Vom 6. bis zum 21. August besuchten 27 Mitglieder der Sektion Braunschweig und der Hochtourengruppe die Zentralschweiz. Unser Ziel war das Hotel Tiefenbach, nur wenige Kilometer östlich vom 2436m hohen Furka-Pass entfernt, und somit noch im Schweizer Kanton Uri. In den zwei Wochen wechselte natürlich oft die „Besetzung“, und so schwankte die Anzahl der Teilnehmer vor Ort zwischen elf und zwanzig Personen. Es ist schier unmöglich, alle unsere Unternehmungen hier im Braunschweig Alpin zu beschreiben. Klaus Steube und ich werden uns daher auf zwei Wochenzusammenfassungen beschränken. Clemens Pischel berichtet in einem separaten Bericht über die Tour am Salbitschijen-Südgrat und erzählt damit auch die Geschichte zum Titelfoto dieser Ausgabe des Braunschweig Alpin.
Was tut man, wenn man neu in ein alpines Gebiet kommt? Natürlich, man schaut sich erstmal um und gewinnt Orientierung. Die meisten Neuankömmlinge am Hotel Tiefenbach (2110m) folgten dem Tiefenbach in Richtung Albert-Heim-Hütte, manche überschritten auch den grasbewachsenen Schafberg (2591m) auf dem Rückweg und konnten sich so einen guten Eindruck über die Gipfelwelt am Furka-Pass machen. Liebe Leser, nutzen wir doch die Gelegenheit und stellen wir uns einmal das Panorama am Gipfelkreuz des Schafbergs vor. Blicken wir nach Südosten, so sehen wir einen gugelhupfartigen Gipfel, das Groß Muttenhorn. Kai Maluck führte hier mit seinen Schützlingen des Eiskurses eine Gipfeltour auf dem kleinen Muttgletscher durch. Links unterhalb liegt der lange Kamm des Stotzigen Firsten (2747m).
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Galenstock mit Bielenlücke
Foto: Klaus Steube |
Dieser eher unscheinbare Berg liegt direkt gegenüber vom Hotel Tiefenbach, die Abenteuer in seinen Heidelbeerhängen und sein mit Schusternagel gezierter Kamm wurden jedoch nur von drei Personen in Anspruch genommen! Den Blick weiter nach rechts wendend, erblicken wir die Passhöhe, viele Motorradfahrer und Autos sind hier unterwegs, dann wird die Landschaft dramatisch, unzählige Granitspitzen schwingen sich von West bis nach Nord auf. Schweizer Mineralsammler sind hier oft unterwegs, um Bergkristall zu suchen, und viele von uns fanden hier ihr persönliches Gipfelglück, auf dem Galenstock (3.586m), dem Herrscher des Furka-Passes, auf dem Kleinen Furkahorn (3.026m), dem Chli Bielenhorn (2.940m), zwar noch kein Dreitausender, aber mit den spektakulären Felsgebilden der Kamele in der Unteren Bielenlücke oder auf dem Lochberg (3.079m), einem Gipfel, der Ausblicke nach Norden zur Göschenen-Alp ermöglicht. Jetzt muss man sich nur noch vorstellen, dass hinter all diesen schroffen Granitgipfeln eines der größten Eisfelder der Alpen, der Rhonegletscher, liegt. Vier von uns haben eine tolle Hochtour zum Tieralplistock (3.383m) unternommen, vorbei an einem schaurigen Gletscherbruch.
Jetzt sind wir eigentlich fast fertig, doch wir sollten noch einmal nach Süden schauen. Am Ende des Tales der Wittwasseren-Reuss liegt Oberstafel, ein Depot der Schweizer Armee. Einige von uns schauten sich hier den Rongger- Grat mit seinen alten Militärstellungen an, um dann durch unendliches Blockgeröll zurückzuwandern. Am Ende gab es noch eine Dichtigkeitskontrolle der Bergstiefel beim Furten durch einen Gletscherfluss.
Mit diesem Rundblick vom Schafberg schließe ich die Zusammenfassung der ersten Woche und übergebe die Schreibfeder an Klaus!
Mit dem Wochenende trafen weitere Mitglieder der HTG ein, andere verließen die gastliche Herberge, um entweder in die Heimat oder andere Bergziele anzusteuern. Die Gruppe schrumpfte um etwa die Hälfte mit nun einem homogeneren „Kennen und Können“ als in der ersten Woche – einige durch viele gemeinsame Bergerlebnisse mit Seil und Freundschaft verbunden. Die wenigen „Neueinsteiger“ wurden ohne lange und kritische Diskussionen in alle Unternehmungen gut integriert.
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Sidelenhütte mit Groß Bielenhorn
Foto: Klaus Steube |
So starteten am Sonntag gleich zwei Teams in die Kletterrouten am Kleinen Furkahorn (Westwandplatten, zw. 3 und 5a), während andere zum Eingewöhnen das Groß Muttenhorn angingen – aber gleich die Überschreitung: über den Gletscher und (Nord)westgrat hinauf und den Nordgrat wieder hinunter. Eine vierte Gruppe wanderte via Sidelenhütte den „Nepali-Highway“ zur Albert-Heim Hütte und staunte über die sauberen (!) Füße einer barfußgehenden Wanderin, die mit ihrem schweren Rucksack zwischen den Schafskötteln des Saumpfades balancierte.
Der folgende Montag brachte uns – regenbedingt – eine erholsame Talwanderung, deren einziger Höhepunkt die Besteigung einer ca. 500 Jahre alten Lärche darstellte.
Mit der Besteigung des Tiefenstocks gelang einigen von uns die vermutlich schwierigste Hochtour der Gruppenfahrt: über den Tiefengletscher, durch ein felsiges Couloir auf den Südgrat und über diesen zum Gipfel. Eine der Schwierigkeiten war – trotz GPS - den Anstieg auf besagten Grat zu finden (welches schließlich im Abstieg gelang), eine andere, den „falschen“ Grataufstieg zu bewältigen und danach auf dem brüchigen Grat den besten „Weg“ zu finden. Ziemlich spät, mit immer noch erhöhtem Adrenalinspiegel und um einige Erfahrungen reicher, kamen alle wohlbehalten zum Hotel Tiefenbach zurück. Ähnlich unterschätzt hatten Lars Hirsekorn und ich die Überschreitung des Groß Bielenhorns (durch die obere Bielenhornlücke), eine Tour, die uns tags darauf auch erst in der Dämmerung zurückkehren ließ.
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Türme des Schildkrötengrates
Foto: Klaus Steube |
Der Ausklang der Woche bildete eine nochmalige Besteigung des Galenstockes, problemlos für unserer Anfänger, aber mit einer Bänderdehnung für unseren Ronald: Das Aus für die weiteren 4000er Ambitionen im Anschluss an die Furkafahrt. Weiterhin die dritte Begehung des Schildkrötengrates (sehr schön) und die erste Begehung des Strahlengrates (weniger schön), der Besuch des Klettergartens, ein Alleingang auf das Kleine Furkahorn und schließlich die Kletterei auf den Salbitschijen über den Südgrat durch unsere zur Zeit stärksten Alpinkletterer Jens Poggemann und Clemens Pischel.
Zu Ende war das „Unternehmen Furka“ als Jens Köhler und ich zu Hause eintrafen und wir uns glücklich und dankbar über das gute Gelingen zurücklehnen konnten, nach all den aufwändigen Vorbereitungen, den Spannungen vor Ort und ständig „begleitet“ von den Bildern des schrecklichen Unfalltodes im Februar diesen Jahres. Wir hoffen Marion hat uns „zugesehen.“