Sektion Braunschweig

Landesverband Nord des DAV - Referat Bergsport und Naturschutz

Vogelschutz 2017: Befristete Sperrungen

Sperrschild

Das Frühjahr naht und auch in diesem Jahr sind wieder Felsbereiche in Niedersachsen zum Schutz von Uhu- und Wanderfalkenbruten temporär gesperrt.

Sperrungen in den meistbesuchten Gebieten ab 01.02.2017:

Weserbergland:

Auch hier wird es 2017 wieder mehrere Uhubruten geben. Wir verzichten zunächst darauf, die Brutfelsen einzeln zu benennen und/oder vor Ort abzusperren. Bitte gefährdet nicht die Uhubruten und die Verhandlungsergebnisse dort und beachtet unbedingt die bestehende Sperrungen!

Die Ziffern hinter den Felsnamen entsprechen der Nummerierung im aktuellen Kletterführer von Grage/ Grage/ Brunnert.

Harz:

Die Sperrungen sind temporär und variabel, teilweise können wir vorzeitig entsperren, es können aber auch kurzfristig Sperrungen hinzukommen. Informiert Euch bitte vor dem Klettern auf der Internetseite der IG-Klettern-Niedersachsen („Sperrungen / temporär“).

Generell bestehen die Sperrungen wegen Vogelbrut vom 01.02. bis 31.07. Werden Bereiche bereits vorher zum Klettern freigegeben, werden wir Euch hier über entsperrte Bereiche informieren.

Wir bitten Euch, die gesperrten und genannten Bereiche nicht zu betreten und alles zu unterlassen, was die Brut und Aufzucht der streng geschützten Tiere stören kann. Informiert auch andere über die bestehenden Sperrungen und habt keine Scheu, Leute vor Ort darauf anzusprechen!

Liste der temporär gesperrten Felsen in Niedersachsen:

Diese Tabelle entspricht dem Stand von Januar 2017. Der aktuelle Status ist auf der Seite der IG Klettern Niedersachsen dokumentiert.

KlettergebietFelsenAktueller Status
  Stand: Januar 2017
Süntel  
PötzenPötzener Steinbruch - Ostbastiongesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Ith  
LüerdissenGrüner Turm bis Kullerkopfgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
HolzenBaumschulenwand, Verschneidungswand, Drachenwand, Däumlingswandgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Reuberg  
GerzenGerzener Steinbruchgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Thüster Berg  
KansteinGran Odla bis Mittagsfelsgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Marienhagen (Nord)Oberer Steinbruch - Weiße Wand, Unterer Steinbruchgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Duinger Berg  
Brunkensen (Nord)Brunkenser Steinbruchgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Selter  
Fredener Klippen (Nord)Aschestein bis Gelbes Dachgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Harz  
InnerstetalLaddecken-Steinbruchgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
OkertalRabowklippe, Scheckenkopfgruppe - Alle Felsen, Uhuklippe, Treppenstein - Nordwand und Ostwandgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
EckertalHausmannsklippengesperrt 01. Februar bis 31. Juli
WurmbergWurmberg-Steinbruchgesperrt 01. Februar bis 31. Juli
Südharz  
ScharzfeldBurgruine Scharzfeldoffen
Solling  
HardegsenHünscheburgzur Zeit Kletterverzicht
Göttinger Wald  
EbergötzenKlappenhauwandzur Zeit Kletterverzicht
EbergötzenPapierbergwandzur Zeit Kletterverzicht
GartetalPattentalwandzur Zeit Kletterverzicht
ReiffenhausenSchachtelwand, Zyklopenwand, Scholle, Kapitellgesperrt 01. Februar bis 31. Juli

Uhu und Wanderfalke an den Felsen in Niedersachsen

Wanderfalke

Wanderfalken und Uhus sind beeindruckende Vögel. Während der etwa 40-50 cm große Wanderfalke tagsüber am Ith und im Okertal über den Baumkronen und Felsköpfen seine Flugmanöver übt und auf Beutejagd geht, verschläft der mit bis zu 180 cm Flügelspannweite größte Eulenvogel Mitteleuropas den Tag tief im Wald verborgen.

Dass beide wieder an den Felsen von Harz, Weser- und Leinebergland brüten, kann uns freuen, denn sie galten in Niedersachsen zur Mitte des vorigen Jahrhunderts als ausgestorben. Ursache war der übermäßige Einsatz von Pestiziden, vor allem von DDT in der Landwirtschaft, das sich über die Nahrung (Mäuse beim Uhu und Vögel wie Tauben, Stare, Drosseln beim Wanderfalken) in den großen Greifvögeln anreicherte.

1972 wurde das Ausbringen von DDT in der Bundesrepublik verboten und in der Folge erholte sich der Bestand der Tiere durch Einwanderung aus anderen Landesteilen und gezielte Auswilderungsaktionen. Die heute in Niedersachsen vorkommenden Uhus und Wanderfalken haben also einen Migrationshintergrund.

Der Bestand hat sich heute auf einem erfreulich hohen Niveau stabilisiert, so dass der Uhu in Niedersachsen mit 130 Brutpaaren nicht mehr als gefährdete Art gilt. Der Wanderfalke mit landesweit etwa 90 Brutpaaren ist in der aktuellen Roten Liste der Brutvögel als gefährdet eingestuft.

Während in der übrigen Jahreszeit Uhu und Wanderfalke gut mit Menschen an den Felsen auskommen, reagieren die Vögel zur Brutzeit im Frühjahr sehr empfindlich auf Störungen des Brutplatzes und des Umfeldes. Schon geringe Irritationen können zum Aufgabe der Gelege mit 2 bis 4 Eiern führen. Daher ist der Schutz der Brutplätze besonders wichtig, damit der Bestand stabil bleibt. Weitere Faktoren für den Bruterfolg sind neben Störungen durch Wanderer oder Kletterer auch solche durch Kleinräuber (Marder und Waschbären), Verdrängung der Falken durch den größeren Uhu, das Nahrungsangebot und die Witterung.

Uhu und Wanderfalke sind durch das Bundesnaturschutzgesetz und die Europäische Vogelschutzrichtlinie streng geschützt. In Niedersachsen sind die Landkreise für die Umsetzung des Naturschutzes zuständig. Die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise legen die Schutzmaßnahmen fest. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Vogelschützern der Staatlichen Vogelschutzwarte, die dem Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz angegliedert ist.

In unseren Klettergebieten haben Kletterer von DAV und IG Klettern auch Aufgaben im Vogelschutz übernommen. Er ist neben Wegeinstandhaltung, Hakensanierung und Biotoppflege ein wichtiger Teil unserer Gebietsbetreuung. Vogelschützer von DAV und IG setzen die Schutzmaßnahmen um, verbessern potenzielle Brutplätze, Errichten Absperrungen und überwachen den Bruterfolg. Das bedeutet eine Menge Arbeit, viele Vor-Ort-Termine und Kommunikationsaufwand.

Der Lohn der Arbeit ist eine vertrauensvolle Kooperation von Naturschutzbehörden, Naturschutzverbänden und Kletterern. Dies ermöglicht, dass nach Beendigung der Brut die Felsen noch vor Ende der halbjährlichen Sperrfrist am 31.07. jeden Jahres wieder für das Klettern frei gegeben werden können.

Daher haben wir alle ein Interesse daran, dass die Sperrungen eingehalten werden und Uhu und Wanderfalke sich an den Felsen zahlreich vermehren! Wir sind zu Gast an den Felsen. Pflanzen und Tiere leben dort aber das ganze Jahr und sind auf unsere Einsicht und Rücksicht angewiesen. Und es macht die Felsen auch für uns um eine Dimension reizvoller, wenn nebenan seltene Pflanzen und Tiere gedeihen.

Falls Du Interesse an der aktiven Naturschutzarbeit im DAV zum Erhalt unserer Klettergebiete hast, wende Dich an den Naturschutzreferenten Deiner Sektion.

Wir freuen uns auf Dich!

Axel Hake
Referent für Bergsport und Naturschutz
Deutscher Alpenverein - Landesverband Nord für Bergsport e.V.

Mail axelhake.dav-nord@gmx.de

Weitere Infos

Wanderfalke:

Schutzstatus national nach Bundesnaturschutzgesetz §44 Abs. 1. Nr. 1-4. bzw. §7 Abs. 2 Nr. 13, 14 nach den entsprechenden Anhängen der EWG Vogelschutzrichtlinie.

Der Wanderfalke wird bis zu 40-50cm groß und etwas über 1kg schwer. Er ernährt sich überwiegend von Vögeln (Tauben, Drosseln, Stare usw.). Er brütet hauptsächlich in Felsnischen und -Höhlen, an und auf Gebäuden. In anderen Bundesländern kommen auch Braumbruten vor.

Der Bestand hat sich nach zeitweiligem Aussterben in Niedersachsen seit den 1970er Jahren mit inzwischen ca. 69 Brutpaaren soweit erholt, das der Erhaltungszustand der Art als günstig eingestuft wird. Er ist in der aktuellen roten Liste in Niedersachsen (Stand 2015) als 3 - gefährdet - geführt, in der vorhergehenden Liste von 2007 noch 2 = stark gefährdet (weitere Kategorien: 0 = ausgestorben, 1 = vom Aussterben bedroht, R = extrem selten, G = Gefährdung anzunehmen).

Uhu:

Schutzstatus national nach Bundesnaturschutzgesetz §§44 Abs. 1. Nr. 1-4. bzw. §7 Abs. 2 Nr. 13, 14 nach den entsprechenden Anhängen der EWG Vogelschutzrichtlinie.

Maximal 70cm groß, 180cm Flügelspannweite, nachtaktiv. Nahrungsopportunist (Mäuse, Igel, Vögel usw.). In Niedersachsen vor allem Felsbrüter, wo Felsen fehlen, kommen auch Baum- und Bodenbruten vor.

Der Uhu war in Niedersachsen zeitweilig ausgestorben, der heutige Bestand ist weitgehend stabil mit leichter Erholung, so dass er in der aktuellen roten Liste in Niedersachsen (Stand 2015) nicht mehr geführt ist, 2007 war er noch als 3 - gefährdet - eingestuft.

Veröffentlichungen:

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 9. Februar 2017