolle Gegenlichtstimmungen.

Erste Station war der Aussichtspunkt auf das Bodebruch, die zweite der Dreieckige Pfahl. Hier wurde aber nicht die „Kurzvariante“ zum Gipfel gewählt. Erstmal ging es hinunter ins Bodetal zu den Schluftwiesen. Links vom Weg plätscherte die immer größer werdende Kalte Bode entlang. Am tiefsten Punkt machten wir eine lange Mittagspause, die Sonne konnte uns noch ein ganz wenig Wärme schenken. Dann begann endlich der Brockenaufstieg durch das Eckerloch. Ab dem Bahnübergang nahmen Schnee- und normaler Matsch schlagartig zu, es wurde etwas unangenehm. Aber alle Wanderer erreichten problemlos die Brockenstraße und dann den kühlen, windigen Gipfel. Nach einer kleinen Trinkpause traten wir den Rückweg über den neu angelegten und zu einer regelrechten Autobahn ausgebauten Goetheweg an, für viele eine kleine Überraschung. Dieser Weg war dann auch Gesprächsgegenstand, denn durch die Planierung des Weges ist sein ursprünglicher Charakter, geprägt durch die vielen Holzbrückchen, stark verändert worden. Neben diesem Thema schimpften wir über den eierigen Schnee, das Vorankommen war eher schwierig. Gegen 17:00 Uhr waren wir wieder an der Hütte, und wir dachten, alle Kletterer dort zu treffen, aber die ließen sich sehr viel Zeit. So konnten sich die Wanderer erstmal bei Keksen und Kaffee stärken, ehe das Grillen begann.

Angriff der Hexe
Angriff der Hexe
Foto: Jens Köhler

Nach dem Grillen teilte sich die Hüttenbelegschaft in zwei Gruppen auf: Eine Gruppe wählte die gemütliche Option, um einen Film aus der Reihe „Die Piefke-Saga“ zu sehen. Die anderen, in der Minderzahl, brachen zu einer Nachtwanderung zum Achtermann auf. Bei den Witterungsverhältnissen waren die Wege schwer zu begehen, und so brauchte die Gruppe fast drei Stunden für die nur 6 km lange Strecke. Neben viel Eis, Schnee und Pfützen mussten sich die Nachtwanderer, ausgerüstet mit Fackeln, Stirnlampen und Glühwein, in Gipfelnähe auch noch mit Nebel und Sturm herumschlagen.

Auf dem Rückweg wähnten sich alle schon in Sicherheit, die Lichter von Oderbrück schon fast vor Augen, als plötzlich von rechts ein unheimliches Gelächter losbrach. Erstarrt blieben alle wie angewurzelt stehen, ja was war denn das?? Walpurgisnacht, mitten im Oktober! Eine Hexe flog, auf ihrem Besen sitzend, vor den Augen aller von rechts nach links, vollführte dabei sogar eine Pirouette, eine wahre Meisterin auf dem Haushaltsgerät! Jahrelange Übung, vor allem der kunstvolle, aeronautische Einsatz des Hexenzinkens, ermöglichten diese Meisterleistung! Die Nachtwanderer rieben sich die Augen, die Hexe hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Gaby Lappe.

Nun soll die Sache aber auch aufgelöst werden. Es war mitnichten eine Gehilfin von Meister Urian, sondern tatsächlich Gaby. Zusammen mit Kai war sie vorausgelaufen, um mit einem Kletterseil im Fichtenwald eine Hexenfluganlage einzurichten. Auslöser war die eher rhetorische Frage Jürgen Koziols im Mitteilungsblatt, ob denn der Wanderwart auch Hexen bestellt hätte. Nach der gemeinsamen Rückkehr, die Hüttenruhe war um 02:00 Uhr längst überschritten, wurden dann schnell die Nachtlager aufgesucht.

Am nächsten Morgen gab es vor dem Hüttenputz ein gemeinsames Frühstück der Kletterer und Wanderer. Die Hütte wurde von uns um 10:30 Uhr verlassen, danach fanden sich noch einige Gruppenmitglieder zu einer spontanen Wanderung durch Radau- und Eckertal zusammen. Diese kleine Runde wurde bei schönstem Spätherbstwetter zu einem tollen Erlebnis. Besonders die schönen Ausblicke am Rande des Eckerstausees fanden allgemeinen Anklang.

Klaus Steube, Jens Köhler
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 7. März 2010