Den meisten Dauerkunden von „Henschels Reisebüro“ war es eigentlich klar, dass eine unumgängliche Nachfolge der fantastischen Reise von 2008 ins Zugspitzgebiet wieder im Jahr 2010 stattfinden muss. Wolfgang Henschel reagierte auch prompt auf das heimliche Rufen der Braunschweiger und Magdeburger Bergfreunde und erarbeitete zusammen mit Rolf Gerschler eine Wanderwoche in den Dolomiten.
Die Wandervorschläge für die Gruppen 1 und 2 unterscheiden sich nur unwesentlich. Auch für „alte Dolomitenhasen“ werden interessante Neuigkeiten versprochen. Wir Magdeburger werden pünktlich, früh am 29. August, zugeladen, und es gibt ein herzliches Wiedersehen mit unseren alten Bekannten aus Braunschweig.
Jürgen Fässler, unser „Stammfahrer“, hat es „vorgezogen“ ,uns erst ab dem Hermsdorfer Kreuz weiter zu transportieren, auch er wird herzlich begrüßt.
Bei der Pause Brannenburg im Inntal gelingt unserem Reiseleiter eine Überraschung mit dem schlesischen Mohnkuchen. Keiner hat es gewusst.
Unser Ziel heißt Hotel Brötz in Niederrasen im Antholzer Tal, einem Seitental des Pustertals, das wir um 19.30 Uhr erreichen.
Heute am Montag, dem 30. August , regnet es stark. Die Abfahrt mit dem Bus wird deshalb um eine halbe Stunde verzögert, vielleicht scheint dann die Sonne. Aber Täuschung war es leider. Trotzdem fahren wir hoch zum Pragser Wildsee und wollen im Uhrzeigersinn den See bis zum Grünwaldtal umrunden und versuchen, bis zu den Hochalpenhütten hoch zu laufen. Es bleibt vernünftigerweise bei einem Versuch, der über ein kurzes Aussteigen aus dem Bus nicht hinausgeht. Schade, aber es hilft nichts, die Gesundheit geht vor. Schnell wird entschieden: Wir fahren zurück und in Richtung Brixen, wir bestellen eine Führung und besuchen den Augustiner Chorherrenstift Neustift. Und wie es der Teufel will, auf der Fahrt dorthin klärt es sich auf, und die Sonne scheint. Da die Führung erst 14 Uhr möglich ist, haben wir Zeit und Gelegenheit zu einer kleinen Stadtbesichtigung in Brixen, bei der natürlich der Domplatz mit Dom und Lebensbrunnen, sowie die Bischöfliche Burg und die Gässchen in der Innenstadt im Mittelpunkt stehen.
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Grünwaldalm – Blick auf den Seekofel
Foto: Hans Gropp |
Heute am Dienstag, es ist der letzte Augusttag, regnet es wieder, allerdings nicht so stark wie am Vortag. Entschluss: Wir versuchen es noch einmal mit der Wanderung um den Pragser Wildsee. Wir fahren aber erst um 10 Uhr ab, vielleicht haben wir dann mehr Erfolg, und der stellte sich dann auch ein. Wir laufen um den See bis zum Grünwaldtal und sehen allerdings den Seekofelgipfel immer noch nicht. Schon an der Grünwaldalm deutet sich ein Ende des Regens an und vorläufige Prognosen versprechen sogar bald die Sonne. Warten wir es ab. Nun wird es immer schöner, die Regenhüllen fallen, und an der Altkaserhütte lugt schon mal die Sonne hervor. Große Pause, denn auch der Hunger meldet sich. Ein herrliches Panorama tut sich vor uns auf, und die sonnen- und nebelumwobenen Gipfel der Fanes-Sennes-Gruppe grüßen herüber. Die Zeit ist fortgeschritten, der Weitermarsch zur Hochalpenhütte und weiter zum Hochalpensee ist nicht sinnvoll, also Rückweg und Umkehr. Dafür nehmen wir uns allerdings nun Zeit. Alle Gipfel, einschließlich die der Seekofelgruppe sind frei und strahlen in der Sonne. Jetzt klicken die Auslöser, die Gruppe zieht sich auseinander und trifft erst wieder mit vollen „Filmen“ an der Grünwaldalm zusammen. Auf dem Rückweg dorthin kommt uns die Gruppe 2 entgegen, sie kann den Gesamtweg in der Sonne absolvieren, ihre Pause erfolgte schon an der Hütte. Der restliche Rückweg zum See und an diesem entlang zum Busparkplatz war sehr schön, eine kleine Kapelle vor dem Hotel „Pragser Wildsee“ erinnert an unliebsame Ereignisse im Mai 1945, wo prominente politische Häftlinge des NS-Staates, die vorübergehend in diesem Hotel untergebracht waren, letztlich von der US-Armee dann dort befreit wurden.
Nun schreiben wir den 1. September, und das sprichwörtliche schöne Wetter im September scheint uns erfasst zu haben. Die heutige Wanderung setzt dieses allerdings auch voraus. Jürgen steuert sein rollendes Traumschiff nach Süden. Es geht durch das schöne Höhlensteintal, ebenfalls durch Cortina d’ Ampezzo und zum Falzarego-Pass. Oben ist es frisch, aber trocken. Handschuhe, Mütze und Pullover sind gefragt. Wir müssen noch höher hinauf, konkret mit der Seilbahn für 7,30 Euro zur Lagazuoi-Hütte, dem, in meinen Augen, schönsten Aussichtspunkt der südlicheren Dolomiten. Nur die Gruppe 2 benutzt die Seilbahn, die Gruppe 1 will sich warmlaufen und läuft hoch.
Wie sich später herausstellt, auch kein Kunststück, trotz der immerhin 650 Hm, die sich aber moderat bewältigen lassen. Auf der Aussichtsplattform der Lagazuoi-Hütte, besser noch vom 10 m höher gelegenen Gipfel des Kleinen-Lagazuoi-Gipfels auf 2.762 m, bietet sich uns ein atemberaubendes Bild in alle 4 Himmelsrichtungen: Mt. Pelmo 3168m, Civetta 3.220 m, Pala- Gruppe mit Cima Vezzana 3.192, Marmolada 3.342 m, Rosengartenspitze 2.981 m, Sella-Gruppe mit Langkofel 3.181 m, CIR-ODLE-Spitzen, Stubaier Alpen mit Tribulaun 3.096 m, Peitlerkofel 2.875 m, P.dles Conturines 3.064 m, Schwarzenstein 3.369 m,Gr. Löffler 3.376 m, C.Fanis di mezzo 2.989 m, Gr. Lagazuoi 2.853 m, Hohe Gaisl 3.146 m, Tofana di Rozes 3.225 m, Sorapis 3.205 m und Antelao 3.264 m, um nur einige zu nennen, lassen sich mit bloßem Auge oder dem Glas gut erkennen, das ist einmalig! Die Gruppe 1 ist natürlich noch nicht oben, wir steigen aber trotzdem ab und laufen an alten und z.T. verfallenen Stellungen des 1. Weltkrieges vorbei auf dem Weg 20, auch Dolomitenhöhenweg 1, unterhalb der hohen Wände des Gr. Lagazuoi und Punte di Fanes entlang zum Lago di Lagazuoi. Hier scheinen sich die Klettersteigenthusiasten zu treffen, denn wir erkennen auch ohne Glas einige Gruppen, die sich an Seilen und über Leitern steil empor arbeiten. In unseren Augen der blanke Neid, doch eines geht nur.
Der Abstieg vom See zur 200 Hm tiefer gelegenen Scotonihütte ist steil, hier heißt es aufpassen und nicht rutschen, Geländer zum Festhalten sind nicht vorhanden. Es geht alles gut, und die große Rast an der Hütte ist willkommen. Ein nicht allzu langer Wegemarsch, nun im flachen Gelände, über die Cap. Alpina Hütte durch das Rio-Sarge- Tal bringt uns zu einem Parkplatz an der Straße, die zum Valparola Pass führt. Hier steht Jürgen mit dem Bus und hat bereits für uns schon wieder Kaffee gekocht. Gut in der Zeit kommt die Gruppe 1 nur ¼ Stunde später an, auch hier ist nichts passiert, das wird immer gern zu Kenntnis genommen. Bei der anschließenden Heimfahrt wird nun die große Runde über die Orte Stern, St. Martin in Thun und St. Lorenzen im Uhrzeigersinn geschlossen, und wir hatten alle einen wunderschönen Wandertag, voller neuer Eindrücke und schönem Wetter.
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Am Paternsattel, im Hintergrund die Drei-Zinnen
Foto: Hans Gropp |
Auch am 2. September ist das Wetter wieder wunderschön, wir brauchen es auch heute für die beiden großen Runden: Gruppe 1 umrundet den Paternkofel, die Gruppe 2 „nur“ die Tre Cime di Lavaredo. Es wird sicher auch ein Tag großer Erlebnisse. Aber erst einmal bringt uns Jürgen mit dem Bus wieder auf eine ansprechende Ausgangshöhe, auf den Großparkplatz an der Auronzo Hütte, die unterhalb der Dreizinnen liegt. Dieser P ist nur über eine Mautstraße zu erreichen, und diese Maut hat es in sich, denn Jürgen muss 90 Euro auf den Tisch legen. Nicht schlecht, also bleiben wir auch den ganzen Tag. Alle zusammen gehen wir den wunderschönen Panoramaweg bis zur Lavaredo Hütte, rechts die Cadini Gruppe und links zum Anfassen die Dreizinnen, dazwischen der grandiose Tiefblick ins Tal Marzon mit dem Ort Auronzo, und das bei schönstem Wetter. An der Hütte trennen sich die Gruppen, die 1 läuft weiter südlich am Passportenkofel und Paternkofelmassiv vorbei auf dem Weg 104 durch einen weiten Kessel, dann auf dem Weg 107 zur Büllelejochhütte.
Hier ist eine große Pause angesagt. Es ist nun Zeit genug, die umliegenden Berge zu deuten und einen Teil der Bergsonnenuhr von Sexten, der größten steinernen Sonnenuhr der Welt, zu erkennen. Sie bildet den südlichen Abschluss des Fischleintales und formt mit ihren markanten Spitzen eine in sich geschlossene Kette von Neuner-, Zehner-, Elfer-, Zwölfer- und Einserkofel, d.h., über diesen Spitzen steht die Sonne zur angegebenen Tageszeit senkrecht. Zu beobachten ist dieses Schauspiel am besten vom Helm, einem Aussichtsberg gegenüberliegend.
Unser Rückweg beginnt mit dem Abstieg vom Büllelejoch auf dem Weg 101, er zieht sich dann am Hang der Bodenalm bis zur Dreizinnenhütte wieder hoch. Wir genießen die weltberühmte Dreizinnenansicht und die kleine Fotopause. Kleine aus dem Grund, da die Zeit schon wieder weit fortgeschritten ist und die eigentlich geplante Runde noch um die Drei-Zinnen zum P muss leider gestrichen werden. So marschieren wir über den Paternsattel und die Lavaredo Hütte zum Bus und sehen, dass die Gruppe 2 schon zurück ist. Die hatte aus der Wanderung einen genüsslichen Spaziergang um die 3 schönsten Dolomitenberge gemacht und die sich ergebenden Aussichten so richtig in sich aufgenommen, und dazu braucht man eben Zeit.
Heute am Freitag, dem 03.09., fährt uns Jürgen nach Sexten zum P der Helmseilbahn und alle fahren zum Helm Restaurant auf 2041m. Die Gruppe 2 löst allerdings auch die Talfahrt mit, der Plan sieht auch eine Abfahrt vor. Beide Gruppen laufen getrennt über die Hahnspielhütte 2.150 m zum Helmgipfel 2.438 m. Die verfallene, ehemalige Zollhütte auf dem Gipfel fristet ein klägliches Dasein und steht direkt auf dem Kamm der Karnischen Alpen, der die Grenze zwischen Österreich und Italien darstellt. Die Aussicht, von der eigentlich ein Besuch zum Helm abhängig gemacht werden sollte, ist mäßig, die Wolken nehmen nicht ab, sondern zu, die Sextener verschwinden immer mehr. Schade, die Gipfel der Sextener Sonnenuhr hätten wir gerne noch einmal von hier oben ausgemacht und bewundert. Die Gruppe 1 geht den steilen Weg 4A direkt zur Helmhanghütte auf 1.610 m über das Negerdorf nach unten und kehrt zur Mittagspause dort ein. Die 800 Hm Abstieg sitzen ganz schön in den Gelenken. Ein herrlicher Hangweg nach Sexten zum P entschädigt uns allerdings wieder von dem anstrengende Abstieg, gibt er doch noch einmal schöne Blicke auf die Berge und die umliegenden Täler und Ortschaften frei. Die Gruppe 2 befindet sich schon am Bus und empfängt uns mit lauter und wohlwollender Anerkennung über die gezeigte Leistung.
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Foto: Hans Gropp |
Der 04.September beginnt nicht so vielversprechend vom Wetter her, wie wir uns das eigentlich erhofften, sind doch heute zum Abschluss unserer wunderschönen Dolomitenwoche gleich 2 Ziele im Programm, davon sollte doch möglichst auf dem Kronplatz gute Sicht vorhanden sein. Also fahren wir als erstes alle zusammen über Antholz hoch zum Biathlonstadion im Antholzer Tal. Im Januar 2011 finden hier die Weltmeisterschaften statt. Der Weg um den Antholzer See ist sehr schön angelegt und mit vielen wissenswerten Hinweisen und Tafeln über Fauna, Flora und Geologie gespickt, die alle beachtet werden müssen, so dass uns die Zeitfrage schon wieder im Nacken sitzt. Das Ganze war interessant und schön, von den Bergspitzen der Riesenferner-Gruppe, auch von der Umgebung des Staller-Sattels, haben wir jedoch, außer Wolken, nicht viel gesehen.
Dessen ungeachtet steuern wir unser 2. Ziel, den Kronplatz mit seiner sprichwörtlichen Panoramasicht an, fahren zurück, queren auf 1.007 m das Pustertal und müssen uns bis zur Talstation der Seilbahn am Furkelsattel, der am Südhang des Kronplatzes liegt, mit dem Bus bis auf 1.737 m hocharbeiten. Eine Stunde Wartezeit am Gondellift – Mittagspause – müssen wir einplanen, ehe weitere 550 Hm überwunden werden sollen. Dieses geht dann aber problemlos, nur oben ist es plötzlich doch wesentlich kühler. Das Gipfelplateau auf 2.273 m ist offen, nicht bewaldet, den Stürmen ausgesetzt und das Eldorado der Wintersportler.
Hier oben enden 7 Lifte und bringen im Winter eben das Geld ins Land. Die Sicht ist mäßig, die nähere Umgebung frei, wie z.B. der Piz da Peres, den wir mit seinen doch immerhin 2.507 m auch schon vom Furkelsattel schön sehen konnten. Doch mit der Fernsicht in alle Himmelsrichtungen sieht es im wahrsten Sinne des Wortes recht trübe aus. Alle Berggruppen sind mehr oder weniger in Wolken gehüllt und lassen sich nur schwer ausmachen. Für kurze Zeit spiegelt sich mal der Gletscher der Marmolada in einem Sonnenloch, die großen Berggruppen im Norden, auch die Riesenfernergruppe vom Vormittag, sind nur schemenhaft auszumachen. Eine kleine Entschädigung dafür bietet uns eine Aussichtsplattform, auf der in Sichthöhe ein elektrisch beheiztes Panoramarelief aus Bronze montiert ist, das mit einer Länge von 35 m die umliegenden Berge mit Namen und Höhen zeigt.
In der Spitze dieser Plattform wurde im Sommer 2003 die Concordia 2000 montiert, eine Glocke mit 18,1 Tonnen Gewicht, als Friedensglocke konzipiert. Sie trägt die Inschrift „Donet deus populis pacem“ („Gott schenke den Völkern Friede“). Geläutet wird die Glocke neben regelmäßigen Zeiten auch dann, wenn in einem Staat die Todesstrafe aufgehoben und irgendwo ein Krieg beendet wurde.
Es hatten sich schon vor der Bergfahrt 2 Gruppen gebildet, die eine wollte auch die Talfahrt nutzen, die andere natürlich zum Pass runter laufen. Die Talfahrer konnten noch eine geraume Zeit oben bleiben und sie behaupten später, die Wolken hätten sich fast alle verzogen. Zum Ärger der Läufer, die auch keinen schönen Abstiegsweg vorfanden.
So müssen wir uns heute, am letzten Abend, von unserem Küchenteam mit einem allerherzlichen Dankeschön für die einwöchentliche Verwöhnung verabschieden, was Wolfgang auch in unser aller Namen mit netten Worten und einem kleinen Präsent macht. Dafür werden auch unsere beiden Wanderleiter Wolfgang Henschel und Rolf Gerschler für die liebevolle und exakte Vorbereitung und Durchführung der Reise bedankt, gab es doch auch in diesem Jahr keine Zwischenfälle.
Wir stehen am nächsten Morgen früh auf, das Frühstück schmeckt zwar wieder ausgezeichnet, doch Hunger hat zu dieser Zeit so keiner richtig. Trotzdem drehen sich pünktlich um 8.00 Uhr die Räder, unsere Heimreise ist ebenso lang wie die Anfahrt. Um 19.15 Uhr landen wir in Magdeburg. Eine unvergessliche und superschöne Wanderwoche, vollgepackt mit vielen neuen Eindrücken und ausschließlich schönen Begebenheiten und Erlebnissen, liegt hinter uns, dafür an dieser Stelle den Organisatoren nochmals herzlichen Dank, und ich bin mir sicher, dass der zweijährige Zyklus dieser Veranstaltungen beibehalten wird. Wir sehen uns also 2012 in alter Frische wieder!