Sektion Braunschweig
 
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2011
Hochtourengruppe

Der Salbitschijen - Südgrat

Schönster Klettergrat in den Zentralalpen

Clemens auf der Salbitnadel
Clemens auf der Salbitnadel
Foto: Jens Poggemann

Jens Poggemann und ich hatten nach einigen Gipfeln im Furkagebiet noch einen Klassiker der Gratkletterei im benachbarten Göschenental im Kopf: den Salbitschijen Südgrat. Die Bedingungen waren sehr gut. So beschlossen wir am Donnerstag diese Route zu durchsteigen. Am Vortag sind wir zur Salbithütte auf 2.105m Höhe aufgestiegen und weiter zum Erkunden des Einstiegs.

Diesen haben wir nicht direkt gefunden, dafür ersten Kontakt mit dem Fels aufgenommen mit der Besteigung des Salbitzahns in einer Variante namens „Takala“. Die Salbithütte war voll belegt. Wir erhielten gerade noch ein Lager auf dem Kriechboden der Hütte. So verbrachten wir eine ziemlich beengte und unruhige Nacht, die für uns um 4:45 Uhr endete. Wir machten uns um 5:30 Uhr als vorletzte Seilschaft auf den Weg. Nach ungefähr anderthalb Stunden waren wir am Einstieg der Normalroute. Natürlich waren wir nicht allein, was bei diesen Bedingungen nicht verwunderlich ist. Wir hatten beim Einsteigen eine Seilschaft vor uns und mindestens drei hinter uns gehabt. Es war ein Klettern im besten Granit.

Die Schwierigkeiten bewegten sich von 3+ bis zu 5c+. Trotz viel begangener Routen ist der Fels nicht abgespeckt, sondern sehr griffig. Man klettert ca. 16 Seillängen und muss mehrmals von Felstürmen abseilen. Insgesamt ist die Tour mit Bohrhaken, einigen Normalhaken und Standplätzen gut abgesichert. Klemmkeile, Friends und Schlingen zur zusätzlichen Sicherung sind trotzdem sehr nützlich. Denn wir hatten auch einen Verhauer und sind in eine wahrscheinlich alte Variante der Route geraten. Es musste aber so oder so wieder vom Turm abgeseilt werden, was von unserer Position über zwei mit Schlingen verbundenen Normalhaken ziemlich problemlos war. Zwischendurch hatten wir die führende Seilschaft überholt und waren so um 13:30 Uhr auch als erste am Ausstieg. Nachdem wir ein einigermaßen bequemes Plätzchen gefunden hatten, machten wir eine ausgedehnte Pause, genossen die Aussicht und schauten den nachfolgenden Seilschaften zu. Wir bemerkten, dass die anderen noch ein Stück am Gipfel weitergingen zur sogenannten Salbitnadel. Diese war vom Ausstieg aus nicht zu sehen, wir hielten eine andere Spitze für die Nadel. Neugierig gingen wir den anderen nach und beobachteten sie beim Erklimmen der ca. 12m hohen Salbitnadel. Das sah recht spektakulär, aber nicht besonders schwer aus, obwohl in manchen Beschreibungen mit Schwierigkeit 6- bewertet. Wir hatten eigentlich schon die Bergschuhe für den Abstieg angeschnürt, dann aber wieder die Schuhe gewechselt um es selbst zu probieren.

Jens am Ausstieg des Salbitschijen Südgrats
Jens am Ausstieg des Salbitschijen Südgrats
Foto: Clemens Pischel

Zu klettern war es auch nicht wirklich schwer. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es nur eine 4b war. Es war mehr die viele Luft unter dem Hintern. Zwischen der letzten Sicherung und der Spitze lagen ca. 8m. Dazwischen liegen ein beherzter großer Schritt und einige Meter in Piaz-Technik. Oben ist für maximal zwei Leute Platz. Nicht besonders bequem, aber es geht. Auf der Spitze ist ein Ring zum Sichern und zum luftigen, überhängenden Abseilen. Anschließend war der Eintrag in das Gipfelbuch für erreichte 2.981 Höhenmeter fällig. Durch das lange Zusehen und Warten an der Nadel sind wir um 15.30 Uhr die letzte Seilschaft gewesen, die an diesem Tag wieder vom Gipfel abstieg. Wir hatten für diesen Tag aber noch ein besonderes Ziel. Deshalb stiegen wir nicht einen der üblichen Wege ab. Wir entschieden uns für einen weniger begangenen Weg Richtung Südwesten. Diese Variante war zwar im Clubführer beschrieben, es war aber nirgendwo ein durchgehender Abstiegsweg zu entdecken.

Die berühmte Salbitbrücke
Die berühmte Salbitbrücke
Foto: Clemens Pischel

Wir kletterten viele Passagen ab, an manchen Stellen konnten wir abseilen, dann ging es über steile Grashänge hinunter oder über großes Geröll. Letztendlich erreichten wir nach über drei Stunden Abstieg unser letztes Highlight, die Salbitbrücke unterhalb von den Salbit-Granittürmen. Wir überquerten dieses 90m lange Bauwerk in der Abendsonne mit großartigem Blick in rund 100m Tiefe. Die Brücke ist die Verbindung zwischen der Voralb- und Salbithütte, wodurch eine neue, spektakuläre Wanderroute entstanden ist. Nun ging es auf normalen Wegen zurück zur Salbithütte, wo wir unsere zurückgelassenen Sachen verstauten, uns noch eine Apfelschorle gönnten und uns schleunigst auf den Weg nach unten zum Auto begaben. Denn in der Ferne hörten wir es schon grollen.Trotz zügigen Marschierens konnten wir nicht verhindern, dass uns zehn Minuten vor Erreichen des Parkplatzes noch ein Gewitterschauer erwischte.

Mittlerweile war es auch schon dunkel geworden. Wir wussten, dass wir in Tiefenbach nichts mehr zu essen bekämen und so machten wir einen Abstecher nach Andermatt zum Italiener. Nachdem wir uns dort auf der Toilette frisch gemacht haben und zumindest teilweise frische Wäsche anlegen konnten, genossen wir das Abendessen. Um 22:45 Uhr erreichten wir dann Tiefenbach, wo wir auf einige noch für den nächsten Tag planende Teilnehmer trafen. Wir nahmen eine Spätdusche und gingen sehr zufrieden auf unser Lager.

Clemens Pischel
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. November 2011