Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/1998
Klettergruppe

Monte Cevedale per Ski

Aufstieg im OrtlergebietNachmittags so gegen drei, endlich da. Unaklimatisiert, wie man am dritten Tag auf 3000m nunmal ist schnaufe ich die letzten Meter zur Sonnenterasse der um diese Jahreszeit geschlossenen Casati-Hütte. Katrin, die mit mir zusammen die Nachhut bildete sieht noch wesentlich fitter aus, was wohl daran liegt, daß sie regelmäßiger getrunken hat und auch in der schattigen Passage des Gletscheraufstiegs rechtzeitig einen Pulli mehr angezogen hat und deshalb nicht so ausgekühlt ist. Rainer, Axel und Burkhard sind schon seit einer halben Stunde da und liegen schon in der Sonne oder installieren eine Schmelzwasserauffanganlage an der Dachrinne, damit wir nicht soviel Schnee schmelzen müßen. Wenig später bin ich auch wieder einigermaßen fit und nehme die letzten Höhenmeter zur etwas abseits stehenden Winterraumhütte in Angriff. Während Axel und Rainer noch schnell einen Hüttengipfel absahnen, kochen wir schon mal eine Brühe und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Bald vertreibt uns die Kälte in die Hütte, wo wir allerdings am liebsten auch flüchten würden als Burkhard mit fatalistischer Ruhe seinen Juwel Benzinkocher in Betrieb nimmt.Aufstieg im Madritschtal Einige Verpuffungen später kann uns das auch nicht mehr aus der Ruhe bringen, was sicher auch an den zwei Flaschen Wein liegt, die Rainer in einer heroischen Leistung hier mit rauf geschleppt hat. Die beiden Landshuter, die statt des Weins lieber eine etwa doppelt so schwere Mittelformat-Fotoausrüstung hier hoch geschleppt haben, liegen schon in sicherer Entfernung in Ihren Kojen.

Am anderen Morgen dauert es natürlich mal wieder viel zu lange, bis endlich alle auf den Ski stehen und es losgeht. Die Landshuter haben bestimmt schon eine Stunde Vorsprung, den wir aber auf dem relativ flachen, hart verblasenem Gletscher überraschend schnell aufholen, da sie sich am Bergschrund wohl so ziemlich die ungünstigste Stelle ausgesucht haben. Nachdem sie das dritte mal mit Ihren Monsterrucksäcken steckenbleiben, schließen sie sich dann doch uns an. Axel steuert dann auch die schwächste Stelle an, wo wir aber trotzdem froh sind das Seil dabei zuhaben. Während Axel oben Stand macht, organisiere ich den Rest der Gruppe einschließlich der beiden Landshuter, was viel Nerven und in dem kalten Wind auch Disziplin erfordert.

Oben auf der windgeschützten Seite dann Sonnenbaden. Axel, der offenbar noch nicht ausgelastet ist konstruiert noch eben schnell eine Tour über einen netten Nebengipfel, der ja ganz nah ist, und wo man dann ja noch so toll abfahren kann und nur so eine klitzekleine Gegensteigung von lächerlichen 500m hoch muß. Nundenn, es gelingt ihm Rainer und Burkhard von dem Plan zu überzeugen, Katrin und ich fahren lieber wieder auf direktem Weg die 1600m zum Gasthof ab. Also seilen wir uns wieder zum Skidepot am Bergschrund ab und fahren die ca. 40° steile Querung in die eigentliche Gipfelflanke zurück, wo wir nach einigen netten Schwüngen erstmal unsere Überhosen verpacken und uns noch einen Schluck Tee gönnen. Den Rest der Abfahrt genießen wir, wobei die tiefen Windgangeln doch recht kraftraubend sind und wir deswegen die eine oder andere Pause machen. Knapp oberhalb der Zufallhütte treffen wir dann noch Ellen und Gerd, die wir erstmal beruhigen müßen. Sie hatten schon schlimmstes befürchtet, als sie nur zwei statt fünf gesichtet hatten. Nach einer weiteren ausgedehnten Pause, sind wir dann ganz zu Kaffee und Apfelstrudel abgefahren.

Die drei Abenteurer haben dann rechtzeitig gemerkt, daß der Nachbargipfel garnicht so nebenan liegt und sind nach einer recht abenteuerlichen Jochüberquerung und einer Waldabfahrt im Dunkeln gerade noch rechtzeitig zum Abendessen gekommen.

Dirk Voigt

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 20. Mai 1998