Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2011

Eine Tour du Mont Blanc

Umrundung (TMB) für Senioren 70+

Am Col de la Seigne
Am Col de la Seigne, 2.516 m: Unsere Seniorengruppe mit Jugendlichen aus den Niederlanden, denen wir mehrmals begegnet sind
Foto: Dieter Paetsch

Im August 2010 haben neun Senioren (zwei Frauen und sieben Männer) im Alter von 69 bis 75 Jahren – davon 3 Mitglieder aus der Sektion Braunschweig – eine 10tägige „TMB-Spezial“ durchgeführt.

Die Umrundung begann auf der westlichen Seite von Chamonix in den Chablais-Alpen, dem Balkon Sud, von „Les Praz de Chamonix“ aus im Arve-Tal. Am Anfang war die Seilbahn-Auffahrt zum „Refuge La Flégère“ auf 1.877 m zur Akklimatisation. Dort übernachteten wir und hatten das erste Mal Blickkontakt auf den gegenüberliegenden Mont Blanc, 4.810 m, den Monarchen. Die Sicht auf die Gletscher, Viertausender und Aiguilles (Nadeln) war beeindruckend.

Peter fotografiert das Bergpanorama mit
Peter fotografiert das Bergpanorama mit „Mont Blanc“
Foto: Dieter Paetsch

Am nächsten Morgen ging es bei regnerischem Wetter in 2.000er-Höhe nach „Plan Praz“ und bei stärker einsetzendem Regen auf den Aussichtsberg „Le Brévent“, 2.525 m. Der rückseitige Abstieg durch viele Felsen zum kleinen „Refuge Bellachat“, 2.151 m (mit einer franz. Außentoilette!) erfolgte dann bei Wind und totaler Nässe. Dauer der Tagestour 7 Stunden 30 Minuten bei 530 m Aufstieg und 800 m Abstieg.

Vom „Chalet Miage“ blicken wir auf den Glacier
Vom „Chalet Miage“ blicken wir auf den Glacier de Bionnassay
Foto: Dieter Paetsch

Der folgende Tag begann mit einer dicken Wolkendecke im Tal und einer überragenden Sicht darüber auf die freien Viertausender der Mt. Blanc-Gruppe. Wir stiegen vorsichtig – weil noch feucht und glitschig – steil in einer Schlucht nach „Les Houches“ (auf der anderen Arveseite) in 5 Std. 40 Min. ab und hatten ständig die Mont Blanc-Riesen im Blick. An einer Christus-Statue, hoch über dem Tal mit Glockengeläut, machten wir eine gemütliche Pause. Nach 1.200 m abwärts logierten wir alle im „Hotel de Bois“ in Les Houches, 1.000 m.

Open-Air-Abendessen an der „Miage-Hütte“
Open-Air-Abendessen an der „Miage-Hütte“
Foto: Dieter Paetsch

Um 10.00 Uhr des 4. Tages war Treffpunkt mit unserem Bergführer Georg von der Alpinschule Oberstdorf (OASE), den wir schon von früheren Weitwanderungen kannten. Da die franz. Alpen für uns neu und wir auch der Sprache nicht besonders mächtig waren, hielten wir einen erfahrenen Führer für angebracht (speziell bei der Reservierung der Lager war es vorteilhaft). Wir fuhren alle zusammen mit der Seilbahn „Bellevue“ in Les Houches auf 1.801 m. Hier oben querten wir die „Tramway du Mont Blanc“, die die Bergsteiger auf die Normalroute des Mt. Blanc zum Ausgangspunkt in 2.372 m Höhe bringt. Etwas bergab über eine Hängebrücke ging es dann durch Wiesen aufwärts zum „Col de Tricot“ auf 2.120 m. Dort wurde eine längere Pause inmitten von Schafen gemacht. Steil abwärts erreichten wir anschließend das Tagesziel: in einem schön gelegenen Chalets-Ort, im „Refuge Miage“, auf 1.599 m Höhe, umgeben von einem Kranz schneebedeckter Gipfel. Bei gutem sommerlichen Wetter wurde das reichliche Abendessen im Freien serviert.

Tagespensum: 4 Std. 15 Min, 480 m Aufstieg und 720 m Abstieg.

„Aiguille du Midi“, 3.842 m: Fernsehturm
„Aiguille du Midi“, 3.842 m: Fernsehturm auf der Granitspitze
Foto: Dieter Paetsch

Früh morgens ging es auf der gegenüberliegenden Talseite über den Bergbach Miage 200 m empor, vorbei an dem „Chalet du Truc“ und weiter bergab in Richtung Contamines-Montjoie mit einer kurzen Kaffeepause bei einer Einkehrhütte in 1.350 m und wieder bergan durch bewaldetes Gelände. Auf einem schönen Höhenweg um den „Mt. Freugé“ in 1.800 m Höhe mit guter Talsicht ging es dann zum heutigen Etappenziel, der „Tré La Tête-Hütte“ auf 1.970 m. Tagesleistung: Knapp 6 Std. und 940 m Aufstieg und 560 m Abstieg. Die Übernachtung war in Mehrbett- Zimmern. Hier gab es warme Duschen. Das Abendessen mundete auch allen.

Am Folgetag stand die Etappe „Trè La Tête-Hütte“ zum Refuge „Col de la Croix du Bonhomme“ auf dem Plan. Sie begann mit dem Abstieg am „Combe Noire“ zur „Nante Borrant-Hütte“ (1.500 m) und mäßig bergan zum „Chalet de la Balme“ bei 1.706 m mit einer dortigen Jause.

„Aiguille du Midi“, 3.842 m: Fernsehturm
„Aiguille du Midi“, 3.842 m: Fernsehturm auf der Granitspitze
Foto: Dieter Paetsch

Gestärkt wanderten wir steil bergauf zum “Col du Bonhomme“, 2.329 m und auf einem felsigen Weg mit vielen Alpenblumen auf die Höhe von 2.479 m. Hier sah man schon die etwas tiefer liegende Unterkunft „Refuge Col de la Croix du Col Bonhomme“, 2.443 m. Es entstand etwas Verwirrung, weil es bei der Anmeldung unserer Gruppe eine Namensverwechslung gab. Das Resultat war dann schließlich ein enges Lager statt der bestellten Mehrbett-Zimmer. Vor der Hütte tauchten Steinböcke an den Lecksteinen auf.

Heutige Tour: 7 Std. 40 Min und 1.080 m Aufstieg und 600 m Abstieg.

Der Mont Blanc vom Grand Balcon
Der Mont Blanc vom Grand Balcon
Foto: Dieter Paetsch

Nach dem einfachen franz. Frühstück ging es um 7.45 Uhr wieder bei blauem Himmel auf die gestrige Höhe von 2.479 m zurück und weiter zum „Col des Fours“, 2.665 m. Hier deponierten wir die ca. 9 kg schweren Rucksäcke und bestiegen weglos über Felsenbänder und an grasenden Steinböcken vorbei den angrenzenden Gipfel „Tête Nord des Fours“, mit 2.756 m die höchste erreichte Stelle „zu Fuß“ auf unserer „TMB“. Vom Gipfel hatten wir eine grandiose Rundsicht auf die schneebedeckten Viertausender. Zurück zum Paß und steil bergab in einem Tobel ging es entlang des Gebirgsbaches „Rau des Tufs“ nach „la Ville des Glaciers“, 1.790 m. Wir wanderten weiter am Hang entlang zum „Chalet des Mottets“, 1.870 m: Dieses sind mehrere aus Natursteinen neu im Aufbau befindliche Häuser zum Essen, Waschen/Duschen und Schlafen. Wir hatten Zimmer vorbestellt. Diese Etappe war knapp 5 Stunden lang und beinhaltete 390 m Aufstieg und 950 m Abstieg. Sonne, Reit-Esel und -Pferde, sowie gutes Abendessen mit anschließender Schifferklavier- Musik der Hüttenfamilie beendeten einen schönen Wandertag im Hochgebirge.

Die Strecke ist mit dem Namen „TMB“
Die Strecke ist mit dem Namen „TMB“ gekennzeichnet
Foto: Dieter Paetsch

Der nächste Morgen führte uns gleich lange bergauf zum „Col de la Seigne“, 2.516 m mit Blick auf die „Aiguille des Glaciers“, 3.816 m. An dieser Stelle verließen wir Frankreich und waren fortan in Italien. In einem baumlosen Hochtal wanderten wir hinrunter bis zum Refugio „Elisabetta Soldini“, 2.200 m auf der „Alp de la Lée Blanche“, an ihr vorbei weiter runter zum „Lac de Combal“, ca 2.000 m und immer weiter etwas mühselig auf der Teerstraße – entlang am Gebirgsbach „Dora di Veny“ - bis zur Raststelle „Chalet del Miage“, ca. 1.520 m mit der Bus-Endhaltestelle. Wir legten hier eine Rast ein. Mit dem Bus ging es dann weiter runter nach Courmayeur, 1.224 m und zu Fuß bis zur Seilbahnstation „Plan Chécroui“. Auffahrt zum 3-Sterne-Hotel „La Baita“, 1.705 m Höhe mit angenehmen Mehrbettzimmern. Tagesleistung: 6 Stunden mit 650 m Aufstieg und 900 m Abstieg und Bus- und Seilbahnfahrt.

Dieter am „Höhepunkt“ der TMB
Dieter am „Höhepunkt“ der TMB
Foto: Dieter Paetsch

Am 9. Weitwandertag sollte für uns der Höhepunkt der „TMB“ stattfinden: Wir wollten von dem italienischen „La Palud“, 1.370 m, in drei Seilbahn-Sektionen auf die Höhe von 3.462 m zur „Helbronner-Station“ fahren (kostet 23 €). Dabei stiegen wir im 2. Teilabschnitt 220 Stufen auf einer Gittertreppe zum „Rif. Torino“, 3.335 m hoch. Hier merkte man schon die dünnere Luft; wir kamen nur langsam voran. Leider war dieser Tag wolkenverhangen mit schlechter Sicht. Mit der franz. 3er-Kabinenbahn ging es anschließend über den „Glacier du Geant“ auf die Granitnadel „Aiguille du Midi“; Stationshöhe 3.795 m. Von dem Gletscher während der Seilbahn-Überfahrt (mit einigen Foto-Stopps) waren nur vage Risse und Spalten sichtbar. An der Bergstation konnte man über eine spektakuläre Gitterbrücke auf die nächste Felsnadel und einige Ausguck-Plattformen gelangen. Ein Fahrstuhl brachte uns auf die gigantische Höhe von 3.842 m mit Fernseh- und Funkturm (= höchste Station in den Alpen ).

Das Refuge la Flégère
Das Refuge la Flégère
Foto: Dieter Paetsch

Ca. 2 Stunden verharrten wir auf den Plattformen, um bei zwischenzeitlichen Wolkenlücken einen Blick auf den nahen 1000 Meter höheren Mont Blanc mit seinen Versallen zu erhaschen. In dem Gipfelrestaurant wurde ein wenig gespeist und dann auf der Chamonix-Seite mit der nächsten Seilbahn zur Zwischenstation „Plan de l’Aiguille“, 2.299 m abwärts gefahren (Kosten für die franz. Seilbahnen = 55 €). Von hier stiegen wir – beeindruckt von diesem „technischen Bauwerk“ – ab zum Refuge „Plan de l’Aiguille“ auf 2.203 m. In der schönen Unterkunft klang beim Abendessen, bei Wein und Dank an unseren Bergführer Georg diese „Spezial-TMB“ für uns aus. Alle hatten diese Bergprüfung ohne Verletzungen und Blessuren überstanden und waren sehr zufrieden.

Anmerkung: Die übliche TMB würde von der Talstation „La Palud“ auf ital. Gebiet bis zum „Col du Ferret“, 2.537 m weitergehen und dort auf die nördliche schweizer Schleife überwechseln. Vom „Col de la Forclaz“, 1.526 m führt sie wieder nach Frankreich und Chamonix zurück und schließt den Kreis. Die „normale TMB“ hat längere Tagesetappen mit größeren Höhendifferenzen.

Morgens, am 10. Tag, ging es nach dem Aufstieg zur Zwischenstation, mit der Seilbahn-Abfahrt endgültig runter nach Chamonix und mit dem Bus zurück zu den abgestellten PKW’s in Les Houches. Hier endete für uns 9 Senioren das unvergessliche Bergerlebnis, das man nur allen „Rüstigen“ weiterempfehlen kann.

Dieter Paetsch
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 27. Februar 2011