Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2004
Klettergruppe

Der Traum vom Pulverschnee wird wahr!

Silvesterskitour der Klettergruppe

27.12.03

Auch in diesem Jahr zog es die Skifanatiker unserer Klettergruppe und ihre schweizer Verstärkung (Grüazi Dirk und Katrin!) wieder in die winterlichen Alpen. Das St. Anton für Skitourengeher war unserer Ziel: St. Antönien (1400 m).
Da uns leider dieses Jahr ein abenteuerlicher Hüttenanstieg mit viel Gepäck verwehrt blieb, trudelten wir so nach und nach, bepackt mit Säcken, Kisten und diversen Skivariationen in unserem Hotel (mit Sauna!) ein und trafen uns abends zum Vier-Gänge-Menü mit jeder Menge unverbrauchter Kraft und großen Gipfelambitionen.

"Paukerin" Anja auf ihrem Weg zum Hasenflüeli
"Paukerin" Anja auf ihrem Weg zum Hasenflüeli
Foto: M. Körner

1.Tag 28.12.03

Bei Sonne machten wir uns am ersten Morgen zum nahe gelegenen Hasenflüeli auf. Da die Tour sehr beliebt ist, folgten wir der vorhandenen Spur bis auf 2412 Meter. Die letzten Meter stellten doch noch leichte alpine Anforderungen aber glücklich und die letzten Sonnenstrahlen genießend bezwangen wir den Gipfel.
Die erste Abfahrt war nur eine müde Vorahnung auf den Traumschnee, der uns in den kommenden Tagen noch erwartete. Dennoch schlugen sich alle bei ihren ersten Pistenmetern recht souverän. Auch unser Marius alias „Kamikaze-Super-Mario“, der als fast blutiger Anfänger den Rufen unseres Bosses (Matthias) gefolgt war, kam doch relativ elegant den Hang hinunter und bewies, dass Stürzen durchaus eine effektive Bremstechnik sein kann. (Super Marius!) Während die Elite unserer Gruppe (Boss, schweizer Skihasen, the mashine, Lehrerin1) sich in Hoffnung Pulverschnee erneut den Anstrengungen des Aufstieges hingab und noch in Richtung Eckberg (2202 m) aufbrach, genossen die anderen die letzten Abfahrtsmeter Richtung ... Sauna!
Aber, was ist eine Sauna ohne Marius? Sicherlich nicht mehr als eine Skitour ohne Pulverschnee, denn ohne ihn wären uns die unzähligen Aufgüsse, die die Sauna des öfteren in ein Dampfbad verwandelten, entgangen und das Saunen wäre nur halb so schön gewesen.

2.Tag: 29.12.03

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es bei Schneetreiben aber relativ guter Sicht zunächst zum Pistenaufstieg am weltberühmten Junkerlift. Die Bedingungen und das Gelände waren optimal für die obligatorische Piepssuche: Alte Piepse und neue Tracker wurden erfinderisch im Schnee vergraben und mal langsamer (mit Hilfe der Piepse), mal schneller (ein Tracker ist doch sicherer!) ausgebuddelt. Nur einer nicht, denn Kamikaze-Super-Mario war mal wieder am Werk!
Nachdem Matthias mehrfach andere Tourengeher anstatt des vergrabenen Pieps gefunden hatte, war in weiter Ferne ein jämmerlicher Hilferuf zu hören. Gemeinsam suchten wir und setzten unser Fachwissen ein, um das arme Pieps endlich zu retten. Nachdem eine tiefe Mulde freigeschaufelt war und wir im Morast versanken, schien die Suche aussichtslos. Neue Strategien wurden diskutiert und immer wieder hörten wir auf die Hilferufe des Pieps, das doch der Sektion gehörte! Endlich fanden wir es, mitten im sumpfig-nassen Bachbett. Beinahe wäre es ertrunken! Wer hätte das gedacht, dass man in einer Lawine auch ertrinken kann. Nachdem das Gerät entwässert war, funktionierte es zum Glück wieder einwandfrei.
Weiter ging es dann bei besser werdenden Wetterverhältnissen bergauf, bergab hinauf zum Chrüz (2196 m). Der Neuschnee sah super aus! Wo blieb denn nur unser Telemarker (Jens), der mit seinen zwei „Surfbrettern“ auf den richtigen Kick bei der Pulverschneeabfahrt wartete? Teletubbies leiden anscheinend oft unter Fellproblemen, zumindest musste unser zu Fuß die letzten Gipfelmeter zurücklegen.
Der Abfahrt sahen wir angesichts zahlreicher Gegenanstiege zunächst etwas skeptisch entgegen. Aber auch hier hatte unser Boss schon wieder eine geniale Alternative herausgetüftelt: 1400 Meter Abfahrt durch unberührte Neuschneehänge, unter Zäunen hindurch, über Straßen hinweg und durch Gärten ging es hinunter bis in den Talort Küblis. Ein Pulvertraum für jeden Skifahrer und Teletubby, solange der Vordermann schon die verdeckten Steine freikratzte!

3.Tag: 30.12.04

Bei anfänglich recht eisigen Temperaturen stiegen wir auf die Gierenspitz (2369 m), die wir gegen Mittag erreichten, leider aber mit zahlreichen anderen Skifahrern teilen mussten. Von hier aus hatte man einen einzigartigen Ausblick auf die umliegende Bergwelt. Recht bald stürzten wir uns deshalb in die Pulverschneehänge, welch ein Gaudi!
Leider erwartete uns weiter unten immer schwerer werdender Schnee, da die Temperaturen frühlingshafte Werte erreichten. Nach etwa 560 Höhenmetern entschieden wir uns die restlichen Kraftreserven auch noch aufzubrauchen und brachen in Richtung Schafberg (2456 m) auf. Schließlich war das Tagespensum bei weitem noch nicht erfüllt! (unter 1300 Höhenmetern braucht man doch gar nicht erst anzufangen!)
Schwitzend zogen wir in der Nachmittagssonne erneut bergauf, die Pulverschneehänge bereits im Blick. Aber 700 Höhenmeter sind für einen zweiten Anstieg doch sehr viel. So drehten Philippe und ich unterhalb des Gipfels um und hatten so zumindest einen unberührten Tiefschneehang zum Austoben. Auch der Teletubby gab kurz vorm Ziel auf und warte auf die Gipfelstürmer (Matthias, Petra, Dirk und Burkhard). Die Tagesleistung war erreicht und eine erneute Traumabfahrt (die ersten 400 Hm) war hart erkämpft. Doch das ist im Endorphinrausch danach schnell vergessen.

4.Tag: Silvester!

Wir entschieden uns angesichts des schlechten Wetters für ein moderates Programm für diesen Tag und stapften zunächst wieder Richtung Hasenflüeli. Bestiegen dann aber auf der gegenüberliegenden Seite den doch sehr unspektakulären Spitzenbüel (2194 m). Angekommen auf der runden Kuppe, genießen wir in Vorfreude auf den bevorstehenden Abend schon einmal die erste Flasche Sekt. Wenn die Höhenmeter sogar unter der tausender Marke bleiben, muss doch zumindest das Gewicht der Rucksäcke erhöht werden! Also schlürfen wir mit eisigen Händen im Schneetreiben das gute Tröpfchen und machen dabei Bekanntschaft mit der dritten Art (neben Super-Mario und Teletubby), einem Raben, der sich besonders Philippe verbunden fühlt und mit großer Zufriedenheit unser Mittagessen verspeiste. Egal, wir hatten ja den Sekt!
Nach einer etwas bruchharschigen Abfahrt, wurde bei der Rückkehr im Hotel noch schnell die nächste Flasche Sekt geköpft. Zur Vorbereitung auf die lange Nacht ließen wir danach in der Sauna durch diverse Aufgüsse unseres Saunachefs unsere Kräfte wiederbeleben. Anschließend gab es eine erstklassiger schweizer Silvesterspezialität: Fondue chinoise. Bei Tabu und Apfelmost verging der Rest des Abends wie im Fluge, auch wenn einige bei dem Spiel doch etwas gestresst wirkten, obwohl sie doch sonst so souverän sind (oder, Matthias?) Ob Teletubby, Super-Mario, Boss oder einfach nur normales Mitglied der Klettergruppe, feierten wir bei einem nicht endenden Glockengeläut um Mitternacht draußen weiter und freuten uns vor allen Dingen für Petra, die nach ihrem Unfall so gut wieder auf die Beine gekommen ist.

5.Tag: Neujahr

Etwas müde saßen wir an diesem Morgen am Frühstückstisch. Aber bei dem ersten Blick auf den strahlend blauen Himmel, verflog die letzte Unlust und so ging es hinaus in die eisige Kälte. So liefen wir, liefen und liefen immer weiter hinauf, bis wir nach langer Zeit auf einer Hochebene ankamen. Nach einer kurzen Pause zogen wir in einem langen Bogen zum Nollenkopf, da der direkte Weg zu steil und damit auch zu lawinengefährdet gewesen wäre.
Irgendwann erreichten wir dann den Gipfel im Sonnenschein und wieder mit einem traumhaften Panorama. Auch die Abfahrt war so, wie sie an einem Neujahrstag sein musste: unberührter Pulverschnee! Da sah man dann doch mal ein Lächeln bei unserem Teletubby, der sich beim Aufstieg anscheinend doch sehr nach einem Lift sehnte.
Wieder auf der Hochebene angekommen, war klar, dass 1000 Höhenmeter natürlich noch nicht genug sind. Leute denkt an das Tageslimit oder, wie es Matthias in solchen Situationen immer sehr pädagogisch verpackt: „Wir gehen da jetzt erst noch mal ein Stück hoch und gucken, wie weit wir kommen.“ Das heißt dann im Klartext: „Leute, wir treffen uns auf dem Gipfel wieder!“ Also vereinten wir unsere letzten Kraftreserven und machten uns auf den Weg zum Jägglischhorn (2290 m), 360 Höhenmeter. Gegen 15.00 Uhr standen wir dann doch alle auf dem Gipfel. Und dann gings hinab ins pulvrige Weiß, eine geniale Abfahrt bis zur Fahrstraße nach St. Antönien. Leider verbarg sich unter dem schönen Schnee doch des öfteren ein Stein, die schönen neuen Skier (Arme Katrin)!

6.Tag 2.1.04

Endlich hatte sich die Pistenfraktion durchgesetzt, denn das Skigebiet von Klosters liegt doch so nahe. Obwohl es da durchaus feine Unterschiede gab: Jens gab sich nun endlich als „Pistensau“ zu erkennen und verschwand mit dem ersten Bus in den Skizirkus. Günter der Antipistler schnappte sich seine Tourenskier (die er an diesem Tag zum ersten Mal unterschnallte), mit denen er zwar lieber aufsteigt als abfährt und begab sich zum Hasenflüeli. Die "abfahrtsgeilen" Tourengeher entschieden sich für die Zwischenlösung: Wir haben im Madrisaskigebiet die Vorteile der Liftanlagen genutzt, um zunächst ein paar nette Variantabfahrten zu machen. Damit wir dieses mal nicht ohne Teletubby unterwegs waren, entschied sich Dirk diese Rolle zu übernehmen. Er schlug sich zunächst auch sehr gut, nur leider stieß er bei einer seiner schon bekannten Vorwärtsrollen im Schnee die Skispitze an seinen Kopf. Aber auch mit Horn machte er immer noch ein gute Figur! Genug vom Lifteln, stiegen wir mit minimalen Aufwand (1oo Hm) auf das Rätschen Horn (2517 m), um von dort aus eine traumhafte Abfahrt auf die andere Seite ins St. Antönier Tal zu machen. Glücklich wiedervereint freuten wir uns abends, Bea unsere allbekannte Originalschweizerin begrüßen zu können, für die sich Matthias am folgenden Tag eine ganz besondere Tour überlegt hatte.

7.Tag: 3.1.04

Leider sah der Morgen doch noch sehr trüb und neblig aus, was uns aber nicht davon abhalten konnte, bei immer eisiger werdenden Temperaturen an unseren Tageszielen zu festzuhalten: Eine Überquerung ins österreichische Nachbartal mit zwei Gipfeln und mindestens 2000 m Abfahrt (und 1500 m Aufstieg für Günter) klang einfach zu verlockend. Wir liefen einige Kilometer entlang der Straße und stiegen dann zügig weiter. Auf der Höhe von ca. 2000 m riss dir Nebeldecke zum Glück auf und wir hatten einen grandiosen Blick auf die Gierenspitz, den Schafberg auf der gegenüberliegenden Seite und auf unsere bevorstehenden Ziele, die Rotspitz (2517 m) und den Riedchopf (2552 m). Nach 1200 Höhenmetern hatten wir den Gipfel erklommen, genossen die Sonnenwärme und den Ausblick ins bergeller Tal.

"Dirk Dressman" im weißen Rausch
"Dirk Dressman" im weißen Rausch
Foto: M. Körner

Der Blick in diese Tiefe genügte aber auch, um schnell zu entscheiden, dass eine Abfahrt mit elf sturzfreudigen Skifahrern zu viel für die Schneedecke wäre! Also fuhren wir an der Aufstiegsseite wieder ab. Nach dem ersten Pulverrausch machten wir uns klar für den zweiten Aufstieg. Matthias begleitete Super Mario noch weiter ins Tal und wollte uns dann folgen.
Da die Aufstiegsspur extrem steil war und die Temperaturen auf minus 20 Grad sanken, passierte, was kommen musste: Die Felle lösten sich von den Skiern. So tapte einer nach dem anderen die nicht klebenden Felle mit dem noch weniger klebendem Tape an die Skier, leider mit wenig Erfolg! So musste auch ich die Erfahrung machen, wie es ist zu Fuß im Tiefschnee auf den Gipfel zu steigen.
Nach dem Besteigen eines echten „Gipfelkreuzberges“ ging es auf der anderen Seite dem absoluten Pulvertraum entgegen. Schade nur, dass die Beine doch schon sehr müde waren. Nach eine etwas riskanten Querung und einer abwechslungsreichen Bruchharschabfahrt erreichten wir nun endlich einmal im Dunkeln unser Quartier und genossen zum letzten Mal die Sauna, das leckere Essen und .. das Kübli.
Aber auch der schönste Schnee schmilzt einmal, also behalten wir diese traumhaften Pulverschneetage in netter Gemeinschaft lieber gut in Erinnerung bevor er geschmolzen ist und freuen uns auf nächstes Jahr! Danke Matthias!

Anja Winkel

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 1. Februar 2004