Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2002
Klettergruppe

Eisklettern in Cogne

In der Nacht auf Samstag 23.2. fuhr ich von Bad Harzburg nach Mittenwald zu Bernd. Nach dem Frühstück ging es zunächst ins Obernbergtal bei Gries am Brenner (einem prima Tourengebiet) auf Skitour zum Muttenkopf, danach über Mailand ins Aosta-Tal und nach Cogne ins gleichnamige Tal, das wir abends erreichten.

Cogne, ehemaliger Bergbauort (15.Jh. bis 1978, Eisenerz), heute ruhiger Winter- und Sommer-Ferienort wohlhabener Norditaliener und trotz Hotel- und Appartementbauten unauffällig und ursprünglich geblieben, liegt mit dem Valnontey nordöstlich vom Gran Paradiso am Rand des Nationalparks. Zum Weiler Lillaz im Val di Cogne, im Valone di Valeille und im Valnontey sind gepflegte Skilanglaufloipen angelegt, die man für eine Reihe von Kletterzustiegen mit Tourenski nutzen kann, bevor das Gelände alpiner wird.

Die Bar Licone am Dorfplatz in Cogne ist Treffpunkt für Einheimische, Fremde und Eiskletterer. Hier gibt es eine Mappe mit Fotos aller Eiskletterrouten sowie das Gästebuch. „Pisteln“ kann man in Cogne auch. Alpine Skitouren sind anspruchsvoll und besser in der Firnschneezeit aufgehoben. Vom Charakter her sind die meisten Routen in der Umgebung Cognes Couloirs mit Steilaufschwüngen, die auch eine Seillänge übersteigen können, gefolgt von flacheren Passagen. Abstiege erfolgen meist durch Abseilen (eingerichtet).

Touren unserer Wahl gingen bis TD+ (4/III) und 300 Meter, nordexponiert. Die Einstiege bei etwa 1950 m erreichten wir per Ski, was bei dem zuvor gefallenen pulvrigen Neuschnee auch mit Überraschungen verbunden war. Von Sonntag bis Donnerstag waren wir täglich unterwegs:Valnontey; „Flash Estivo“, „L‘ Acheronte“, „Cascata di Patri (Muir a‘ gauche), Valeille; „Ibex Gully“, Valnontey; „La Muir de Patri a‘ droite“.

Bei unserer Kletterei stiegen wir auch einmal mitten in einem Gamsrudel aus. Die Tiere zeigten keine Scheu, unser Doppelseil wollten sie allerdings nicht überqueren. Sie setzten sich dann ohne Hast über ein Felsband von uns ab. Wegen des angekündigten Schlechtwetters gaben wir unser ideales Quartier dann am Donnerstag auf und fuhren nach der letzten Tour am frühem Nachmittag über Mailand und Lecco ins Bergell bzw. zum Bernina Hospiz.
Für den Freitag hatten wir uns die „Eisnase“ des Piz Cambrena zum Ziel gesetzt. Mit der erster Seilbahn gings zur Diavolezza und dann „oben lang“. In einem lawinösen Steilhang am Piz Trovat (bei ansonsten erschreckend wenig Schnee und offenen Spalten am Persgletscher, wie wir von oben sahen) brachen wir die Tour ab und sausten zum Auto zur Bernina-Paßstraße hinunter. Anschließend besichtigten wir alle Wasserfälle in Pontresina, Silvaplana (Schlucht), Julierpaß; –nichts ging-. Letztlich rollten wir den Malojapaß hinunter zum Wasserfall bei Löbbia (Kraftwerkseilbahn) den wir bei Schneefall und dampfender Nässe kletterten.

Auf der Rückfahrt, beim Blättern in unserem italienischen Eiskletterführer, stieß Bernd noch auf einen Wasserfall im Langtauferstal, Südtirol. Da der gewissermaßen am Wege lag, (zum Reschen hinauf, nächste Straße links, 2,5 km, Brücke, Stop) sind wir schnell dorthin gefahren und haben diese schöne 370 m Rinne (Zustieg über Forstweg und verbauten Wildbach) mitgenommen.

Burkhard Angerstein

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 2. November 2002