Eine immer beliebtere Art, sich durch die Winterlandschaft zu bewegen, ist jetzt auch bei der Hochtourengruppe angelangt. Nachdem es im Januar und Februar schon zwei sehr schöne Touren am Eckerstausee und Acker gegeben hatte, machte sich am 12. Februar eine fünfköpfige Gruppe zum Spitzingsee auf, um dort eine mehrtägige Schneeschuhtour im Mangfallgebirge zu unternehmen: Gerhild Jüttner, Gaby Lappe, Birgit Lehmann, Holger Blume und Jens Köhler. Die Anreise erfolgte in zwei Kleingruppen; während Holger, Gerhild und Jens die stockenden Verkehrsmassen auf A14 und A99 begutachteten, fuhren Gaby und Birgit komfortabel mit der Bahn. Die ersteren stiegen nachts zur Hütte, dem Rotwandhaus, auf, während letztere am Samstagvormittag den Aufstieg nachholten.
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Sonnenuntergang am Wettersteingebirge
Foto: Jens Köhler |
Das Ziel der Tour hatte sich eher zufällig ergeben, denn eigentlich war eine Fahrt an den Königssee zum Carl-von-Stahl-Haus geplant gewesen, die aber wegen ungünstiger Lawinenlage und Hüttenüberbelegung abgesagt werden musste. Über die Hüttensuche der DAV-Homepage war dann aber schnell das Rotwandhaus als Alternative gefunden. Wie sich an diesem Wochenende herausstellte, eine sehr gute Wahl!
Aber kehren wir zurück zum Samstag. Birgit und Gaby mussten sich vom langen Hüttenaufstieg erstmal erholen und bezogen das Lager. Anschließend konnte es bei hochwinterlichen Temperaturen mit der ersten Gipfeltour zum Kennenlernen losgehen. Erstes Ziel war die Rotwand, mit 1.880 m der Hausberg der Hütte und ein überaus beliebter Skitourenberg. Leider verhüllte sich der Gipfel, und so stiegen wir recht schnell wieder ab, um nicht am Gipfel anzufrieren. Eine im Sommer machbare Abstiegsroute nach Norden schied leider völlig aus, wir hätten uns hier definitiv in Lebensgefahr begeben, also ging es auf gleichem Weg zurück zur Hütte. Wir mussten uns jetzt erstmal beratschlagen, was wir mit dem Nachmittag noch anstellen wollten, eine Lösung war schnell gefunden. Es ging zunächst hinunter in die Kümpfelscharte, dann noch ein klein wenig bergab, um danach über einen sehr steilen Hang auf einer Skispur zum Auerspitz aufzusteigen. Hier oben war das Schneeschuhgehen ein einziger Genuss, ein welliger, abwechslungsreicher Kamm, verschneite Latschenkiefern, das Wetter genau auf der Kippe zwischen Sonne und Nebel, wobei immer wieder Ausblicke auf die Rachenköpfe mit ihrem zackigen Felsgrat abenteuerliche Akzente setzten!
Die Pause am kleinen Gipfelkreuz währte zehn Minuten, dann wurde es zu kalt, und wir wanderten zurück zur Hütte, wobei der Abstieg zur Kümpfelscharte bei Pulverschnee auch ein Erlebnis war. An der Hütte angelangt, konnte sich außer Jens um kurz vor fünf niemand mehr zu einer Sonnenuntergangstour aufraffen. Er berichtete später von einem wunderschönen Sonnenuntergang, bei dem die orangerote Kugel genau hinter dem Zugspitzmassiv verschwand!
Den Abschluss dieses ersten Tages bildete eine der packendsten Mensch-ärger-dich-nicht-Partien, die das Rotwandhaus jemals erleben durfte! Gerhilds letzte Figur wurde dreimal kurz vor dem Heim geschlagen, aber sie hat trotzdem gewonnen, hochverdient. Gewinner der Herzen war Holger, der wahrscheinlich die Hälfte des Spiels keine einzige Figur auf dem Feld hatte!
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Gerhild, Jens, Birgit, Gaby und Holger
Foto: Jens Köhler |
Der Sonntag begann wie der Samstag endete: Perfektes Winterwetter auf dem Rotwandhaus! Wir starteten zu einer großartigen Schneeschuhtour. Zunächst ging es hinunter in die Kümpfelscharte. Der weitere Abstieg zur Großtiefentalsalm war pro-blemlos möglich. Also ging‘s hinunter, es hat riesig Spaß gemacht. Dann ging‘s steil hinauf zum Sattel zwischen Rotwand und Hochmiesing. Teilweise war die Spur sehr schmal und bereitete insbesondere Holger mit seinen Alurohrschneeschuhen etwas Probleme, aber wir kamen alle prima hinauf, oben konnten wir an der Nordostflanke der Rotwand einen ca. eine Woche alten Lawinenabgang bestaunen. Hier war auch sehr gut zu erkennen, dass die Idee des Nordabstiegs vom Rotwandgipfel keine gute gewesen wäre.
Nach kurzer Pause ging es hinauf zum Gipfel des Hochmiesings. Hier gab es wiederum eine tolle Aussicht auf das Nebelmeer, wobei die Aussicht nach Norden eher langweilig war. Landschaftlich herausragend war die „Insel“ des Wendelsteins. Es folgte ein zunächst harmloser, dann aber doch recht ordentlicher und anstrengender Abstieg zur Kleintiefentalsalm. Holger schlug hier mindestens einen Purzelbaum (von Jens beobachtet), kam aber zum Glück wohlbehalten unten im Tal an. Hier trafen wir zahlreiche Skitourengeher, die sich vorher eine ziemlich steile Abfahrt vom Lämpersberg hinabgetraut hatten. Wir stiegen dann auf zum Taubensteinhaus. Weil wir wegen Gaby aufpassen mussten, das Rotwandhaus vor drei Uhr zu erreichen, ließen wir die Pause hier sehr kurz ausfallen zugunsten des Aufstiegs zum Taubenstein, der wirklich nicht einfach war, und insbesondere im Abstieg einige Probleme bereitete.
Die Aussicht nach Westen war jedoch entlohnend genug. Dann ging es steil hinauf zum 1.800 m hohen Lämpersberg, den wir auf einer Skispur überschritten. Landschaftlich fantastische Ausblicke rundeten diese Überschreitung ab. Wir mussten in die letzte Scharte des Tages durch aufgeweichten Schnee absteigen, das war schon etwas unangenehm. Letztlich umrundeten wir die Rotwandköpfe und kehrten zum Rotwandhaus zurück. Nachdem wir uns von Gaby verabschiedet hatten, die auf dem Schlitten talwärts rodelte, folgte als krönender Abschluss noch eine Wanderung zum Rotwandgipfel, den wir in den letzten Sonnenstrahlen des Tages erreichten. Die Sonne ging schon nicht mehr an der Zugspitze unter, sondern ein kleines bisschen weiter nördlich.
Am nächsten Morgen ließen wir es uns ebenfalls nicht nehmen, per Mietschlitten ins Tal hinabzurodeln. Besonders im oberen Teil des Weges gab es rasante Abfahrten, die unseren Adrenalinspiegel stets oben hielten. Unten am Spitzingsee waren sich alle einig: Das war eine Mordsgaudi!