DAV Klimaschutzkonzept

Das Hauptthema auf der Jahreshauptversammlung (JHV) am 29./30.10.2021 in Friedrichshafen war das Klimaschutzkonzept.

Über den Inhalt des Klimaschutzkonzeptes sind unsere Mitglieder im Vorfeld in „BS-Alpin“ 2/21 in 2 Beiträgen sowie einem zusätzlichen Hinweis über den „AlpinKompass“ informiert worden. Auf einer Vorstands- und einer Vorstands- und Beiratssitzung sowie in einer digitalen Diskussionsrunde wurden die Punkte des Konzeptes diskutiert. Als vertretbarer gemeinsamer Standpunkt waren sich die Gremien einig, eine Bestandserhebung der Sektionsdaten durchzuführen, aber einer Festlegung auf ein Klimaschutzbudget (Rücklagen, Kompensation), ohne Kenntnis von anfallenden Kosten und von Reduzierungsansätzen, derzeit nicht zuzustimmen.

Das Konzept ist auf der JHV nochmals dargestellt und, wie im Folgenden beschrieben, präzisiert worden. Die Strategie zu der „Klimaneutralität“ soll in den Schritten „vermeiden vor reduzieren vor kompensieren“ erreicht werden und ist letztendlich von der Mitgliederversammlung mit 86 % Stimmanteilen angenommen worden.

Klimaschutzkonzept

1. Schritt

Im Jahr 2022 erfolgt in möglichst allen Sektionen eine exakte Bestandsaufnahme über den angefallenen CO2-Ausstoß. Die Umsetzung erfolgt durch eine Klimaschutzkoordinatorin oder einen -koordinator, deren Aufgabe es ist, die Emissionsbilanzierung und die Entwicklung von Umsetzungsprogrammen aufzustellen.

Die Bestandsaufnahme umfasst die Gebiete Kletterhallen, Alpenvereinshütten, Kletterwand, Geschäftsstelle etc., aber auch alle Gruppenaktivitäten wie Ausfahrten, Gruppenabende, Gruppen-, Vorstands- und Beiratssitzungen etc. mit den jeweiligen An- und Abfahrtemissionen sind einzubeziehen.

Nach den Erfahrungen der Pilotsektionen wird ein Zeitaufwand für die Bestandserhebung von > 160 h sowie ein Team von 4 - 5 Mitgliedern unter intensiver Mitarbeit aller Gruppen- und Referatsleiter notwendig sein. Eine entsprechende Software steht voraussichtlich nicht vor Ostern zur Verfügung. Grundsätzlich ist nicht geklärt, ob die ermittelten Daten lokal, zentral im DAV oder extern gespeichert werden.

2. Schritt

Für die Jahre 2023 und 2024 wird ein DAV-interner CO2-Preis auf selbst verursachte Treibhausgasemissionen in Höhe von 90 €/t CO2 eingeführt. Für 2025 und 2026 wird der CO2-Preis auf 140 €/t erhöht. Danach wird er neu, wahrscheinlich nochmal erhöht, durch die Projektgruppe vorgeschlagen und in der Mitgliederversammlung beschlossen, festgesetzt.

Das Klimaschutzbudget ergibt sich aus den unter Schritt 1 ermittelten CO2-Emissionen multipliziert mit dem CO2-Preis. Die Beträge sind zweckgebunden, d.h., sie sind nur für die Klimaschutzstrategie einzusetzen.

Abgeleitet aus den Ergebnissen der Mustersektionen bei denen sich ein Anteil von 12 - 59 kg CO2 pro Mitglied ergeben hat, lässt sich für unsere Sektion ableiten, dass ein fünfstelliges Budget pro Jahr aufzubringen ist.

3. Schritt

Ab 2030 wird eine „Klimaneutralität“ durch die Projektgruppe und das Klimaschutzkonzept angestrebt. Wenn nach Einsparungen und Reduktionen weiterhin ein CO2-Emissionsdefizit übrigbleibt, fällt für dieses eine Kompensation an. Das dann aktuelle Budget wird an „Nonprofitorganisationen“ (NPO), die durch die UN-Klimaschutzkonferenz (Paris) zertifiziert sind, fließen.

Als NPO wird in dem Zusammenhang z.B. „atmosfair.de“ genannt, die Maßnahmen z.B. wie „klimaneutrale Kochöfen liefern“ für Nepal finanziert und liefert, damit dort ein Ausgleich für unsere Emissionen stattfinden soll.

Grundsätzlich

Vermeiden: Aktivitäten, die zu einem CO2-Ausstoß führen, müssen vermieden werden

Folge: Aktivitäten sind einzuschränken bzw. zu unterlassen

Reduzieren: wenn Vermeidung nicht ausreicht

Folge: Ökostrom, Solarzellen, Fahrgemeinschaften, öffentlichen Verkehrsmitteln etc.

Kompensieren: wenn Vermeidung und Reduktion nicht ausreicht

Folge: ab 2030 Budget an zertifizierte NPO (z.B. atmosfair.de)

Unabhängig von einer Prüfung, ob es vereinsrechtlich oder mitgliederrechtlich überhaupt möglich ist, Kompensationszahlungen unkontrolliert an externe NPOs zur Erreichung eines Vereinsziels zu geben, bleibt festzuhalten, dass es sich bei der CO2-Kompensation um ein Geschäft mit dem schlechten Gewissen handelt („Der Taler in der Kasse klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“). Da vor Ort stark in ökonomische und ökologische Systeme eingegriffen wird, drängt sich ein Vergleich mit Neokolonialismus („Was wir nicht auf die Reihe kriegen, sollen doch andere für uns machen.“) auf.

Die Arbeitsgruppe überlässt es den Sektionen selber, wie und wo sie etwas vermeiden oder reduzieren kann oder will, konkrete Vorschläge wurden nicht gemacht, zum anderen bleibt es den Sektionen auch selber überlassen, wie sie das Budget finanzieren.

Finanzierung

Das Klimaschutzbudget könnte durch folgende Maßmahnen finanziert werden,

oder anderes

Die Sektion wird in 2022 die folgenden Schritte in Angriff nehmen

Die Sektion BS hat in einem Wortbeitrag deutlich gemacht, dass für eine mit dem Klimaschutz verbundene Beitragserhöhung ein Mitgliederentscheid erforderlich ist und die Beteiligung am Klimaschutzkonzept letztendlich die Mitglieder zu entscheiden haben.

Das Thema „Klimaschutzkonzept“ steht auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung im April.

Reinhold Aselmeier

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. Dezember 2021