Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2005
Klettergruppe

Silvester auf der Mörsbachhütte

Die fetten Weihnachtsfeiertage waren vorüber. Am dusteren 7:00-Montagmorgen danach fuhren 17 Klettergruppler in die Steiermark nach Donnersbachwald (1000m). Bis dahin war es ja eine Fahrt gen Süden, wie jede andere x-beliebige auch.

Um 10:00 trafen Eva und Martin aber zufällig schon auf Katrin und Christian zum stillen Autobahnörtchen oder auch Pommes rotweiß (die letzte der laufenden Woche). Auch kamen Christiane, Daniela und Markus auf die gleichen Gedanken dort zu pausieren ("7 Schlaue ein Gedanke"?).

Zwischenzeitlich reisten Brigitte, Gabriela mit Günter und Jens aus Leipzig und Dirk aus Zürich in Richtung unserer Talstation Donnersbachwald an. Kerstin, Stefan, Axel, Burghard und Matthias von der Reiseleitung "CleverReisenKörner" warteten bereits am Zielparkplatz.

Der Skidoo Express von und zur Mörsbachhütte (1300m) erledigte in 3 Fahrten unser aller Gepäck und den Lift für die Nachzügler, die nicht unbedingt an diesem Anreisetag mit eigener Kraft aufsteigen wollten ("die Letzten werden die Ersten sein" oder wer weiß schon, was uns die nächsten Tage noch erwartet?).

Wir konnten ein renoviertes 20 Personen Lager beziehen, die Toiletten und Waschräume sahen ebenso gut gepflegt aus - prima. Nach dem ersten gemeinsamen Dinner waren auch schon alle Leute vor 23:00 in den Schlafsackfedern und kein Schnarchkonzert begann, wie schön und selten.

Wir legten uns für den Tag 1 die Lämmertörlspitze (2020m) zurecht. Der Wetterbericht mit Lawineninfo versprach unkomplizierte Stunden und so stapften 10 Skitourer und 7 Schneeschuhkämpfer um 9:00 Uhr von der Hütte los.

Start
Start
Foto:

Durch relativ dichten Wald bei ausreichend hohem Schnee im Schusterboden spurten unsere Bretterlgeher voran nach oben. Nach halbem Weg erklärte Matthias bei einer Rast die Arbeitsweise unser Lawinenpiepser. Es wurde etwas schattig und die Pieper Sende-Empfang-Suchspiele habe etwas Zeit in Anspruch genommen. Aber ohne diese Simulation, zum Glück ohne Schaufelübung, würde uns die schöne Technik ja auch nichts nützen.

Von diesem Pausenplatz aus sahen wir auf ein annähernd freies Schneefeld nach oben. Der Weg zur Spitze war nach einem kurzen Bachquerlauf frei. Auch wenn uns die Kälte von vorbeiziehenden Wolken etwas frieren ließ, Hauptsache nun ging es mit wärmender Bewegung weiter nach oben. Ca. 100 hm unter der Spitze gingen wir endlich im Sonnenschein! Die Aussicht nach unten erinnerte mich dabei an die Steigeisentour über schneebedeckte "leichte" Gletscher, na ja, nur ein paar hundert Meter höher eben. Ich fand es beeindruckend. Die letzten unserer heutigen 700 hm stiegen wir ohne Geräte bis zum Gipfelkreuz und die Wolken erlaubten einen schönen Rundblick "Steiermark im Winter".

Für den ersten Tag war das m. E. schon genug Schinderei. Nun sollte endlich die verdiente Abfahrt folgen. Im Wind des Gipfels war wirklich schlecht Kirschen essen und unsere reinen Schneeschuhgeher waren anfangs vielleicht, die kommende Abfahrt vor Augen, etwas neidisch auf die Skifahrer und Snowboarder (mit Ausnahme vom mutigen Martin S. - er erlebte seine erste Abfahrt im Leben im Tiefschnee - er bemerkte dabei auch, wie schön häufiges Abtauchen in den Schnee die Gesichtsdurchblutung fördern kann). Nur kamen wir nach 200 hm schöner Abfahrt wieder in Waldesnähe. Das Gehölz wurde dichter und der Weg damit schwieriger, bis er in einen tief ausgetretenen Wanderpfad mündete. Teilweise leider kaum noch befahrbar und wenn doch, dann nur sehr anstrengend. Tja, nicht nur das Leben eines Schneeschuhgehers ist hart. Heute waren Sie jedenfalls wieder eher bei der Hütte als die wedelnde Nachhut, das muss doch irgendwie am gewählten Weg gelegen haben?

Der Einstieg unseres ersten Tages war dennoch sehr schön und von nichts kommt schließlich nichts. Für viele Teilnehmer, die sich zum ersten Mal als Neulinge solchen Touren anschlossen, war es ohnehin ein Erlebnis - von 9:00 bis zur Dämmerung. Na hoffentlich wird es so auch weitergehen, vielleicht darf es auch noch etwas abenteuerlicher sein? Oder sonniger?

Nein, zunächst nicht. Am Morgen des Tag 2 entschieden wir uns zum Besuch des Skigebietes Riesneralm in der Nachbarschaft. Die Wolken zeigten sich einfach zu dicht, als das zu irgendeiner Zeit an irgendeinem Ort eine schöne Aussicht zu erwarten gewesen wäre.

Für diesen Tag trennten sich also die Wege der Leute die pisteln gehen wollten und derer, die sich doch noch mit Schneeschuhen wieder auf den Weg machen wollten. Allerdings auch mit günstigem gemeinsamen Ziel! Die Bergstation eines der beiden 4er Sessel "unseres" Skigebiets. Wir trafen Günter und seine Mädels mit Dampfnudel oder Semmelknödelsuppe vor der Nase in dieser kleinen aber feinen Bergstation, sichtlich gut gelaunt.

Trotz der Miniaturausgabe von einem Skigebiet mit 2 Liften und 7 Pisten waren für diesen Tag trotzdem fast alle Gemüter in Ihrem Aktivitätendrang befriedigt. Einige zwar kurze aber ganz hübsche Varinatenabfahrten waren drin und die Pisten einigermaßen gepflegt. Dazu kamen keinerlei Liftwartezeiten, wie sie der Pistensportler in so vielen Gebieten ja ertragen muss.

Abschließend scheuten wir nicht die Gelegenheit von der Bergstation wieder die Abkürzung durch den Wald in Richtung Mörsbachhütten-homebase zu wählen. So hatten wir wenigsten an diesem Notlösungstag noch in der anfänglichen Dämmerung eine 400 hm Abfahrt vor uns. Die Slalomfahrt durch den Wald war zwar etwas desorientiert, aber so lange wie es bergab ging, konnten wir wenig falsch anstellen. Günter und seine Mädels waren auch schon wieder angekommen. Sie begossen bereits den doch gut abgelaufenen Tag.

Wie jeden anderen Morgen auch starteten wir den Tag 3 mit Mischen des heißen Teewassers. Ein strahlender Morgen! Durch das sehr photogene Silberkar schlängelte sich unsere Tour! Teilweise steile Passagen führten auf das windige Bärneck (2.050m). Bis kurz vor dem Gipfel hatten wir eine tolle Sicht in alle Richtungen, auf dem Eck standen wir komischerweise in leichter Suppe und nur kurz bot sich der Blick durch die vorbeihuschenden Wolken (s. Bild).

Die ausgedehnte Pause auf dem Gipfel zog durch Mark und Bein. Ein Skifahren nach dem anderen zog die kurze erste Passage hinunter. Die Abfahrt vom Bäreneck zählt zu den schönsten der Gegend. Wie ich lernen musste war damit wohl die Hindernisfreiheit der Abfahrt gemeint und wie wahr, die Bretterlfahrer waren nach kurzer Zeit hinter den Schneekuppen verschwunden. Die Schneeschuhabhangrenner wählten ähnlich dem Aufstieg Ihre verkürzt geradlinige Route Richtung Hütte. Erstaunlich wie schwierig es ist im steilen Gelände auch mit den breiten Schneeschuhen seinen Weg zu halten. Es waren für diese Gruppe heute auch 700 hm und damit genug.

Gipfel
Gipfel
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Die Speedgruppe montierte dagegen wieder die Felle und zog Ihre Linie erneut auf den nächsten Gipfel, die Silberkarspitze (2.010m). Es ist der Nachbargipfel vom Bäreneck und seine steile Variantenabfahrt ist schon weit aus dem Tal her sichtbar. Es kribbelte wohl zu sehr unter den Nägeln noch heute auf den Brettern diesen Hang zu durchwedeln. Weil alle morgens Anwesenden am Abend auch wieder am Tisch saßen, gehe ich von einem erfolgreichen zweiten Tagesgipfelerlebnis aus, was damit ca. 1200 hm für unsere schnelle Speedgruppe sein durften.

Während des Spieleabends meldete Matthias erneut gute Wetterbedingung. Unsere Knochen hatten ihre Einlaufphase im alpinen Schnee soweit hinter sich gebracht. Demnach stand einer längeren Unternehmung nichts im Weg.

Der Auftakt unseres Tag 4 startete etwas beschwerlich. Die Wegbeschreibungen könnten wohl präziser ausfallen; jedenfalls haben wir wohl die Machete daheim vergessen. Die Wegführung wurde glücklicherweise nach kurzer Dauer besser und ein gleichmäßiger Aufstieg in herrlich warmer Sonne möglich. Es waren traumhafte Bedingungen nachdem wir aus dem Bergschatten heraufstiegen und die Klamotten abwerfen konnten.

Die handvoll junger Schneeschuhgeherinnen um Günter nahmen gleich den Weg zur Sonntagsspitze (1.990m). Die Speedgruppe wählte den Umweg über die Schwarzkarspitze (1.995m). Aus den anstrengenden, teils steilen Waldpfaden heraus sahen wir auch schon die Schwarzkarspitze. Wie am ersten Tag schoben wir uns durch den Schusterboden immer höher. Die Schneeverhältnisse mal tief, mal fest wechselten mit Schatten und Sonne, genau wie mit Windstille und Sturm oder Steil- und  Flachheit, besonders im höheren Schwarzkar.

Wir befanden uns kurz vor eine der schönsten Aussichten dieser Woche. Über den breiten und nur leicht ansteigenden Grad verliefen die letzten Höhenmeter zur Spitze, doch wählten wir den Umbauplatz für unser Material einige Meter tiefer im Lee des stark böenverwöhnten Grades.

Eine total frische und großartige Tiefschneevariante lachte uns breit an. Eher flach als steil, aber doch ein wahrer Gaumengenuss für unsere Tiefschneeakrobaten oder Surfer - wenn da nicht schon ein fremder, nennen wir Ihn Zivilist, sich in unserer Pause vor unseren Augen diese Abfahrt ins Mösnerkar als erster ergaunert hätte. Naja, warum nicht auch mal Zivilisten die Lawinensicherheit testen lassen?

 

Relaxen
Relaxen
Foto:

Leider war auch diese Variante viel zu kurz. Die Haselnussbüsche und Nadelbäume standen quasi im Handumdrehen wieder neben uns oder besser bemerkt: "ich glaub' ich stehe im Wald". So fiel das Finale unserer ersten Halbzeit wieder mal anstrengend aus.

Schön, dass wir am Fuß unseres zweiten Ziels, der Sonntagsspitze in karibischem Sonnenschein die Felle wieder unter die Bretter montierten. Wieder lagen 500 hm vor uns oder über uns, ich weiß nicht. Hinauf in einer anfangs fast geraden Linie blendete der Schnee die Augen durch die leicht getönten Brillen (trotzdem herrlich), später ging es in 12 Serpentinen und teilweise richtig tiefen Schnee Günters girlsgroup entgegen. Sie hielten sich schon eine ganze Zeit auf der Sonntagsspitze auf.

Wir zwei Boarder auf Schneeschuhen brauchten für diese anspruchsvolle Passage tatsächlich einige Minuten länger. Doch auch die beiden zog die Erwartung an die zunächst letzte Tiefschneeabfahrt den Berg hoch. Die Abfahrt durch das Sonntagskar hatte tatsächlich einen kleinen Hauch von Abenteuer, einen größeren von Steilheit! Wir genossen die Show der Abfahrer, die einzeln in den Hang glitten und Ihre persönlich Technik in den Hang schrieben. Besonders Martins Schrift war sehr markant, der an Stelle seines Leki lieber ein Seerohr hätten dabei haben sollen. Hiermit das Kompliment an Ihn, sich als Ski-Anfänger dermaßen durchgekämpft zu haben.

Bis die dichten Büsche das Leben wieder schwerer machten war die flotte Abfahrt eine kurze aber sehr süße Erfahrung. Auf verschiedenen Wegen kämpften wir uns erneut bergab zum schon lange in Sichtweite liegenden Ziehweg, der auf direktem Wege bis an unsere Hütte heranführt. Ein Teil der Gruppe versuchte noch einen weiteren Aufstieg, der wegen der kommenden Dunkelheit verkürzt werden musste. Trotzdem dürfte dieser Tag für geschaffte 1500 hm gut gewesen sein und in Erinnerung bleiben, nicht nur wegen der bemerkenswerten Fußblasen (wer hatte eigentlich keine?).

Die Silvesternacht fiel eher kurz aus. Wer kennt das nicht? Viel frische Luft bei einem gewissen Grad an Bewegung, das vorzügliche und nun reichhaltige Dinner im Bauch lässt keinen großen Tanz mehr erwarten. Der Jahreswechsel kam mir sehr herzlich vor. Schließlich waren wir alle uns nicht mehr so fremd wie vielleicht noch einige Tage zuvor, waren Tag und Nacht zusammen und konsumierten ca. 5 Kilo Erdnüsse und 2 Kilo Schokolade und nun 5 Flaschen Sekt - gefehlt hat es nur an Wenigem. Wenn wir demnächst von Höchstleistungen sprechen, können wir an dieser Schraube aber noch drehen, da geht noch was!

Generell war es eine super gelungene Woche unter Leuten, die sich gut verstanden und neben besonderen Erfahrungen auch ein paar schöne Spieleabende erlebt haben.

Unser Neujahrstag 5 lockte die Sonne leider nicht wieder hinter dem Ofen vor. Damit kamen wir zu unserer letzten Alternative: Besuch der Planneralm, einem Skigebiet 2 Täler entfernt mit 2 Sesseln und 7 Schleppern, relativ flachem, schneearmen Gelände, erreichbar nur mit dem Auto.

Tja, ein paar Unerschütterliche versuchten auch hier noch Varianten zu finden und zu fahren, doch blieb an diesem Tag der richtige kick aus. Das Pistenerlebnis braucht ja nicht weiter beschrieben zu werden, es war eben unauffällig gut. Besser dagegen war nach Rückkehr Donnersbachwald die erneute Skidoo Expressfahrt vom Parkplatz zurück und hoch zur Mörsbachhütte.

Für den Großteil der Leute begann nun mehr oder weniger die Vorbereitung für die Abreise.
Matthias managte auch seinen letzten Akt, den Transport der Klamotten zurück zum Parkplatz, genauso souverän wie die erlebten Bergtouren.

Wir alle verließen die Hütte nach dem Frühstück. Einige Hardliner mit Sonderurlaubsaufschlag wechselten auch noch zur Bochumer Hütte in den Kitzbühler Alpen und tourten tags drauf auf den Saalkogel (2.080m), später noch auf die beiden Hahnenkampl (1.850m) und Laubkogl (1.760m). Damit und mit seiner Rotznase hatte zumindest Matthias eine verlängerte Ruhepause im Anschluss nötig (hat er sich auch verdient).

Markus Tschentscher

Bildergalerie von Günter und Brigitte

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 23. Januar 2005