Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2010
Hochtourengruppe

Die „Arconauten“ auf Tour

Kletterwoche der Hochtourengruppe

ArcoARCO – von diesem Ort, von dieser Region nördlich des Gardasees muss eine besondere Faszination ausgehen, wählten wir ihn doch schon wieder, nach 2001, 2002 2004 und 2008, als Ziel der Frühjahrskletterfahrt 2010 der HTG.

Clemens
Clemens
Foto: Klaus Steube

Acht Teilnehmer (Gerhild Jüttner, Daniel Klein, Birgit Lehmann, Marion Schmidt, Clemens Pischel, Matthias Rahn, Ronald Scheffler, Klaus Steube), davon drei Veteranen und fünf neue Arconauten, entflohen im April dem nassen und tristen Braunschweiger Grau und erlebten eine sonnige Kletterwoche mit „klassischen“ und neuen Routen im „südlichsten Klettergarten Deutschlands“. Für Kenner des Gebietes sei erwähnt, dass seit etwa 2007 eine Vielzahl von neuen Mehrseillängenrouten ab Ceniga (bei Arco) bis Sarche eingebohrt wurden. Die meisten davon im Schwierigkeitsgrad 5 bis 7, zwar gut abgesichert, aber dennoch „alpin“, mit lockerem Geröll, Steinschlag, oft ausgesetzt und raffiniert durch die Felsen, einer von weitem als „wild bewachsenen“ Wand führend. Nachahmer und Einsteiger finden unter www.bergsteigen.at oder www.arrampicata-arco.com tolle Topos, Bilder und Beschreibungen – und im Folgenden einige persönliche Eindrücke von Teilnehmern.

Nun will ich über meine Highlights von Arco berichten

Auf dem Campingplatz hatten wir einen Bungalow und einen Zeltplatz gemietet. Natürlich war der Bungalow der Haupttreffpunkt um zu essen, zu klönen und unsere Touren zu planen.

Daniel
Daniel

Da wir abends ab und an in eine Pizzeria gingen, lernte ich die italienischen Pizzas lieben. Die sind sehr groß im Durchmesser, haben einen sehr dünnen Boden und schmecken mega lecker. Dennoch: das Beste war unser Grillabend auf dem Campingplatz unter den Wänden des Colodri. Birgit und Gerhild zauberten einen wunderbaren Nudelsalat, während Daniel und Ronald für uns das Fleisch sowie die Würstchen grillten. Als alle Speisen servierbereit waren, saßen wir bei Kerzenschein am Ufer der Sarca und ließen es uns schmecken. Für mich waren es in Arco sieben tolle Tage mit lieben und toleranten Klettergefährten.

In den Sonnenplatten kletterten Klaus und ich zusammen. Er hatte mir die Route 46° Parallelo ausgesucht, eine der kürzeren und leichtesten Routen in der linken Wandhälfte. Die Route windet sich eine breite, mit Gebüsch durchsetzte Felsrinne hinauf, die fast exakt auf dem 46igsten Breitengrad verläuft. Sie hat eine Kletterstrecke von 200m mit ca. 7 Seillängen und ist nie schwieriger als III+. Es war einfach eine Genusstour.

Nördlich von Chiarano, einem Vorort von Arco, erhebt sich das Felsmassiv des Baone. Die nach Süden geneigten Wände bieten Reibungs-Kletterspaß im leichten und mittleren Schwierigkeitsbereich. Klaus hatte für uns Arconeulinge den linken, leichten Wandteil ausgewählt, den wir zu fünft ansteuerten. Wir hatten diesen Teil der Wand ganz für uns allein und er inspirierte mich, abwechselnd mit Matthias vorzusteigen, zumal die 100 m langen Routen gut mit Bohrhaken gesichert waren. Von den Standplätzen hatte man einen sehr schönen Blick zum 4 km entfernten Gardasee. Zum Abschuss wechselten wir in den häufiger besuchen rechten Wandteil, in der auch Routen bis 5b/c vorhanden sind. Klaus richtete uns noch „rasch“ zwei Toprope- Routen ein, nachdem sich keiner von uns getraut hatte, hier vorzusteigen. Diese beiden Routen waren auch deutlich schwieriger und die spärlichen Griffe und Tritte sehr „abgespeckt“.

Mathias
Mathias

Den allerbesten Ausblick hatten wir auf den Klettersteigen „Fausto Susatti“ und „Mario Folletti“ auf den Gipfel der Cima Capi, die Birgit, Matthias und ich voller Elan angingen. Der Anstieg zum Klettersteig startet in Riva und führt meist durch den Wald, immer wieder unterbrochen von wunderschönen Blicken auf die serpentinenreiche Landschaft und den Gardasee. Am Gipfel (1.000 m über dem Seeufer) eröffnete sich uns die Aussicht über den gesamten Gardasee, den Monte Baldo, ins Sarcatal und sogar bis zur Brenta. Beide Klettersteige sind relativ einfach mit kurzen Kletterstrecken, aber ausgesetzten Passagen durch senkrechte Wände. Auf dem ganzen Weg kann man Reste militärischer Bauten betrachten. Die Seilversicherungen sind neu und in gutem Zustand.

Marion Schmidt

Freitag der 30. April 2010: Ab durch den Kamin

Nachdem Gerhild und Daniel am eigentlich letzten vollen Tag schon auf dem Heimweg waren, nahmen Birgit, Marion und Matthias die Klettersteigrunde um die Cima Rocca über Riva in Angriff. Klaus, Ronald und ich nutzten die Gelegenheit, einmal eine Tour mit fast durchgängig 4+ bis 5+ zu erklimmen und hatten uns für die „Via Calliope“ entschieden, die mehrmals mit 5+ ausgewiesen ist. Diese Route ist recht neu und war somit auch für die beiden Arco-Veteranen unbekannt. Sie befindet sich eine gute halbe Stunde Fußmarsch nördlich vom Campingplatz (Gebiet San Paolo, 100m hinter der Pizzeria Lanterna).

Ronald
Ronald
Foto: Klaus Steube

Das Wetter war optimal: Zwar bedeckt aber trocken und etwas über 20°C warm. Unsere Lasten und Aufgaben hatten wir auf das nötigste eingeschränkt: Klaus trug den Rucksack, Ronald war der Kameramann, und ich hatte die Ehre des Vorstiegs. Wir kletterten mit zwei Halbseilen, gleich noch eine Premiere für mich.

Der Anfang der Tour zeigte uns auch gleich „wo es langging“: Zwei Seillängen (SL) durch Kamine hintereinander, bei denen man sich hervorragend die klassische Kaminkletterei zugute führen konnte. Der erste war schon ganz gut mit einem kleinen Überhang, der zweite hatte es dann richtig in sich (40m mit 5+). Lang und kurvig, und die beiden Wände so weit auseinander, dass man sehr weit ausspreizen musste (große Leute waren im Vorteil). Die anderen SL waren dann „normale“ Kletterei, über Pfeiler und Platten, auch mal ein Quergang und ein Riss zum Piazzen. Das größte Problem bereitete mitunter die Verständigung. Der nächste Standplatz war manchmal so weit zurückgesetzt, dass selbst mehrmaliges Brüllen nicht beim Empfänger ankam.

Hinzu kam der Lärm von der nicht allzu weit entfernten Straße. Einmal brach die Verständigung völlig ab. Nach längerem Warten beschloss ich, die Seile bis zum Widerstand einzuziehen, danach langsam durch die Sicherung weiter. Ronald stieg ein Stück hinauf, und wir hatten wieder akustischen Kontakt. Nach sechs SL und einer Zeit von knapp vier Stunden waren wir am Ausstieg angekommen. Zufrieden genossen wir bei einer kleinen Brotzeit die Aussicht, machten Fotos und verewigten schließlich unsere Gefühle im Gipfelbuch mit dem Zusatz „Braunschweiger Helden“.

Clemens Pischel

Corno di Bo – Abschluss einer gelungenen Kletterwoche

Gerhild und Birgit
Gerhild (mit Gips) und Birgit
Foto: Klaus Steube

Eine schöne, aufregende und auch etwas traurige Kletterwoche geht zu Ende. Traurig deshalb, weil Gerhild sich bei einem Sturz an den Sonnenplatten den Fuß gebrochen hat. Schön und aufregend, da wir viele schöne Klettertouren unternommen hatten. Heute, am Samstag, müssen wir die lange Rückfahrt nach Braunschweig antreten. Gerhild ist schon zwei Tage vorab mit einem Krankentransport Richtung Heimat aufgebrochen. Daniel ist ebenfalls schon abgereist. Geblieben sind sechs, aufgeteilt in zwei Fahrgemeinschaften.

Um 10 Uhr morgens sind wir abfahrbereit. Die Sonne scheint, und gerne würden wir noch bleiben. Da hat Klaus die grandiose Idee vor der Abfahrt, noch eine kleine Klettereinlage dazwischen einzulegen. Aber die erste Fahrgemeinschaft möchte möglichst früh zu Hause sein und verabschiedet sich. Wir anderen, das sind Klaus, Clemens und ich, beschließen nach Corno di Bo, einem kleinen Plattenklettergebiet direkt am nördlichen Ufer des Gardasee, zu fahren. Eine sehr schöne und nicht sehr schwierige Genusskletterei (4c/5a) an den Reibungsplatten erwartet uns. Wir entscheiden uns für eine Tour mit mehreren Seillängen. Obwohl die Felsen sehr glatt und abgespeckt aussehen, finden unsere Füße immer wieder Halt, während die Hände für die Gleichgewichtsbalance eingesetzt werden. Je weiter wir nach oben kommen, desto schöner wird die Aussicht auf die umliegenden Berge und natürlich auf den Star der Region, den Gardasee. Direkt unter uns die Straße und das Seeufer.

Wir drei sind uns einig, das war ein würdiger Abschluss dieser erlebnisreichen Woche.

Birgit Lehmann

Klaus Steube
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. August 2010