Eine Woche Skiwanderung im Januar ist für 5 Leute aus der Hochtourengruppe (Gerhild Jüttner, Ellen Nicklaus, Tina und Rainer Nitsche und Ralf Hartzsch) schon seit ca. 10 Jahren ein festes Programm. Die Ziele werden von den Teilnehmern ausgesucht oder vom Wetter vorgeschrieben. So wollten wir ursprünglich nach Nordostpolen fahren, doch dann gab es so viel Schnee in Deutschland, dass wir uns die weite Reise sparen konnten und in die Rhön fahren wollten. Eine genaue Anlayse der Wettersituation wenige Tage vor der Abreise ergab, dass Deutschland im Schneechaos versank, nur die Rhön fast schneefrei war. Wozu sollten wir auch dorthinfahren, wenn vor der Tür alles tief verschneit ist? Also ab in den Harz, aber längs durch oder quer? Man könnte auch von Braunschweig zum Kyffhäuser laufen. Na gut, aus der Stadt raus mit Skiern geht nicht so gut, also ab Wolfenbüttel.
Auf den Feldern vom Stadtrand zum Oderwald zogen wir unsere Spur durch frischen Schnee und es wehte ein eisiger Wind. Wir fühlen uns wie auf dem Riesengebirgskamm vor einigen Jahren. Es war also alles wie gewohnt, nur die Anreise war mit 14 Minuten statt 14 Stunden ungewöhnlich kurz. Im Oderwald gab es anfangs noch einige Skispuren und Wegweiser, dann waren wir weit abseits jeglicher Zivilisation. Mit einigen Verhauern kamen wir bei Dorstadt ins Okertal. Ein wunderbar romantischer Weg führte windgeschützt am Okerufer nach Börßum, dann weiter entlang der Ilse nach Hornburg. Im Schützenhaus fanden wir Quartier mit sehr guter Küche. Die Wirtin war allerdings etwas verdutzt, als wir statt Parkplatz für die Autos nach einem Abstellplatz für die Skier fragten.
Den Kammweg des Kleinen Fallsteins kennen sicherlich viele, aber wer ist schon einmal im Winter bei Schneeverwehungen dort gegangen? Weiter ging es mit einer tollen Abfahrt ins Ilsetal und über die Felder bei Stötterlingen und Lüttgenrode zum Schauener Holz. Die Waldwege waren durch Schneebruch teilweise schwierig zu begehen. Mitten im Wald erinnerte ein malerisches Forsthaus an die Märchen der Kindheit.
Tagesziel sollte Wernigerode sein, aber mit Skiern durch die Stadt laufen wollten wir nicht, so lag Drübeck als größerer Ort mit der Hoffnung auf Quartier am Wege. Nach längerer Suche fanden wir im ehemaligen Kloster, wo sich heute ein evangelisches Bildungszentrum befindet, den Geschäftsführer (früher hieß das mal Abt). Dieser sorgte sich rührend und fand Sonntagabend ohne Hausangestellte Zimmer für uns und zauberte ein Abendbrot. Zum Dank besuchten wir am Morgen vor dem Weiterweg seine Andacht.
Leider hatten wir in diesem Winter die wohl einzigen Tage mit Plusgraden und Regen erwischt, so dass es höchste Zeit wurde, in den Harz in höhere Lagen zu ziehen. Den Plan mit dem Kyffhäuser konnten wir streichen, denn im Harzvorland schmolz der Schnee zusehends. Im Unterharz reichte es aber noch massig und wir wanderten durch endlose einsame Wälder über Steinerne Renne – Ottofelsen – Drei Annen Hohne – Königshütte (Übernachtung in der Pension „Am Felsen“) – Hasselfelde – Stiege zum Hufhaus.
Der Sohn der Wirtsleute empfing uns mit staunendem Gesicht. Dort verirren sich wohl nicht viele Wanderer hin. Das Hufhaus versprüht noch den morbiden Charme eines ehemaligen DDR-Betriebsferienheimes. Aber die Bewirtung durch den Jungen war gleichermaßen liebevoll, kindlich verspielt und professionell. Dass auch erwachsenes Personal vorhanden sein musste, merkten wir nur an Autogeräuschen und gelegentlichen Gesprächen in der Küche. Wir empfehlen zukünftigen Gästen aber eine vorherige Anmeldung, denn wir mussten 2 Stunden warten, bis Zimmer und Duschwasser aufgeheizt waren. Am Morgen führte uns ein kurzer Abstecher auf den Poppenberg, leider im Nebel. Dafür war es aber ein herrlich leichtes Gefühl, einmal ohne Rucksack zu laufen. Nachdem wir unser Gepäck geholt hatten ging es weiter über Breitenstein Richtung Josephskreuz. Die auffallend schlechte Wegmarkierung in dieser Gegend ist wohl auch ein Zeichen dafür, dass hier nur selten Wanderer herkommen. Ansonsten waren im Harz auch weitab der Hauptwanderwege immer gute Wegweiser vorhanden.
Da der Schnee immer nasser wurde und für die nächsten Tage Frost angesagt war, fürchteten wir gefährliche Harschbildung und entschlossen uns, nicht zum Josephskreuz zu gehen, sondern nach Günthersberge. Dort fanden wir nette Unterkunft in der neu eröffneten Bahnhofspension. Gerhild nutzte die gute Bahn- und Busverbindung für eine vorzeitige Heimreise. Wir nutzten die Harzer Schmalspurbahn, um in den Oberharz vor dem Harsch auszureißen, in der Hoffnung, dass es dort nicht so viel getaut hatte.
Von Elend aus aufwärts – na ja, mal sehen. Am Winterbergsattel herrlichster Sonnenschein und Pulverschnee. Nun waren wir zwar dort, wo wir eigentlich nicht hin wollten, weil wir dort oft am Wochenende sind, aber nur selten bei solchen Bedingungen. Tagesziel sollte das Torfhaus sein. Die privatisierte Hütte war geschlossen. In der Jugendherberge war ein Zimmer frei – und was für eins: oberste Etage, Brockenblick, Alpen- (ach nein Harz-)glühen, Sonnenaufgang. Das Küchenpersonal bot uns einen Essplatz im Leiterzimmer abseits des Schulklassentrubels an. Alles bestens.
Da wir nun dort waren, wo wir sowieso oft sind, konnten wir am Morgen noch eine kleine Abschlusstour auf die Wolfswarte machen und dann nach Hause fahren. Auf der Wolfswarte wollte aber Ellen nicht heim, das Wetter war zu schön!
Zur Hanskühnenburg? Da fährt weder Zug noch Bus und wir müssen wieder zurück – mit Rucksäcken für eine Wochenwanderung! Ellen allein laufen lassen – dass wollten wir auch nicht. Also los. Vielleicht kann man ja auf dem Rückweg abkürzen, Richtung Altenau oder so. Abzweig nach Altenau auf dem Rückweg: Da fragte Tina, was wir denn bei dem Wetter unten im grauen Tal wollten. Torfhaus – Hanskühnenburg und zurück, mit zweimaliger Besteigung der Wolfswarte, das hatte bisher noch keiner von uns gemacht, noch dazu mit schwerem Rucksack.
Am Torfhaus sanken wir erschöpft und glücklich in den Bus. Danke für den schönen letzten Tag und die schöne Tour. Nächstes Jahr geht es wieder los. Wohin? Wenn genug Schnee liegt, gar nicht weit weg.