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Die Tour du Mont Blanc

Seitdem ich Rentner bin, und das sind jetzt gut drei Jahre, finde ich endlich wieder ausreichend Zeit, bisher vernachlässigten Hobbys nachzugehen. Dazu gehört auch die Planung und Ausführung von Bergtouren.

Im kürzlich zu Ende gegangenen Jahr habe ich eine meiner schönsten, aber auch anspruchvollsten Bergtouren unternommen. Ich habe den MONT BLANC zu Fuß umrundet, und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Diese Tour ist äußerst reizvoll, abwechslungsreich und vielseitig in Bezug auf die körperlichen Anforderungen, die Geologie, Flora und Fauna. Außerdem kann man Start und Ziel sehr gut per Bahn erreichen. Mein Tipp: Reisen mit dem "Sparpreis Schweiz" von Hannover über Basel, Bern, Kandersteg, Brig, Martigny, Orsieres. Kosten der Rückfahrkarte im City-Night-Line (CNL) incl. Ruhesessel waren ca. 340,00 DM für die erste Person und ca. 190,00 DM. für jeden weiteren Mitfahrer bis max. 5 Personen (ohne ICE-Nutzung). Mit ICE-Nutzung ist ein Aufpreis/Zuschlag erforderlich. Abfahrt in Hannover ca. 20.30 Uhr, Ankunft in Martigny am Folgetag um 11.05 Uhr. In Martigny steigt man um und fährt mit dem SAINT-BERNARD EXPRESS nach ORSIERES, wo noch am gleichen Tag der Aufstieg zum LAC CHAMPEX beginnt.

Grundlagen für die Vorbereitung der Tour waren der Rother Wanderführer "Rund um den Mont Blanc" (2. Auflage 1998) und die beiden französischen IGN-Karten 3531 ET "ST GERVAIS-LES-BAINS" und 3630 OT "CHAMONIX" im Maßstab 1:25.000.

Für eventuelle Nachahmer dieser Tour möchte ich noch bemerken, daß ich 62 Jahre alt und einigermaßen gut in Form bin. Da die Tour um den Mont Blanc, kurz "TMB", während der Sommerferien stark frequentiert ist, empfiehlt sich ein Aufbruch nicht vor Mitte August, aber auch nicht später! Man muß, wenn man wie ich alles zu Fuß machen will, ca. 15 Tage veranschlagen. Da ich bis auf zwei Tage sehr gutes Wetter hatte, benötigte ich nur 11 Tage, nämlich vom 16. bis 26. August 2001. Alle besuchten Hütten/Chalets/Refuges waren sauber und gut geführt. Wegen der Länge der Tour, es sind gut 200 km zuzüglich 17.000 Höhenmeter, habe ich mich als Einzelwanderer in keiner Hütte vorangemeldet. Zur Gewichtsersparnis, mein Rucksack wog immerhin 20 kg, empfiehlt sich auf allen Hütten neben der Übernachtung ein warmes Abendessen und das Frühstück einzunehmen. Frühstück ist ohnehin obligatorisch. Alle Angaben zu Streckenlängen, An- und Abstiegen sind Ca-Maße.

Nun möchte ich mich aber kurz fassen und nur noch die einzelnen Tagesetappen skizzieren. Interessenten für die TMB erhalten von mir gerne weitere Informationen.

1. Tag ORSIERES (900 m) - LAC CHAMPEX (1.500 m)
Strecke: ca. 8 km, Anstieg 600 m
Quartier: Gite d'Etape "Hotel-Pension EN PLEIN AIR" oberhalb des Sees an der Hauptstraße
2. Tag CHAMPEX - BOVINE (1.987 m) - COL DE LA FORCLAZ (1.526 m) - TRIENT (1.400 m)
Strecke: ca. 15 km, Anstieg 759 m, Abstieg 957 m
Quartier: RELAIS DU MONT BLANC im unteren Dorf an der Hauptstraße
Schöner ist die Route über das FENETRE D' ARPETTE (2.665 m), aber nur bei beständig gutem Wetter!
3. Tag TRIENT - COL DE BALME (2.191 m) - LE TOUR(1.453 m)
Strecke: ca. 10 km, Anstieg 920 m, Abstieg 738 m
Quartier: CHALET ALPIN DU TOUR (CAF-Haus) direkt unterhalb des Glacier du Tour. (Col de Balme Grenzübertritt nach Frankreich). Bei zeitigem Aufbruch in Trient kann man am Nachmittag bequem per Bus nach CHAMONIX fahren und dort bummeln.
4. Tag LE TOUR - TRE LE CHAMP (1.417 m) - AIGUILLETTE DE ÁRGENTIERE (1.893 m) - LAC BLANC (2.352 m)
Strecke:17 km, Anstieg 935 m, Abstieg 36 m
Quartier: CHALET DU LAC BLANC
5. Tag LAC BLANC - Index Seilbahnstation (2.385 m) - CHALET DE LA FLEGERE (1.877 m) weiter über den "Grand Balcon Sud" - PLANPRAZ (2.100 m) LE BREVENT (2.525 m) - TETE BEL LACHAT (2.300 m) - REFUGE DE BEL LACHAT (1.152 m)
Strecke 15 km, Anstieg 554 m, Abstieg 771 m
Quartier: REFUGE DE BEL LACHAT, von der Lage her schönstes Quartier direkt gegenüber des Mont Blanc oberhalb von Chamonix, aber auch einfachste Ausstattung, z. B. nur eine Toilette und zwei Kaltwasseranschlüsse außerhalb der Hütte für alle Besucher!
6. Tag BEL LACHAT - AIGUILLETTE DES HOUCHES (2.385 m) - LE PLAN DE LA CRY (1.400 m) - LE BETTEY (1.352 m) - LA GRIÁZ (990 m) hier Überquerung der Arve - LES HOUCHES (990 m) - LES CHAVANTS (1.039 m) per Kleinkabinenbahn zum HOTEL DE PRARION (1.853 m) - COL DE VOZA (1.653 m) - BIONNASSAY (1.363 m) - LE CHAMPEL (1.270 m)
Strecke: 25 km, Anstieg 464 m (ohne Seilbahn), Abstieg 1.236 m
Quartier: SARL GITE DU CHAMPEL
7. Tag LE CHAMPEL - LA CHAPELLE (1.100 m) - LES CONTAMINES -MONTJOIE (1.167 m) - Kapelle "NOTRE DAME DE LA GORGE" (1.210 m) - LA BALME (1.706 m)
Strecke: 17 km, Anstieg 690 m, Abstieg 189 m
Quartier: CHALET/RESTAURANT LA BALME
8. Tag LA BALME - COL DU BONHOMME (2.329 m) - COL DE LA CROIX DU BONHOMME (2.439 m) - COL DES FOURS (2.665 m) - TETE NORD DES FOURS (2.756 m) - LA VILLE DES GLACIERS (1.789 m) - CHALET REFUGE DES MOTTES (1.870 m)
Strecke: 14 km, Anstieg 1.131 m, Abstieg 967 m
Quartier: CHALET-REFUGE DES MOTTES
9. Tag DES MOTTES - COL DE LA SEIGNE (2.516 m) Grenzüberschreitung nach Italien - REFUGIO ELISABETTA SOLDINI (2.150 m) CAI-Hütte - LAC DE COMBAL (1.950 m) - LAC CHECROUI (2.100 m) - COL CHECROUI (1.956 m)
Strecke 18 km, Anstieg 999 m, Abstieg 825 m
Quartier: RISTORANTE/REFUGIO MAISON VIEILLE oberhalb von COURMAYEUR
10. Tag COL CHECROUI - DOLONNE (1.200 m) - COURMAYEUR (1.226 m) - LA VACHEY (1.642 m) - REFUGIO ELENA (2.062 m)
Strecke: 28 km! Anstieg 1.263 m, Abstieg 1.155 m
Quartier: REFUGIO ELENA
Diese Etappe ist nur bei gutem Wetter und guter Kondition machbar. Empfehlenswerter Zwischenaufenthalt auf dem Refugio Bertone (1.991 m) mit Übernachtung.
11. Tag REFUGIO ELENA - GRAND COL FERRET (2.531 m) Grenzüberschreitung in die Schweiz - Alm LA PEULE (2.071 m) - DORF FERRET und von dort wechselnd, mal rechts, mal links der Fahrstraße nach LA FOULY (1.600 m) - PRAZ DE FORT (1.551 m) - ISSERT (1.O55 m) - ORSIERES (901 m)
Strecke: 25 km! Anstieg 470 m, Abstieg 532 m
Quartier: HOTEL TERMINAL (direkt am Bahnhof des SAINT-BERNARD EXPRESS)
Von Ferret oder La Fouly verkehrt auch ein Bus nach Orsieres.
12. Tag Am 12. Tag habe ich die Rückreise über Martigny, Brig, Kandersteg (Berner Oberland) angetreten. In Kandersteg empfiehlt sich ein mehrtägiger Aufenthalt zur "Entwöhnung" von dieser herrlichen Tour. Ich habe im Hotel "Edelweis" gewohnt. Es ist ein rustikales und landestypisches altes Hotel in Holzbauweise, mit zwei Sternen klassifiziert. Es wird nur Frühstück und Übernachtung angeboten. Essen kann man sehr gut im Bahnhofsrestaurant. Von Kandersteg lassen sich sehr schöne Tageswanderungen mit nur "leichtem Gepäck" unternehmen, z. B. zum wunderschön gelegenen OESCHINENSEE (1.600 m), in das GASTERNTAL (1.200 m - 1.900 m), zum GEMMIPASS (2.314 m) Grenzübergang Berner Oberland/Wallis und vieles mehr. Eine Nostalgie-
Sesselbahn und Seilbahnen erleichtern die Anstiege.

Wenn man dann nach einigen Tagen der Entspannung in Kandersteg am frühen Vormittag die Heimreise fortsetzt, sollte man unbedingt den ganzen Tag in der wunderschönen Altstadt von Bern zubringen. Rucksack am Bahnhof deponieren. Wer einmal in Bern gewesen ist, kehrt gerne hierher zurück!

Um ca. 19.00 Uhr des gleichen Tages verläßt man dann wieder Bern in Richtung Basel, wo um 22.00 Uhr der CNL nach Hannover abfährt. Am folgenden Morgen gegen 6.30 Uhr ist man dann wieder in Hannover.

Sektionsmitglied Jürgen Schmidt,
Fernblick 10, 24340 Eckernförde
Tel. 04351-43461

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 3. Februar 2002