Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2002
Klettergruppe

Klettergruppenfahrt in den Pfälzer Wasgau.

Nach Ankündigung der Klettergruppenchefin Petra war der Buntsandstein in der Pfalz zum Pfingstziel auserkoren. Die Mehrzahl der Mann-/Frauschaft wollte am Freitag vor der Ankunft des heiligen Geistes anreisen. Jedoch war eine zweier Vorhut schon am Donnerstagabend unterwegs, um die Lage, sprich Biwakwiese im Bärenbrunnertal zu erkunden. Dass die Hinfahrt auch über die Eifelautobahn möglich ist, war schnell abgesprochen. Hier hat die Aktivität der im Erdinnern brodelnden Gesteinsmassen in grauer Vorzeit nicht nur Maare, sondern auch wunderbar harten Stein, den Basalt erschaffen. Dieser sollte als Annäherung, Einstimmung und Training für den Pfälzer Wald unter die Patschen genommen werden. In der Nähe von Mayen - nicht weit vom Nürburgring - gibt es die beiden Basaltklettergebiete Kottenheim und Etrringen. Anfang der 80er von Kletterern aus dem "Neuwieder Becken" entdeckt und urbar gemacht, sind die ehemaligen Steinbrüche ein Dorado für Riss- und Verschneidungskletterei. Alle, die Spaß am Legen von Klemmkeilen und Friends haben, die US-Feeling und Tatortatmosphäre lieben, seien - als Geheimtip - die beiden Steinbrüche mit vorgenannter Stimmung empfohlen. Den Mangel an gedruckter Information macht die Webseite www.klettern-ettringen.de wett.

So hatten wir (Petra und Martin) das Yosemite-Wändchen und die Kiefernadel als "Abenteuerspielplatz" ausgeschaut und nachmittags mit belichteter Haut und dicken Armen die Weiterfahrt über Pirmasens zum Bärenbrunnnerhof angetreten. In der Stadt des Schuhhandwerks plünderten wir noch einen Real-Kauf Markt zur Sicherstellung der Gruppenverpflegung, so dass Petras Toyota beladen wie ein Containerschiff Dahn entgegenwankte. Aber nichts ist unmöglich.

Von dort ist es nur noch ein Katzensprung ins Bärenbrunner Tal, eines der Glanzstücke des südpfälzischen Felsenlandes. Gleich hinter dem Dorf Schinhard führt in östlicher Richtung der ca. 3 Kilometer lange Taleinschnitt zum Talschluss mit dem idyllisch gelegenen Bärenbrunner Hof. Abends ist die vorgelagerte Terrasse sonnenbeschienen und man kann während der Vesper die abwechslungsreiche Landschaft mit ihrem Kontrast zwischen rötlichem Grundton und dunklem Grün bewundern.

Der Zeltplatz eine Wiese oberhalb des Hofes direkt am Waldrand und mit Blick auf den Nonnenfels gelegen erforderte jedoch zuerst unsere Aufmerksamkeit. Er war mit pfingstlichen Klettermäxen schon stark belegt, so dass es galt den Gruppenclaim abzustecken. Erst kommt die Arbeit und dann der Bauch, zumal Petra, die ökologisch korrekt anreisenden Brigitte und Günter noch in Dahn aufklauben musste.

Dann ab auf die abendliche Sonnenbank mit Essen in Biolandqualität und Pinkus-Bier. So nach und nach vom späten Abend bis in die frühe Nacht kamen alle an. Morgens Frühstück wie ein Erdmolch mit allem was Real-Kauf in Pirmasens zu bieten hat. Zuerst musste noch der Martinknoten entwirrt werden. Dreimal Martin ist schon arg. Also ab heute Gärtner-Martin, Vater-Martin und Doc Schneider.

Nun endlich konnte es losgehen. Sandstein, wir kommen! Der Hochstein, eines der bedeutendsten Kletterziele der Südpfalz, war unsere Wahl. Der Zustieg erfolgte, wir hofften kein böses Omen, über den Ehrenfriedhof von Dahn. Dann wunderschöne Kletterwege satt. Dornenriss, Eichenriss, Frühstücksweg, Rebell Yell, Land des Lächlens ("Immer nur Lächeln", "Dein ist mein ganzes Herz"), und für die `Schwerbeweger` Däumling usw. machten Lust auf mehr. Aber jeder Klettertag geht einmal zu Ende. Der Grill und die Biwakwiese warteten. Feuer machen verboten steht auf den Schild vom Hof zur Zeltwiese. Ist ein Grill, des Deutschen liebstes Spielzeug, schon Feuermachen? Pfingsten als kirchliches Fest zur Niederkunft des heiligen Geistes und dessen Wirken steht doch für Feuer und Flamme, und so lag es nahe, den Grill, den Matthias extra hierher transportiert hatte, auch zu entzünden. Den Anschiss gab es erst am Morgen. Gabor wies uns in das Mörderspiel ein mit Mördern, Bürgern und einem Detektiv. Wir hatten Spaß, waren laut und lernten Erschreckendes über die "Psyschologie der Massen", sodass selbst der Klassiker von Le Bon alt aussieht. Um uns herum wachten die Klettermäxe auf und würden liebend gerne als Mörder an der Realität teilnehmen. Ohropax hilft gegen Gruppenlärm und Vogelgezwitscher.

Der nächste Tag galt dem Bruchweiler Geierstein. Hier existiert mit dem DAV-Weg ein abolutes Muss für jedes DAV-Mitglied. Aber auch der Schnapsweg,Likörweg und die nüchterne Wiskey-Diagonale, der Kaffeeweg mit dem bröselig nach Kaffee aussehenden Sandpulver , Peterchens Mondfahrt und der Plattenschussweg deckten unsere Kletterkünste ab. Nach dem Schweiß des Sandsteins gingen einige Baden, der Rest starrte auf dem Rückweg noch die tolle Superlative an. Am Abend waren Spaghetti angesagt; einen Waldbrand wollten wir nicht noch einmal riskieren. Anschließend drei Runden Mörder. Die Wahrscheinlichkeit schlug zu. Der Mörder war immer der Gärtner(-Martin). Morgens Volleyball und Frühstück auf der Zeckenwiese. Wie leicht gewöhnt man sich an das Leben auf der Grasnabe!

Für Pfingstmontag wurde der Burhaldefels im Hauensteinergebiet anvisiert. Gerade angekommen erfuhren wir, dass der überwiegende Teil gesperrt und nur der linke Teil der Ostwand erkletterbar ist. Nach einer ersten Enttäuschung, erlangte der freigegebene Teil im Laufe des Tages immer mehr an Charme. Routen wie die Birkenverschneidung, Ralf und Joe, Wolfram Wudtke, Die Unbekannte und Einfaltslos erwiesen sich als lohnend und ließen den letzten Tag der Gruppenfahrt bei Kaiserwetter ausklingen.

Nach einer letzten Abendbrot im Bärenbrunnerhof vertraute uns der Wirt an, dass er froh ist, wenn die Kletterinvasion vorbei ist. Das Pfingstwochenende hat ihn gestresst. Wir machten uns schon auf, damit wieder Ruhe einkehrt. Wir, Petra, Brigitte, Yvonne, Martina und die Kinder, Matthias, Axel, Gabor, Olaf, Günter und die "Drei Martins" haben lässige Klettertage und Mordsspaß gehabt. Die Pfalz ist mehr als eine Reise wert.

Martin Schneider

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 25. August 2002