Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2010

Bericht zum Arbeitseinsatz Mai/Juni 2010

auf der Braunschweiger Hütte

Liebe Mitglieder,

Baustelle über den Wolken – Braunschweiger Hütte
Baustelle über den Wolken – Braunschweiger Hütte
Foto: Dieter Heitefuß

Sie sind es sicher schon gewohnt, über die einzelnen Arbeiten, der seit ein paar Jahren regelmäßig stattfindenden Arbeitseinsätze, ausführlich informiert zu werden. Das fällt mir dieses Mal aber besonders schwer, würde doch die Aufzählung der einzelnen Arbeiten fast ins Uferlose gehen, die Leistung der Mitglieder dadurch kaum richtig zu würdigen sein. Daher will ich versuchen, einen etwas anderen Blick auf die Arbeiten der Sektionsmitglieder zu werfen.

Das Erfreulichste vorweg; nahezu alle Teilnehmer sind quasi „Mehrfachtäter“, soll heißen, dass einige Mitglieder sich dem Gemeinwohl der Sektion außerordentlich zugeneigt fühlen und seit Jahren immer wieder dabei sind. Dafür gebührt ihnen, aber auch allen Neueinsteigern, ein aufrichtiger Dank. Der finanzielle Nutzen, den die Sektion aus diesem selbstlosen Einsatz ziehen kann, wurde von Ernst Pfeifer, unserem Projektleiter, so umschrieben; keiner von Euch, damit hat er mich ausdrücklich mit eingeschlossen, kann den finanziellen Vorteil ermessen, den die Sektion durch diesen vorbildlichen Einsatz einspart. Das will ich gern einfach unkommentiert so auf Sie, liebe Mitglieder, wirken lassen. Zurück zum Bericht.

Vereiste Seile
Beleg für schlechtes Wetter; die Seile der Materialbahn sind völlig vereist, kein Fahr-Betrieb möglich!
Foto: Siegbert Goebel

Dieses Mal war alles anders, zwei Frauen haben sich unserer Gruppe angeschlossen und unsere Arbeiten waren terminlich zwingend in den Terminplan eingebunden. Ein Druck, mit dem man erst einmal umgehen mußte, da uns die Erfahrungen mit der zeitlichen Fertigstellung völlig fehlten. Die Freude über ihre Teilnahme der zwei Damen an dem Einsatz hat Julia Jürges vortrefflich in ihrem Bericht in diesem Heft geschildert. Auch wenn bekannt war, dass die beiden Mädchen kräftig zupacken können, war nicht klar, ob denn die harte „Männerarbeit“ von den Beiden gestemmt werden kann. Das vielleicht größte Kompliment, was den beiden „Damen“ widerfahren ist, war die absolute Akzeptanz der Profis der Baufirmen nach ein, zwei Tagen der Eingewöhnung. Hier gilt es den berühmten Hut zu ziehen und festzustellen, daß sie voll und ganz „ihren Mann“ gestanden haben.

Und doch sind Frauen ein wenig anders in ihrem Handeln als es Männer sein können. Was haben die beiden fertig gebracht, einen Schneemann bauen, nun das machen Männer vielleicht auch, wenn auch nicht unbedingt auf einer Hütte beim Arbeitseinsatz. Nein, das ist es nicht, was den berühmten Unterschied ausmachte. Morgens in aller Früh, so gegen 6:00Uhr sind die beiden aufgestanden und sind eine Stunde lang gerodelt. Mann (Frau) muß das Wetter, welches sich gerade einmal von seiner besten Seite zeigte ausnutzen. Keiner der vielen Männer in den vergangenen Jahren ist einmal auf solch eine Idee gekommen. Nun, wir alle hatten unsere Freude daran.

Aber diese kleine Abwechselung hat ja nicht den Tagesablauf bestimmt. Vielmehr war die Sorge um die rechtzeitige Anlieferung von dringend benötigtem Material und die eingegangene Verpflichtung, unsere Arbeiten in den abgestimmten Terminplan der Profihandwerker zu integrieren, bestimmend. Alle und das sind zwei Arbeitsgruppen von jeweils 5/6 Leuten haben in der Zeit vom 10. Mai bis zum 20. Juni verbissen und mit hoher Qualität an unseren selbst gesteckten Zielen gearbeitet.

Und einen besonderen Umstand, den der Projektleiter mehrfach hervorhob, will ich an dieser Stelle gern wiedergeben.

eingeschneit
Mit 65 cm Höhe eingeschneit, in einer einzigen Nacht!
Foto: Siegbert Goebel

Der ursprünglich verabschiedete Terminplan wurde bereits in den ersten Wochen wegen der äußerst schwierigen Wettersituation völlig über den Haufen geworfen. Dass es zum Saisonstart dann doch möglich war Gäste aufzunehmen und eine völlig umgekrempelte Hütte voller Stolz mit deutlich gesteigertem Schlafkomfort vorzuführen, sozusagen eine Punktlandung hinzulegen, ist wohl nur der kontinuierlichen Abstimmung zwischen Projektleiter, den Baufirmen und Hüttenwart zu verdanken. Ein Kompliment, was ich gern gehört habe und das ich gern an die Handwerker der Baufirmen zurückgeben möchte. Und das Engagement von Ernst Pfeifer muß nach diesem ersten Etappenziel ebenfalls besonders herausgestellt werden.

Aber wie gesagt, es ist erst ein Ziel auf dem Weg zur gesamten Aufgabe erreicht. Die Hoffnung, nun weniger Gäste wegen Überbelegung abweisen zu müssen, läßt hoffen, weiter ein gutes Belegungsergebnis am Saisonende vorweisen zu können. Und wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, daß die Matratzen nun nicht mehr von harten Latten gestützt werden müssen (um ein Durchrutschen des Schläfers nach unten zu verhindern) wird das Lob der Besucher hoffentlich nur noch uneingeschränkt positiv ausfallen. Wir werden sehen.

Was gibt es sonst noch zu berichten: Nach dem geglückten weiteren Abschnitt einmal eine eigene Befindlichkeit. Die Sorge, die eingegangenen Zusagen bei der Übernahme bestimmter Arbeiten einzuhalten, hat mich doch stark beeindruckt. Wer außer Profis kann schon wirklich sicher einschätzen, ob die angeheuerte Mannschaft in der angesetzten Zeit die selbst auferlegten Arbeiten wirklich erledigen wird. Und die zweite Sorge, hoffentlich hast Du nicht zu viele Leute zum Arbeitseinsatz gebeten und es wird ein einziger Reinfall. Es ist normalerweise nicht meine Art über Arbeit groß zu lamentieren, doch dieser Druck mit mehreren Unbekannten ein terminlich fixiertes Ziel zu erreichen hat mich doch stark beeindruckt.

Und sicher werden einige der Teilnehmer meine manchmal gereizte Stimmungslage hautnah gespürt haben. Allen, denen ich bei diesem Engagement zu hartnäckig auf die Pelle gerückt bin, mögen mir dies bitte nachsehen. Wie heißt es so schön, der Zweck heiligt die Mittel.

Mit dieser etwas anderen Berichterstattung über den Arbeitseinsatz Mai/Juni 2010 möchte ich schließen, nicht aber bevor ich daran erinnere, daß wir im September möglicherweise nochmals zur Hütte aufbrechen müssen, um an den Vorbereitungen für den Mai-Termin 2011 mitzuwirken. Ich bitte wieder um Meldung (möglicher Termin wäre der 18. bis 25.09.2011)

P.S. Und wann besuchen Sie Ihre/unsere Braunschweiger Hütte??

Viele liebe Grüße und ein Berg Heil Ihr Hüttenwart Sigbert Goebel

Und nun viel Spaß beim Lesen des wirklich authentischen Berichtes der beiden „Mädchen“.

Siegbert Goebel
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. August 2010