Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2011
Jugendreferat

Jugendbergwoche

auf der Braunschweiger Hütte, 2759 Meter

Vorwort

Nach langer Zeit fährt wieder einmal eine Gruppe junger Braunschweiger KlettererInnen zur gleichnamigen Hütte. Für fast alle ist es das erste Mal Kontakt mit den Bergen, für alle mit Fels und Eis. Wie mag das wohl werden? Es wurde...na, nass. Und kalt. Denn wir hatten das schlechteste Wetter des ganzen Sommers erwischt. Erstaunlicherweise war die Stimmung trotzdem prima. Keiner musste lange vor die Hüttentür gebeten werden, und zum Schluss war es eine runde Bergwoche mit immerhin zwei über 3000 Meter hohen Gipfeln und vielen Erlebnissen rund um die bunte Wunderwelt der weißen ...und nassen...Berge.

Aber lest selbst:

die hütte
die huette
Foto: Axel Hake

Sonntag, 24.7.2011
Hüttenaufstieg

Nach der Autofahrt vom Bodensee (wo wir übernachtet und ein Musikfestival am See besucht hatten) bis ins Pitztal erreichten wir endlich den Gepäcklift der Braunschweiger Hütte. Während des Aufstiegs amüsierten wir uns über eine Schulklasse, die sich mit Turnschuhen an den Aufstieg wagte (obwohl 20cm Schnee lagen). Den restlichen Tag brachten wir damit zu, unser gemütliches aber in Sachen Platz und Stauraum recht minimalistisch ausgestattetes Zimmer zu beziehen und im Wirtschaftsraum Kaffee zu trinken. Das Abendessen fiel sowohl quantitativ als auch qualitativ sehr gut aus. Wir wollten am nächsten Morgen früh aufstehen, also kam uns die Hüttenruhe um 22:00 Uhr recht gelegen.

Leon Ottmers und Lukas Koch

wir auf dem polleskogel
wir auf dem polleskogel
Foto: Axel Hake

Montag, 25.7.2011
Der erste Dreitausender

Nach dem Frühstück wanderten wir bei nebeligem Wetter auf den Polleskogel, 3025m. Das sonst einfachere letzte Stück des Weges gestaltete sich wegen Schnee und Eis schwieriger als erwartet. Von der nicht vorhandenen Aussicht ließen wir uns die gute Laune nicht verderben. Oben angekommen, begrüßten wir uns mit einem kurzen „Berg Heil“ und machten uns ohne längere Rast wieder an den Abstieg. An der Hütte stärkten wir uns kurz und machten uns zunächst widerwillig auf den Weg zum Gletscher, um das Klettern im Eis auszuprobieren und eine kleine Gletscherhöhle zu erkunden. Außerdem übten wir noch das Setzen von Eisschrauben und seilten in eine kleine Gletscherspalte ab. Heute war das Abendessen weniger begeisternd, dies sollte aber das erste und letzte Mal sein. In die Betten gingen wir letztlich aber doch einigermaßen gesättigt.

Lukas Koch und Leon Ottmers

 

auf dem weg zum linken fernerkogel
auf dem weg zum linken fernerkogel
Foto: Axel Hake

Dienstag, 26.07.2011
Der Linke Fernerkogel, 3273m

Da wir etwas spät losgegangen sind und die Sonne schien, war der Schnee schon etwas feucht. Aneinander gebunden marschierten wir langsam über den Gletscher aufwärts. Dass wir im Schnee T-Shirts tragen würden, hätte ich eigentlich nicht gedacht, aber es war wirklich ziemlich heiß. Die Sonnenstrahlen wurden vom Schnee reflektiert und so bekamen manche an den ungewöhnlichsten Stellen Sonnenbrände (unter der Nase …). Auch musste man eine Sonnenbrille tragen.

Auf dem Linken Fernerkogel angekommen, saßen wir am Kreuz, redeten, machten Fotos, tauschten Snacks aus und konnten sogar noch sehen, wie eine andere Gruppe Spaltenbergung übte. Kopfschmerzen konnte man wegen der dünnen Luft aber auch kriegen. Der Rückweg ging um einiges schneller, obwohl man ab und zu einmal anhalten musste, weil jeder mindestens zweimal hinfiel. Auch traten manche Löcher in den Schnee, die irgendwie keinen Grund hatten, aber in eine Spalte fiel keiner. Dafür konnten wir uns an einem kleinen Spalten-Parcours erfreuen, den Axel für uns ausgesucht hatte.

Gerade noch rechtzeitig zum Abendessen kamen wir in der Hütte an und aßen Schnitzel (über die sich Robert Rurkowski und sein Eiskurs, der zu spät zum Essen kam, auch noch freute).

Charlotte Lisney

 

marika und lotti seilen im klettergarten ab
marika und lotti seilen im klettergarten ab
Foto: Axel Hake

Mittwoch, 27.07.2011
Klettergarten

Heute waren wir im etwa 15 Minuten entfernten Klettergarten. Dort sind wir am Felsen geklettert, bis es angefangen hat zu regnen und wir haben zusammengepackt. Das Wetter wurde aber schnell wieder besser und wir sind doch noch dort geblieben. Zum Klettern hatte aber niemand mehr wirklich Lust, also haben wir uns dort einen schönen Tag gemacht. Später sind wir dann zurückgegangen und haben lecker gegessen.

Marika Koch

lotti bei der trockenuebung
lotti bei der trockenuebung
Foto: Axel Hake

Samstag, 28.07.2011
Gletscherbergungstraining

Da das Wetter kalt und nass war, haben wir mit dem Training in der Hütte begonnen. Wir haben das Prusiken kennengelernt und an einem Dachbalken geübt.

Später haben wir eine andere Technik (die lose Rolle) vor der Hütte trainiert. Auch als das Wetter sich am späten Nachmittag nicht gebessert hatte, sind wir zum Gletscher gewandert und im Eis geklettert. Lukas konnte nicht mit, da er seinen Fuß verletzt hatte. Nach einiger Zeit war uns allen kalt und wir konnten uns auf das warme Essen in der Braunschweiger Hütte freuen.

Jan Michel Metzger

 

auf dem weg zur biwakschachtel
auf dem weg zur biwakschachtel
Foto: Axel Hake

Freitag, 28.07.2011
Auf dem Weg zur Biwakschachtel

Am vorletzten Tag in der Braunschweiger Hütte machten wir uns auf den Weg zur Biwakschachtel auf dem Wassertalkogel, 3252m. Nach etwa 2 Kilometern gab es die erste Pause. Schon nach ein paar Gipfeln fing es an zu regnen. Wir suchten uns eine Spalte, in der wir Pause machen konnten. Nach ein bisschen Geschwatze ging es weiter. Wir gingen noch ein Stück und schon verzog sich der Nebel. Dadurch bekamen wir einen guten Blick auf die wunderschöne schroffe Berglandschaft. Wir konnten alles sehen und bekamen wieder gute Laune. Einige wollten zurück, und so entschieden wir uns: Lukas ging mit Axel weiter bis zum Wilden Mannl und wir gingen mit Roman zurück zur Hütte.

Moritz Stadel

abstieg auf dem klettersteig
abstieg auf dem klettersteig
Foto: Axel Hake

Samstag, 29.07.2011
Abstieg und Klettersteig

Schwupps, ist die Woche um. Schade, schon müssen wir wieder packen und absteigen. Den Gepäcktransport übernimmt der Lift und wir haben den Rücken und die Hände frei, um vom Hüttenweg abzuzweigen und uns die gerade neugebauten Klettersteige am Ende des Pitztales anzuschauen. Da wir von oben kommen, sehen wir nicht, welchen Steig wir da absteigen wollen... Flach fängt es an, doch schon nach wenigen Metern geht es um eine Ecke, wird immer steiler und dann fällt das Drahtseil senkrecht in die Tiefe. Normalerweise belächle ich gesicherte Steige immer ein bisschen, aber dieser macht echt Spaß. Und festhalten muss man sich auch, zwar nicht am Fels, sondern am Seil, aber Klettern ist es trotzdem. Weiter unten machen wir einen Abstecher über die Seilbrücke, die über den reißenden Gletscherfluss gespannt ist, der den gar nicht mehr ewigen Schnee des Mittelbergferners zu Tal rauschen lässt. Dann wandern wir, natürlich im Regen, an Blumen und Kühen vorbei zurück zur Talstation und zum Auto, das uns zurück in die Stadt bringen wird, die den Namen der Hütte trägt, und andersherum auch.

Axel Hake
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. November 2011