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Die „Greenhorns“ Julia und Kathi auf der Braunschweiger Hütte
Foto: Julia Jürges |
Staub:
Der graue Belag auf Bücherregalen und CDs, der uns in den Wahnsinn treiben kann? Die dicken fusseligen „Wollmäuse“ unterm Bett?
Als Staub bezeichnet man feinste, in der Luft schwebende Teilchen, die von überall herkommen können: aus dem All, von Vulkanausbrüchen oder Bränden, von der Industrie oder aus der Natur. Er kann also durch menschliche Prozesse (mechanische Verarbeitung von Feststoffen z.B. Zerkleinern, Oberflächenbearbeitung, Abrieb, ...) verursacht werden oder natürlichen Ursprungs sein.
Staub haben wir, Julia und Kathi, in der letzten Maiwoche auf der Braunschweiger Hütte erleben dürfen und mit voller Hingabe geradezu wissenschaftlich durchexerziert. Das Ergebnis: Staub findet immer seinen Weg – durch jede Ritze!!! Und setzt sich überall fest – sogar in den Nasenlöchern.
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Auf der Terrasse mit Blick auf Mittelbergferner
Foto: Julia Jürges |
Am 21. Mai brachen wir morgens um 6.00 Uhr mit der Deutschen Bahn in Richtung Imst/ Pitztal auf. Die Laune war gut, auch wenn das Gepäck an jedem Bahnhof, zumindest gefühlt, immer schwerer wurde. Wir hatten nämlich neben vielen warmen Sachen – die WetterCam hatte als Maximalwerte auf der Hütte O Grad angekündigt – Arbeitssachen, Schlafsack – man weiß ja nie – und vor allem, ganz viel Werkzeug: Hammer, Akkuschrauber plus Ladegerät, Zangen jeglicher Art, Schraubendreher und -schlüssel, Bit- und Knarrensätze, Cuttermesser und vieles mehr dabei. Alles, was wir so im Werkzeugkasten gefunden und noch in den Rucksack bekommen haben. Am Ende waren 18 Kilogramm im 80 Liter Rucksack!!!
Die Fahrt war toll. Wir hatten, wie immer, genug Gesprächsstoff und waren auch ein kleines bisschen aufgeregt. Schließlich war Kathi noch nie auf der Hütte, und ich hatte Werkzeug noch wenig gebraucht – jede von uns also ein Greenhorn auf ihre Weise. Nach gut 8 Stunden in Imst am Bahnhof angekommen, wurden wir von Melanie, der Tochter von Cilly Auer, abgeholt und durchs Tal bis zur Materialseilbahn gebracht, mit der wir zur Hütte fahren durften. Dort erwartete uns János (ungarischer Koch und „Mädchen“ für alles), der uns einen ersten kurzen Überblick über die Hütte verschaffte und uns die Männer vorstellte. Das waren zunächst Burghard Suschinski und Klaus Scheunemann. Sie waren gerade dabei, eine Wand mit Holz zu verkleiden. Sigbert Goebel war zu einer wichtigen Besprechung im Tal. Alle drei waren schon seit zwei Wochen auf der Hütte und werkelten fleißig.
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Foto: Julia Jürges |
Und die Hütte,... ja, sie glich einer einzigen, riesigen Baustelle, an der so viel umgebaut und renoviert werden musste, dass wir uns kaum vorstellen konnten, wie die „Mission“ bis Saisonbeginn zu schaffen sein könnte, geschweige denn, dass wir wussten, wo wir anfangen sollten. Da konnte auch ein einhelliges: „Wieso, sieht doch schon wieder gut aus, ihr hättet die Hütte mal vorher sehen sollen“ der Männer den ersten Eindruck wenig entkräften. Aber wir waren alle hoch motiviert und schafften es, die Hütte so an unsere Nachfolger zu übergeben, dass die ersten Gäste Mitte Juni eine annehmbare Unterkunft vorfinden.
Unser erster Tag auf der Hütte endete nach dem Genuss des Ausblicks bei super Wetter mit einem tollen Abendessen und einer Arbeitsbesprechung, um zu klären, welche Arbeiten als erstes zu erledigen waren und wo wir „Mädchen“ uns effektiv einbringen konnten.
Nach sternenklarer Nacht und unserem ersten Frühstück auf der Hütte ging es pünktlich um 8 Uhr frisch ans Werk. Ich, Julia, habe zunächst den Boden im Schlafzimmer der Pächterwohnung mit Lack versiegelt, und Kathi wollte mit Klaus im 2. Stock im Flur eine Wand erst beplanken und dann mit Holz verkleiden. Da mir die Arbeit ziemlich gut und schnell von der Hand ging, fuhr ich zu Burghard ins Tal, um ihm dabei zu helfen, Material in die Bahn zu laden und hochzuschicken.
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Foto: Julia Jürges |
21 Doppelstockbetten und 2 Dreierstockbetten plus Matratzen mussten von uns beiden aus der Garage unter der Bahn zur Bahn geschafft, in die Bahn verladen und oben von den anderen wieder ausgeladen und über Schneeberge ins Haus geschleppt werden. Kathi unterbrach regelmäßig ihre Arbeit mit Klaus, um beim Entladen zu helfen – alles in allem also ein Tag füllendes Programm. Ganz nebenbei haben wir Burghard zum Geburtstag ein Ständchen gebracht und ihm Kuchen mit Kerzen und kleine (wenn auch improvisierte) Präsente überreicht. Unser erster Arbeitstag endete gegen 18:30 Uhr. Wir freuten uns auf die heiße Dusche und genossen das tolle 3-Gänge-Menü von János – das bekamen wir übrigens jeden Abend.
Am nächsten Tag bekam der Fußboden seinen zweiten Anstrich, und die Wand wurde weiter verkleidet. Wir halfen beim Strom verlegen und sprangen als „dritte Hand“ ein, wenn sie fehlte. Und dann lagen da im Saal ja noch die vielen Kartons. Also wurden alte Betten auseinander gebaut und praktischerweise erst einmal nach draußen „entsorgt“. Und dann ging es ans „Bettenbauen“. Burghard und ich kämpften uns durch die schwer zu durchschauende Anleitung, aber als wir es erst einmal raus hatten, lief es Hand in Hand. In der Woche haben wir 16 Doppelstockbetten aufgebaut.
In den Pfingstmontag starteten wir mit einer „Rutschpartie“ mit János. Punkt 07.00 Uhr standen wir bei super Wetter vor der Hütte, um dann auf den Rutschtellern der Kinder in Richtung Jöchl zu rutschen. Da der Schnee am Tag geschmolzen und über Nacht wieder gefroren war, haben wir ein ziemliches Tempo draufbekommen. Es war eine „Mords Gaudi“! Und als dann über dem Jöchl die Sonne aufging, fühlten wir uns wie im Urlaub und hatten schon innerhalb der ersten halben Stunde einen großartigen Tag. Was konnte da noch kommen?
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Foto: Julia Jürges |
Klaus Witt ist inzwischen auf der Hütte eingetroffen, so dass die Teams neu eingeteilt wurden. Klaus & Klaus (irgend jemand sang leise „An der Nordseeküste“) sollten weiter Wände verkleiden, Burghard und Sigbert kümmerten sich um den Strom, und Kathi und ich bauten weiter Betten zusammen.
Wir arbeiteten alle eifrig, so dass Sigbert bei einem wieder mal tollen Mittagessen ankündigte, gegen 15.00 Uhr „den Hammer fallen lassen“ zu wollen, um endlich einmal das großartige Wetter zu genießen. Wir trafen uns alle zum Kaffee und Bier auf der Terrasse und gönnten uns zwischen Dixi-Klo, Betonmischer und Bauschutt ein bisschen Entspannung und vor allem Sonne. Besonders Burghard, Klaus und Sigbert genossen die Unterbrechung, denn es war doch das erste Mal seit zwei Wochen.
Am Pfingstdienstag kam noch mehr Leben ins Haus: Das Wetter war gut, und so konnte der Hubschrauber endlich fliegen. Im Minutentakt brachte er die Handwerker (Elektriker, Zimmerleute und Maurer) und auch Material auf die Hütte. Für uns alle war das eine spannende Sache. Der Pilot schaffte es jedes Mal, alles Material ganz genau auf der Terrasse abzusetzen. Das Highlight war allerdings das Dixi-Klo, das plötzlich am Gletscher an uns vorbei ins Tal flog.
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Die „Fingerriege“, Jánus der Koch, Klaus Witt, Sigbert Goebel, Klaus Scheunemann: Alle haben mehr oder weniger Verletzungen an den Fingern
Foto: Julia Jürges |
Wir bauten währenddessen weiter alte Betten auseinander und neue zusammen. Und das in Rekordzeit! Bis zum Mittag hatten wir drei Doppelstockbetten fertig und bis zum Abend hatten wir weitere fünf aufgebaut. Wir waren ziemlich stolz auf uns, denn damit hatten wir die vorerst letzten Betten zusammengebaut. Allerdings tat uns auch alles weh, und wir freuten uns auf die wohlverdiente Dusche. Trotz aller Mühen: Stefan hat uns noch in die „Anfangsgründe“ des Schneeschuhlaufens eingeweiht.
An den letzten beiden Tagen haben wir Burghard und Sigbert dabei unterstützt, Kabelkanäle und Kabel in Fluren und Zimmern zu verlegen. Jedes Zimmer sollte eine Steckdose bekommen. Interessant war, wie in einer Hütte voll mit Handwerkern, die immer alle am gleichen Fleck zu arbeiten schienen, jeder sein Pensum geschafft und am Ende sogar sein Werkzeug wieder gefunden hat. Und das Zusammenspiel von Profis, ehemaligen Profis und Laien wie uns hat erstaunlicher Weise gut geklappt, auch wenn die Profis erst etwas überrascht waren, uns Mädels da oben vorzufinden.
Als sie merkten, was wir so leisten können, haben sie uns akzeptiert und gut aufgenommen.
Wir waren schon ein bisschen wehmütig, als wir unsere Rucksäcke wieder packen mussten. Unsere Woche war leider schon um, am Freitag sollte es nach Hause gehen. Insgesamt hatten wir eine interessante, ereignisreiche und erfolgreiche Woche, die auch ein bisschen anstrengend war.Es gab, bis auf ein paar kleine Schnitzer, eine kleine Kopfwunde (Kathi) und Schnittwunden an Fingern (János und Klaus W.) keine großen Verletzungen. Und für die aufgerissenen und trockenen Hände, spröde Lippen und den vielen Staub in Lunge und Nase hatten wir genügend Cremes und Taschentücher mit. Und der Muskelkater und die Blutergüsse sind inzwischen auch schon wieder weg.
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Der Arbeitseinsatz ist beendet. Kathi und Julia auf dem Weg ins Tal
Foto: Julia Jürges |
Auch die 2.759 m machten uns keine großen Schwierigkeiten. Wir waren nach dem Treppensteigen nur manchmal ein wenig kurzatmig, aber dann haben wir einfach etwas langsamer gemacht. Die Verpflegung war echt großartig. János hat sich jeden Tag übertroffen und uns immer hungrige Bande mit leckerem Mittagessen und 3-Gänge-Menüs zum Abendessen verwöhnt. Die Krönung war der Kaiserschmarrn zum Mittagessen, den wir alle mit Apfelmus einfach aus der großen Pfanne gegessen haben.
Unser Fazit:
Wir sind froh und glücklich darüber, dass wir die Gelegenheit hatten, unseren Teil zu dieser großen Mission beitragen zu dürfen – auch als Frauen. Danke an alle, die an uns geglaubt und uns unterstützt haben. Wir konnten viel über Handwerkern und die Bergwelt und ihre Eigenarten lernen und mitnehmen. Es war eine tolle Erfahrung, die wir nicht missen möchten und, die uns gezeigt hat, wie gut wir es z.B. mit einem Baumarkt gleich um die Ecke haben und mit wie wenig – Strom und warmes Wasser – man auskommen kann. Und wenn wir bei einer Bergtour in Zukunft auf eine Hütte kommen, werden wir jede Schraube, jede Steckdose, jede Holzwand und was noch alles auf einer Hütte verbaut wurde auf jeden Fall mit anderen Augen betrachten und sehr zu schätzen wissen.
DANKE!!! Es war TOLL !!!