Sektion Braunschweig
mehrspaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2012

Die Harzer Wandernadel

Eine zufällige Endeckung bei einer Wanderung über die Teufelsmauer bei Blankenburg am 5. Juni 2006 löste bei uns eine jahrelange Sammel-Leidenschaft aus. Es war am Gasthaus „Zum Großvater“, wo wir auf diesen ersten mysteriösen Holzkasten mit nummeriertem Stempel stießen. Gleich besorgten wir uns das dazugehörige Stempelheft im Gasthaus, noch nicht ahnend, was auf uns zukommen würde.

Auf unserem Weiterweg fanden wir noch fünf Stempel bis zum „Helsunger Krug“ über das Hamburger Wappen, so dass wir schon einen guten Grundstock zusammen hatten.

Einmal „Blut geleckt“ verbanden wir das Angenehme mit dem Nützlichen, wobei man sich fragt, was daran nützlich sein sollte. Auf jeden Fall ist es die Möglichkeit, den Harz von Nord nach Süd und von Ost nach West nahezu flächendeckend kennenzulernen.

Da wir leidenschaftliche Wanderer sind und dabei möglichst neue Winkel entdecken wollen, brauchten wir uns in den folgenden Jahren über die Ziele keinen Kopf zu zerbrechen. Sie sind auf einer speziellen Karte mit Nummern vorgegeben. Erst waren es „nur“ 155, im Jahr 2008 wurden sie auf 222 Stempelstellen aufgestockt. Ein 3-teiliger Kartensatz ist nun erforderlich.

Stempeln
Stempeln
Foto: Helmut Kähler

Nun gehören wir nicht zu den Experten-Wanderern wie der Brocken-Benno oder Andere, die alle Stempelstellen in einem Jahr abliefen, um möglichst der erste Kaiser zu sein. Schließlich besteht unser Leben noch aus anderen Beschäftigungen und Pflichten. Aber so ein-bis zweimal pro Woche waren wir gezielt im Harz zu Fuß und auf Ski unterwegs, um auf einer Rundtour möglichst viele Standorte aufzusuchen. Weil er kürzer und leichter zu erreichen war, grasten wir zuerst den nordöstlichen Teil ab. Aber dann wurde es schon schwieriger und zeitaufwändiger, in den südlichen Regionen zwischen Dankerode und Osterode untewegs zu sein. Da lohnte es sich, einige Tage vor Ort zu bleiben.

Es gab viel zu entdecken und manches erst nach mehreren Anläufen zu finden. Wer kennt schon den Glockenstein, den Roten Schuss oder die Prinzenlaube? Bis in den nördlichen Zipfel Thüringens reicht das Betätigungsfeld.

Urkunde
Die begehrte Urkunde

Lustig war es manchmal, wenn wir zielstrebigen Gleichgesinnten begegneten, aber keiner dem anderen den nicht ausgewiesenen Abzweig verriet. Mit der Beschilderung war es nämlich oftmals ein Problem, gar nicht eindeutig und in die Irre führend. Zum Glück gab es manchmal hilfreiche mit Filzschreiber hinzugefügte Hinweise an den Tafeln von netten Vorgängern. Aber es waren auch Souvenir-Jäger oder Vandalen unterwegs, die Stempel oder nur die Gummiauflagen mitnahmen. Dann konnte man die im Kasten befindliche Identifikationsnummer zum Nachweis eintragen und möglichst der Zentrale das Fehlen melden.

Den Aufwand für die Herstellung der Kästen und die geeignete Aufstellung an meistens entlegenen Stellen ist bemerkenswert und zu würdigen. Ohne die kommunale Beschäftigungsagentur Wernigerode und einigen Sponsoren wäre dieses Projekt nicht zu realisieren gewesen.

Im Dezember 2011 war es dann für uns endlich so weit. Unsere Stempelbücher waren gefüllt, und wir konnten unsere Urkunden und Abzeichen gegen eine Gebühr von je 39,- € entgegen nehmen. Wie viele Kilometer sind wir dafür gelaufen und wie viele Kilometer gefahren! Rechnet man im Schnitt 4 km für einen Stempel, dann wären es 888 km zu Fuß. Aber wohin wandern wir in diesem Jahr? Welche Ziele gibt es noch? Wir werden sehen.

Wer mehr über die „Harzer Wandernadel“- Aktion wissen möchte, erfährt alles auf der Homepage www.harzer-wandernadel.de und Wikipedia.

Brigitte Kähler-Bock, Helmut Kähler
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 10. Juni 2012