Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2010
Familiengruppe

Pfingstfahrt ins Elbsandsteingebirge

Frischer Wind blies ins Gesicht, die Jacken wurden fest verschlossen als der Auftakt der Familienfahrt am Marktplatz in Pirna draußen in einem Restaurant stattfand. Nach einem verregneten und viel zu kühlen Mai sehnten sich die vier mitgereisten Familien Fähnrich, Hartzsch, Paulmann und Stadel nach Wärme und Sonne. Doch ausgerechnet im Süden Sachsens mussten wir bangen, ob sich die Sonne an Pfingsten durchzusetzen vermag.

Gruppen- und Reiseleiter Ralf Hartzsch hatte intensiv Pläne geschmiedet, wie er uns Großen und Kleinen zu einem Maximum an Elbsandsteingenuss verhelfen sollte. Nachdem der Samstag als potentiell trockenster Tag identifiziert wurde, sollte vor allem das Klettern im für uns ungewohnten Sandstein im Vordergrund stehen. Also fuhren wir von unserem Domizil, der Plattenbau-Jugendherberge in Pirna, schnurstracks zu einer Perle der Sächsischen Schweiz, dem Bielatal mit seinen grazilen und bizarren Felstürmen. Da die jetzt wirklich wärmende Sonne noch mit der hohen Feuchtigkeit im Tal kämpfte und Klettern an feuchtem Sandstein laut strengem sächsischen Klettercode verboten ist, beschlossen wir, vor der Kletterei noch eine kleine Wanderung zu machen, die uns zunächst über spannnende Stege mit viel Matsch und Wasser, anschließend aber steil bergauf zum Sachsenstein führte. Dessen 124 Stufen, aufgeteilt auf mehrere, immer steiler werdende Leitern, erklommen alle Teilnehmer. Selbst die zweijährige Greta stieg mit schelmischem Lächeln und sicher geführt von Papa Oliver auf die Spitze des Felsens, der eine perfekte Aussicht auf viele Höhepunkte des Bielatales wie z. B. die Herkulessäulen offenbarte.

Anschließend erfolgte der Weitermarsch im steten Auf und Ab zu unserem eigentlichen Tagesziel, dem Zauberberg, der uns von Ralf als perfekter Familien-Anfängerfelsen empfohlen wurde. Vor dem Felsen befindet sich ein ausgedehntes, nahezu horizontales Waldgelände, das sich ideal als Picknickplatz eignete. So konnten auch die ganz Kleinen unbekümmert herumtollen, ohne in Absturzgelände zu geraten. Wir fingen mutig mit der leichtesten Route, einer satten I (1) an. Wir stellten schnell fest, dass Übermut hier fehl am Platze ist. Die vorsteigende Silke konnte erst in über 10 Metern Höhe die erste Zwischensicherung verankern und die Felsen darunter keinesfalls gestuftes Bollwerk: Elbsandstein eben!

Am Sonntag stand wegen der unsicheren Wetterlage eine Wanderung auf dem Programm. Von der Stadt Wehlen aus überquerten wir die Elbe auf einer Fähre. Anschließend stiegen wir zum Rauenstein auf, einem markanten Felsenzug hoch über der Elbe. An Pfingsten hatten offensichtlich auch noch andere denselben Gedanken, so dass wir uns alsbald als Bestandteil einer langen Karawane wiederfanden. Nichtdestotrotz machte die Überquerung des Rauensteins allen einen Heidenspaß, da es immer sehr abwechslungsreich hinauf, hinab, über Brücken und Treppen ging. Das Wetter berappelte sich und machte einem Pfingstsonntag schließlich alle Ehre. Beim Abstieg wurde es richtig warm, und wir konnten neben einem Geocache auch doch noch den Laasenturm zum Klettern mitnehmen.

Die herrliche laue, kurze Sommernacht ermöglichte es vier Erwachsenen von uns, sich am gleichen Abend eine Eskapade in eine etwas anspruchsvollere Kletterroute vorzunehmen. Am Thürmsdorfer Stein führte Ralf die Viererseilschaft über drei Seillängen durch eine außerordentlich genussvolle, im Kletterführer mit Schwierigkeitsgrad III und sagenhaften drei Schönheitssternchen bewertete Route. Doch nach einem wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Gipfel wurde auch hier Nacht und das Abseilen erfolgte zuletzt im Schein der Stirnlampen.

Der Pfingstmontag brachte wieder instabiles Wetter und so besuchten wir die Kleine Sächsische Schweiz, eine liebevoll gestaltete Miniaturausgabe als kleiner Freizeitpark im Dorf Wehlen. Hier durften wir entspannen beim Zugfahren und Anschauen der vielen Modelle von Gebäuden und Landschaft. Danach hieß es Abschied nehmen von Familie Hartzsch, die die Heimreise antreten musste. Die Übrigen gaben sich am Rest des Tages der individuellen Erholung durch spielen und Freunde besuchen hin. Große Aktivitäten waren auch durch das (Un-)wetter gebremst worden, das über Sachsen hinwegfegte und teilweise schwere Schäden verursachte. Zum Glück nicht direkt bei uns.

Am Dienstag war der allgemeine Aufbruch angesagt. Während Familie Stadel direkt nach dem Frühstück zurückfuhr, ließen sich die Familien Fähnrich und Paulmann im sogenannten Labyrinth irreführen. Dabei handelt es sich um eine große Zahl eng stehender Felsen, die ein wahres Labyrinth an Durchgängen, kleinen Höhlen und Blöcken bilden. Ein Faden der Ariadne ist markiert, so dass man nach einigen schon abenteuerlichen Durchstiegen auch zum Ausgangspunkt zurückfindet.

Dies war ein schöner Abschluss eines gelungenen Pfingstwochenendes, bei dem alle, Kletterer und Nichtkletterer, Erwachsene ebenso wie große und kleine Kinder voll auf ihre Kosten kamen.

Danke Ralf, für diese wunderschönen Tage, die ohne Dich, der den Elbsandstein wie seine Westentasche kennt, nicht möglich gewesen wären!

L. Paulmann
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. August 2010