Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2010

Dankeschön Jürgen Koziol!

Nach über 35 Jahren Tätigkeit als Leiter der Hochtourengruppe tritt Jürgen Koziol in den hochverdienten Ruhestand. Seine letzte Großtat ist nicht alpinistischer Natur. Er hat, was keine leichte Aufgabe ist, in Jens Köhler – ein JK wie er selbst – einen Nachfolger gefunden, der für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Gruppe sorgen wird.

Erst als erwachsener Mann von fast 30 Jahren hat es ihn gepackt, hat es ihn in die Berge getrieben. Relativ spät, dafür aber offenbar umso intensiver. So intensiv, dass er das Bergsteigen – inzwischen mit nahezu 75 Jahren ein ziemlich betagtes Mitglied unserer Sektion – auch weiterhin nicht lassen kann. Das lassen auch die Planungen für das laufende Jahr erkennen. In den langen Jahre alpinistischer Aktivitäten haben er wie auch seine zu allem bereite Ehefrau Lisel eine besondere Präferenz für das Wallis entwickelt.

Magische Kurzbezeichnungen wie TMB und TMR haben Jürgen Koziol in ihren Bann gezogen, so dass als einstweilen letzte alpinistische Heldentat die TM, die Tour Matterhorn im vergangenen Jahr vollzogen worden ist. In rund zwei Wochen von Hütte zu Hütte mit dem Rucksack auf dem Rücken, im weiten Bogen um das Matterhorn herum, unzählige Höhenmeter waren da zu überwinden. Eine Respekt verlangende Leistung. Belohnt durch den immerwährenden Ausblick auf das gewaltige Matterhorn.

1964 hat Jürgen Koziol mit anderen, wie Erich Schneider, Günter Hahne, Kurt Frankenfeld, Peter Kräher, die Hochtourengruppe mit gegründet. Auch seine Frau Lisel war mit dabei. In den folgenden knapp 10 Jahren hat er so viele Erfahrungen in Fels und Eis, in der verantwortungsbewussten und sicherheitsorientierten Führung von Bergtouren gesammelt, dass die Hochtourengruppe nicht umhin konnte, ihn zu ihrem Gruppenleiter zu machen.

Jürgen Koziol bot optimale Voraussetzungen für die Leitung dieser für unsere Sektion so wichtigen und typischen Gruppierung. Denn er beherrschte alle Disziplinen, wie Fels- und Eisklettern, Eisgehen, Orientierung im Gelände, Wetter- und Materialkunde. War also zeitlebens ein Allrounder. Sogar das Klettern an künstlichen Kletterwänden hat er noch angefangen, ganz sicher nicht mit der Faszination wie die junge Generation diesen Sport betreibt, sondern mehr als Training für das alpine Bergsteigen. Training war und ist ja für die Hochtourengruppe von allergrößter Bedeutung. Bei den in diesen Kreisen sog. Wellblechtouren geht es üblicherweise quer und möglichst steil von Tal zu Tal und damit die Zahl der Kilo- und Höhenmeter ausreichend ist, zum Schluss noch steil auf die Roßtrappe. Das war das Erlebnis einer Harzwanderung mit der Hochtourengruppe zu Beginn meiner Amtszeit.

Jürgen Koziol hat viele Veranstaltungen, wie Gruppenabende, Besichtigungen, Wanderungen zwischen Harz und Heide geleitet, vor allem aber, so wie es sich für den Leiter einer Hochtourengruppe gehört, in die Alpen und gelegentlich – das wird unseren Hüttenwart freuen – auf die Braunschweiger Hütte.

Wie hieß es doch in der jüngeren Vergangenheit? Wie sollen die jungen Leute sein? Neben anderen „Tugenden“ auch „Zäh wie Hosenleder“. Auch das ist Jürgen Koziol immer gewesen.

Bestes Beispiel dafür sind die in bereits fortgeschrittenem Alter mehrfach durchgeführten Wanderungen von Braunschweig bis auf den Brocken. Unglaublich was die Koziols, startend in tiefer Nacht, sich selbst und den anderen „Marschierern“ zugemutet haben. Bei mir und meiner Frau hat es bei einem derartigen Event nur vom Torfhaus bis zum Brocken gereicht.

Mit seiner Art, die Berge anzugehen, Gruppen zu führen, hat Jürgen Koziol viele, viele jüngere Mitglieder in die Berge gebracht, hat bei ihnen Begeisterung für das Klettern und Eisgehen erweckt und aus beitragzahlenden richtige Mitglieder gemacht.

Für sein generationenlanges Wirken in unserer Sektion, für die Verlässlichkeit im Urteil bei den Sitzungen von Vorstand und Beirat gebührt ihm der aufrichtige Dank der Sektion. Wir wünschen Jürgen Koziol und seiner Frau eine gesunde und glückliche Zukunft und viele schöne und erlebnisreiche Stunden in den Bergen. Als „Ehrengruppenführer“, ein Titel, den ihm die Hochtourengruppe zuerkannt hat, möge er seinen Nachfolger mit Rat und Tat unterstützen.

Walter Sprenger
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. Mai 2010