Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2004
Klettergruppe

Frankreich: St. Victoire über Ostern 2004

Da gehts lang
Da gehts lang
Foto: Christian Rother
Zustieg zum St. Victoire
Zustieg zum St. Victoire
Foto: Christian Rother
Endlich Fels...
Endlich Fels...
Foto: Christian Rother
Der Einstieg ist nicht zu Übersehen
Der Einstieg ist nicht zu Übersehen
Foto: Günter Gersdorf
Viel Reibung gabs...
Viel Reibung gabs... Christian Rother in einer der vielen 6er-Routen
Foto: Günter Gersdorf
Brigitte und Daniela am Stand der
Brigitte und Daniela am Stand der 3-Seillängenroute 'Les Aromates' (4c)
Foto: Günter Gersdorf
Christian R. und Markus in
Christian R. und Markus in 'La Tse-Tse (5c)'
Foto: Günter Gersdorf

Am Abend des Karfreitags machten wir (Daniela Maschgan, Markus Tschentscher, Christian Borss, Christian Rother) uns auf den Weg nach Frankreich.Kaum 12 Stunden später kamen wir schon auf dem Camping-Platz in Beaureceuil an. Dort eintrudelnd bekamen wir gleich die richtige Einstimmung auf das Unvermögen der Quecksilbersäule, sich auf eine angenehme Höhe einzupendeln: die Scheiben der Autos waren zugefrorenen. Praktischerweise trug das erste Fahrzeug, welches wir näher in Augenschein nahmen, gleich ein Braunschweiger Kennzeichen. Nach anfänglicher Verwirrung stellte sich jedoch heraus, dass dieses Auto, welches dank verschiedener SFU-Utensilien eindeutig der Braunschweiger Kletterszene zuzuordnen war, nicht zu Günter (Gersdorf) und Brigitte (Moritz) gehörte, wie wir vermuteten. Letzterer hatte sich wieder einmal mit einem mit "DO“-Kennzeichen getarnten Stadtmobil auf den Weg begeben, konnte schließlich jedoch gefunden werden. Verständlicherweise hielt sich die Begeisterung unserer wackeren Vorreiter, die bereits seit nahezu einer Woche den Freuden des Kletterns frönten, in Grenzen als wir um 7.30 morgens mit einem vorsichtig ans Zelt gehauchten ?Günter?!“ unsere Ankunft signalisierten.

Nach kurzer Abstimmung stellten wir also klappernd und scheppernd unsere Zelte neben dem von Günter und Brigitte auf und bereiteten langsam das Frühstück vor. Trotz der eher frösteligen Temperaturen stellte sich schnell ein gewisser Heißhunger aufs Klettern ein ? und wir bemühten uns das Frühstück nicht sonderlich in die Länge zu ziehen, um zügig in Richtung Fels aufzubrechen. Der erste Anblick des St. Victoire ließ unsere Vorfreude nur wachsen. Trotz der mittelgebirgsartigen Höhe von 1011 m hatte die St. Victoire eine mächtige Südwand mit recht alpinem Charakter zu bieten. Günter übernahm die Führung und geleitete uns zu den verschiedenen Sektoren, wo wir uns zunächst mit den französischen Kletterbewertungen vertraut machen mussten. Im Bereich vom 4. bis 7. Grad war für alle was dabei, sodass sich jeder nach Geschmack austoben konnte. Von langen entspannten Mehrseillängen-Routen, die teilweise unter leicht chaotischen Zuständen durchstiegen wurden (mit 8 Leuten an einem Standplatz) über kurze senkrechte Wände und geneigte Reibungsplatten war alles dabei. Obwohl die Reibungskletterei in diesem Kalkstein-Mittelgebirge eindeutig dominiert, waren größere Teile der Gruppe doch eher von den senkrechten teils kleingriffigen Routen angetan (lieber kleine als keine Griffe!). Die Reibungskletterei forderte auch schnell die ersten Opfer. Bereits nach dem ersten Tag hatten unsere Fingerkuppen ausreichend gelitten, um Markus anschließend nur noch mit durch Tape nahezu vollständig mumifizierten Fingern anzutreffen.

Herausragende Kletteraktionen stellten sicherlich die 3,5 stündige Mehrseillängen-Route dar, die Christian B. Brigitte und Daniela vorgestiegen ist, dabei aber durch die dringende Verrichtung körperlicher Bedürfnisse im Unterholz am Wandfuß sehr spontan und kurzfristig unterbrochen werden musste. Des Weiteren sollen Günters heroische Schnell-Kletteraktionen nicht unerwähnt bleiben, bei denen klar zu erkennen war, dass sich Günter auf die Reibungs-Kletterei sehr gut verstand und uns mehrfach einigen Respekt abrang.

Die abendlichen Koch-Aktivitäten hielten sich demgegenüber zumeist eher in Grenzen. Günter und Brigitte hielten auf diesem Sektor die Fahnenstange hoch und bewegten uns zu dem einen oder anderen neidischen Blick, da sich bei uns die Auswahl doch eher auf die klassischen Fertiggerichte und Müsli beschränkte. Wie sich im Anschluss an die abendliche Nahrungsaufnahme am ersten Tag bereits andeutete, blieb der Weinkonsum für die nächsten Tage nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden französischen Weine konstant hoch.

Am Dienstagabend kam (Tele-Tubby) Jens Weiße noch direkt von der Ski-Tour Konkurrenz-Veranstaltung eingeflogen und durfte gleich an unserem kulinarischen Highlight, der Bouletten-Brat-Orgie, teilnehmen. Diese Meisterleistung Campingkocher-basiserter Küchenkunst konnte nur noch durch den Besuch eines kleinen französischen Restaurants getoppt werden, in das wir am folgenden Abend einkehrten. Dieses Gourmet-Dinner wurde uns durch die selbstlose Spende zweier weiterer Weinflaschen durch Günter und Jens versüßt.

Wenn uns auch der sehnliche Wunsch des Angrillens aufgrund der restriktiven Beschränkung derartiger Aktivitäten verwehrt blieb, so bekamen wir als kleines Abschiedsbonbon noch die unerwartet günstige Abrechnung des Camping Platzes, der uns nicht nur deswegen in guter Erinnerung bleiben wird.

Christian Rother

Günters Bildergallerie

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 28. Juli 2004