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Brockenbesteigung- einmal anders

 

Mit der Aussage "Ich bin auf dem Brocken gewesen" kann man sicher keine große Aufmerksamkeit erringen und auch der Hinweis, dass es bereits das 26. Mal war erzielt wohl keine große Beachtung, besonders wenn man bedenkt, dass "Brocken-Benno" schon über 3000 Mal auf dem höchsten Berg des Harzes war. Etwas anders sieht es dagegen schon aus, wenn man hinzu fügt, die Wanderung habe zu Hause begonnen und ergänzt, dieses Zuhause liege in Gr.Twülpstedt.

So startete ich auf zunächst bekannten Landstraßen oder Feldmarkswegen Richtung Königslutter und bekam den ersten leichten Geschmack vom Bergaufgehen bei der Annäherng an den Tetzelstein. Als auf der anderen Seite des Elmes Schöppenstedt schon herüberwinkte, kam mir der Gedanke von Till Eulenspiegel in den Sinn, der sich immer beim Bergabgehen ärgerte, weil er wusste, es würde irgendwann auch wieder bergauf gehen. Dabei freute er sich dann!

Vom Elmrand bis zum ersten Tagesziel - Hornburg - führte der Weg durch eine baum- und damit schattenlose Landschaft. die der Landkreis Wolfenbüttel stolz die "Toskana des Nordens" nennt. Naja! Der Abend in Hornburg endete musikalisch, denn in der Marienkirche fand das Bläserkonzert eines Münchener Quintetts statt, bei dem man nicht nur wegen der Lautstärke sondern auch wegen der hohen Qualität des Vortrags nicht ans Einschlafen denken konnte.

Bloß gut, dass am nächsten Morgen keine Videokamera in der Nähe war, als ich mit staksigen Schritten den zweiten Teil der Tour begann. Langsam wurden Muskeln und Gelenke zwar wieder warm, aber als ich Ilsenburg erreichte, hätte die Wanderung auch gern zu Ende sein dürfen. Doch jetzt kam das, was ich mir eigentlich als Ziel gesetzt hatte - die Besteigung des Brockens. Und die 80 km "Anlauf", die ich bis hierher genommen hatte, verpufften bei dem nun folgenden Anstieg mit gut 800 Höhenmetern. Der Weg nannte sich "Heinrich-Heine-Weg", doch der deutsche Dichter war ihn vom Brocken abwärts gegangen! Ich dachte beim Bergaufgehen wieder an Till Eulenspiegel und konnte seine Freude über diese anstrengende und
schweißtreibende Wanderform nur bedingt nachvollziehen.

Auf dem Gipfel der höchsten Erhebung in Norddeutschland entlohnte eine herrliche Fernsicht für alle Mühen. Und als nach einem fantastischen Sonnenuntergang die Sterne langsam hervor kamen, in der nahen und weiten Ferne Lichter in Städten und Dörfern zu leuchten begannen und man alles in großer Stille beobachten konnte, da war es klar - die Anstrengung hat sich gelohnt!

Nach der Übernachtung in der "Brockenherberge" konnte ich am nächsten Morgen einen faszinierenden Sonnenaufgang erleben. Der Rückweg bis zum Torfhaus war nur noch ein kleiner "Hatscher". Von dort holte mich meine Frau mit dem Auto ab. Und bei der Heimfahrt machten wir in Bad Harzburg halt, wo ich den letzten Muskelkater in der Sole-Therme ließ.

Anmerkungen für Nachahmer:

Rucksackverpflegung, viel getrunken (aber nur alkoholfrei), kurze Pausen

1. Tag
Gr.Twülpstedt - Königslutter -Schöppenstedt - Hornburg
55 km - 10:30 Stunden

2. Tag
Hornburg - Ilsenburg - Brocken
37 km - 8 Stunden

3. Tag
Brocken - Torfhaus
8 km - 1:30 Stunden

Klaus Tlusty, Gr. Twülpstedt

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 9. Mai 2004