Anfang Juni haben sich vier Mitglieder der Hochtourengruppe zusammengetan, um sich der Herausforderung des Oxfam Trailwalker 2010 im Harz zu stellen.
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Gute Stimmung kurz vor dem Start
Foto: Renate Hamann |
Marion Bräunig, Heidi Nettelbeck, Daniel Thoden und Jens Köhler gründeten das Team „Alpinaffen“, um gemeinsam zwei Ziele zu erreichen: Jedes angemeldete Team muss 2000 Euro Spenden für Bildungsprojekte in der Dritten Welt einwerben, dann ist die Teilnahme an dem Trailwalker im Harz möglich, eine Wanderstrecke von einhundert Kilometern Länge, die in maximal 30 Stunden im Team abgewandert werden muss. Beides waren Herausforderungen, die uns zu Anfang unglaublich groß vorkamen. Beim Spendensammeln hat uns die Hochtourengruppe von Anfang an unterstützt, was unglaublich motivierend wirkte! So vergingen Juni und Juli vorrangig mit dem, was Oxfam so schön auf neudeutsch „Fundraising“ nennt. Mitte Juli war es tatsächlich geschafft, die Alpinaffen hatten das Spendenziel erreicht.Daneben konnten wir Jachy Jach-Reinke und Renate Hamann als Supporter gewinnen, die die Aufgabe hatten, uns auf den 100 Kilometern zu betreuen und uns in den Pausen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Der August war durch sportliche Vorbereitungen auf den Trailwalker geprägt. Anfang August fand ein Trainingswochenende im Oberharz statt, wo wir als Team in zwei Tagen 65 km gewandert sind, teilweise über Stock und Stein.
Das eigentliche Ereignis startete am Samstag, den 11. September um 07:30 Uhr in Osterode am Industriedenkmal Eulenburg. Zusammen mit 95 anderen Teams starteten die Alpinaffen bei wunderschönem Wetter. Die Streckenführung ging durch den ganzen Westharz, die Lage der Pausenstellen, die sogenannten Checkpoints, zeigen eindrucksvoll das Pensum, das wir zu absolvieren hatten: Hanskühnenburg auf dem Acker, Grabenhaus Rose oberhalb von Altenau, Wiese Lichtenborn an der B4 unterhalb von Torfhaus, Kurhaus Schulenberg, Campingplatz Kreuzeck bei Bockswiese, Kurhaus Wildemann, Campingplatz Obere Innerste, Campingplatz Prahljust bei Buntenbock, Marienblick oberhalb von Lerbach. Dazwischen befanden sich die Etappen, die mal leicht, mal schwer, mal kurz, mal lang waren. So mussten wir beispielsweise zwischen Torfhaus und Schulenberg 15 km bewältigen, gekrönt mit der langen Asphaltstrapaze am Okerstausee. Nach 50 Kilometern erreichten wir Schulenberg, Frobald Wüstner und Winfried Rasp aus der Hochtourengruppe waren persönlich vor Ort, um uns anzufeuern! Das war großartig! Nach Schulenberg begannen die spannenden Nachtetappen. Einige hohe Berge wurden mit Stirnlampen erklommen, um Mitternacht erreichten wir Wildemann, wo wir uns über ein Hirschgulasch freuen konnten. Dann begann die längste Nachtetappe, die uns an Bad Grund vorbei über viele Berge schickte. Stellenweise waren die schmalen Wanderwege so matschig, dass sie das Licht der Stirnlampen regelrecht verschluckten, volle Konzentration war nötig.
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Jens, Heidi, Marion und Daniel im Ziel
Foto: Renate Hamann |
Am Checkpoint 7 im Innerstetal dann eine böse Überraschung: Marion musste wegen starker Schmerzen in den Füßen bei Kilometer 78 aufgeben, die letzten paar Kilometer waren für sie eine große Quälerei. Die Entscheidung ist ihr sehr schwergefallen, und wir standen auch ein wenig unter Schock. Wir mussten uns jedoch schnell von ihr verabschieden, denn jetzt durften wir die Pausen nicht mehr zu lang machen. Durch das nächtliche Buntenbock, an drei Teichen vorbei, wanderten wir zum Campingplatz Prahljust, wo schon Renate auf uns wartete (Jachy holte noch Marion ab). Jachy hatte für uns selbstgemachte Nudeln mitgebracht, das war morgens um fünf genau das richtige.
Immer noch finster, ging es am Nassewieser Teich vorbei auf den Kehrzug und auf der alten Asphaltstraße in Richtung Hutttal. Bei Erreichen des alten Steinbruchs begann die Morgendämmerung und uns dämmerte, dass wir noch lange nicht am Ziel waren und dass die Organisatoren einen sehr gemeinen Streckenverlauf gewählt hatten. Wir mussten fast bis ganz hinunter ins Riefensbeektal, dann ging es alles wieder hinauf zum Brautbrunnen und zum Braunseck. Wir überholten das verzweifelte Team Radio Havanna aus Berlin. Sie hatten eigentlich nur Trainingstouren mit maximal 25 Kilometern Länge gemacht und wären völlig am Ende, ihre Füße bestanden nur noch aus Blasen. Auch wir mussten unser Tempo reduzieren, Heidis Knie waren an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Ab Braunseck mussten wir auf kurvigen Forststraßen, teilweise durch Matsch (frischer Holzeinschlag!) zum Mangelhalber Tor wandern. Ab und zu gab es Tief- und Weitblicke, aber die waren selten. Gehen, Gehen, Gehen, immer ein Schritt nach dem anderen.
Am letzten Checkpoint (Nr. 9, Kilometer 93,6, Marienblick ob. Lerbach) gedrückte Stimmung, alle denken nur noch ans Ziel und sind völlig geschafft. Wir müssen weiter, die Muskeln und Gelenke rosten jetzt unglaublich schnell ein. Wir brauchen fünfhundert Meter, bis wir wieder das Tempo von vor dem Checkpoint erreicht haben. Wieder Forstraßen, gewunden, endlos. Dann der Eselsplatz. Ab hier breite Forststraßenpiste, hinunter nach Osterode auf dem Hexenstieg.
Endlich ist es da, das 500-Meter-Schild vor der Ziellinie. Unsere Supporter kamen uns hier zur moralischen Unterstützung entgegen. Ein Einweiser, die Überquerung der B498, dann sehen wir die Eulenburg auch schon. Zuschauer haben ein Spalier gebildet, es läuft das Tote-Hosen-Lied „You Never Walk Alone“, alle klatschen, wir laufen über die Ziellinie! Es ist geschafft, in 26 Stunden und 35 Minuten. Direkt danach werden wir auf ein Podest gebeten, Zielfoto! Halt, wo ist Marion, die muss doch auch mit drauf!
Wir finden sie, schwupps, steht sie auch mit auf der Bühne, noch ein Foto. Haben wir noch Zeit? Kommt das nächste Team? Nein, also, noch ein Foto, diesmal mit Supportern! Wir sind ins Ziel gekommen. Das, was wir zu Anfang für unmöglich gehalten haben, hat tatsächlich geklappt. Wir haben als Team 3.521 Euro gesammelt und 378 Kilometer erwandert! Ein großes Dankeschön an alle, die das möglich gemacht haben!
Weiteres im Internet auf Jensens Welt und bei oxfam