![]() |
Die Mannschaft
Foto:Birgit Lehmann |
Sieben Kletterer (Birgit Lehmann, Clemens Pischel, Gerhild Jüttner, Holger Blume, Klaus Steube, Olaf Schröder und Ronald Scheffler) waren diesmal auf der Frühlingskletterfahrt der Hochtourengruppe dabei. Ziel: Der Campingplatz in Puyloubier, wenige Kilometer östlich von Aix-en-Provence. Nach langer Anfahrt über Nacht kommen wir am späten Samstagvormittag an. Drei übernachten im Zelt, die anderen haben einen Wohncontainer gemietet. Das ist unsere Zentrale zum Kochen, Essen, Planen und Weintrinken mit genügend Platz für uns alle.
Schon am Nachmittag können wir die ersten Routen klettern. Der Fels ist gut, die Stimmung auch. Aber die Wegfindung! Olaf macht sich in dieser Woche als Pfadfinder verdient, indem er auch die verstecktesten Zustiege für uns erschließt. Trotzdem dauert es vom Parkplatz schon mal 1,5 Stunden bis zum Einstieg. Aber was für Zustiege! Bei milden Frühlingstemperaturen ständig der Duft von Rosmarin und Thymian. Blumen, Insekten, blauer Himmel.
![]() |
„Geht‘s da hoch?“
Foto:Birgit Lehmann |
Schon der nächste Tag ist zweigeteilt. Zunächst Klettergarten, dann im Anschluss ein durchaus anspruchsvoller ‚Wanderweg’ zum Gipfelgrat des Montagne St. Victoire und danach zurück zum Campingplatz, wo wir uns um 19.30 Uhr an die Resteverwertung der mitgebrachten Lebensmittelvorräte machen. Am Montag finden wir nach viel Suchen unser Klettergebiet, das uns viel Möglichkeit zum Üben gibt und spätnachmittags auf dem Weg in die Stadt auch noch einen Aldi und Lidl: Die Verpflegung für den Rest der Woche ist gesichert!
Abends essen wir gemeinsam im Zentrum von Aix-en-Provence und besichtigen die Innenstadt.
Auf einen Klettertag mit Eisessen folgt am Mittwoch ein echtes Highlight. Die Mehrseillängentour zum Croix de Provence, dem 19 m hohen Wahrzeichen des Montagne St.Victoire auf fast 1.000m Meereshöhe.
Eine Dreierseilschaft will den Südwestgrat, zwei Zweierseilschaften den Südostgrat angehen. Am Gipfel werden wir uns wieder treffen und gemeinsam absteigen.
![]() |
Ausstieg unter dem Gipfelkreuz
Foto:Birgit Lehmann |
Soweit die Planung. Die Praxis zeigt: schon das Finden des Einstiegs ist wohl das Schwierigste. Über eine Stunde suchen wir, bis endlich der Startpunkt ausgemacht ist. Kurze Zeit später stellt sich heraus: Am Südwestgrat bläst es dermaßen, dass Olaf beide Hände zum Festhalten braucht, an Klettern ist da gar nicht zu denken. Der Südostgrat liegt mehr im Windschatten, hier geht es. So beschließt also auch unsere Dreierseilschaft, in den Südostgrat einzusteigen. Eine feine Kletterei, nicht allzu schwer, mit durchaus luftigen Passagen erwartet uns.
Am Gipfelkreuz ist genügend Platz, um gemütlich auf die Ankunft aller Kletterer zu warten. Wunderschön ist es hier, ein Genuss. Dummerweise sortieren die ersten zwei Seilschaften trotz ausreichend Zeit („das machen wir heute Abend auf dem Campingplatz“) das Klettermaterial nicht. Abends die böse Überraschung: Ein brandneuer Friend samt Expresse hängt wohl noch in der letzten oder vorletzten Seillänge unter dem Gipfel. Bitter! Der nächste Tag wird deshalb getrennt angegangen: Birgit, Ronald und ich wandern zum Croix de Provonce um die Vortagsroute abzuseilen und den Friend zu bergen, was auch problemlos gelingt. Clemens, Gerhild, Klaus und Olaf klettern derweil ausgiebig im Klettergarten.
![]() |
Gipfelfoto
Foto:Birgit Lehmann |
Gerhild ist besonders von der ‚sexistischen Route’ „La pimprenelle et le pervers chevelu” beeindruckt; Übersetzt etwa: der kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) und der perverse Langhaarige. Im Französischen ist das Blümchen selbstverständlich weiblich! Freitag wollen wir noch einmal eine längere Tour unternehmen. Diesmal steigen wir alle von vornherein in dieselbe Route ein. Die größten Schwierigkeiten sind gleich zu Beginn, das ist angenehm. Viel zu schnell ist diese Kletterei zu Ende. Allgemeines Fazit: Das hätten ruhig noch ein paar Seillängen mehr sein können!
Auf dem sehr ausgesetzten Rückweg bestaunen wir die Biwakplätze unterhalb wirklich anspruchvoller Sportkletterrouten und wundern uns immer wieder, wie locker die Franzosen mit der Wegkennzeichnung umgehen. Ein kleines ‚difficile’ irgendwo in der Nähe des Parkplatzes kann durchaus bedeuten, dass dieser Wanderweg Kletterei im 2. bis 3. Grad erfordert. Das ist in Deutschland oder Österreich so nicht vorstellbar, ‚vive la surprise!’.
Mit dem Lied von Simon und Garfunkel ‚Scarborough Fair’, in dem ja auch Rosmarin und Thymian immer wieder besungen werden, im Ohr und dem Duft in der Nase, fahren wir ein letztes Mal zurück zum Campingplatz. Ein gemeinsames Abendessen mit französischem Wein lässt eine wirklich tolle Woche ausklingen.