Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2010
Hochtourengruppe

Loutra - neue Kletterrouten am Mittelmeer

Kai Maluck
Neutour „Malwina“
Gaby Lappe und Gerhild Jüttner in ihrer Neutour „Malwina“
Foto: Kai Maluck

„Stand“ – die erste Seillänge einer neuen Kletterroute in Loutra ist geschafft. Unter mir liegen 25 Meter Felswand, die noch vor kurzer Zeit geheimnisvoll, aufregend und eben undurchstiegen über mir aufragten. „Welche der möglichen Linien könnte wohl die schönste und interessanteste sein, wo könnten wir in zu schwieriges Gelände geraten, wo in lästiges Gestrüpp oder brüchigen Fels?“ All diese Fragen hatten wir, Gaby Lappe, Ralf Hartzsch und ich, am Wandfuß stehend diskutiert. Dann ging es los, über eine Rampe nach rechts hinauf, dann einem Riss aufwärts folgend hinein in immer spannenderes Gelände. Je höher ich kam, desto ungenauer war der Fels, den ich hier vorfand, vom Wandfuß aus zu erkennen gewesen. Die Fragezeichen nahmen also nach oben hin sozusagen zu: Würde die von unten denkbar erscheinende Linie wirklich kletterbar sein? Würde vielleicht irgendwo eine Passage von nur ein, zwei Metern auftauchen, über die ich einfach nicht hinüber kommen würde? Wäre dann ein Umweg möglich oder würde sich nach vielen erfolglosen Versuchen schließlich zeigen, dass es außer der direkten Abseilfahrt nach unten keinen gewissenhaften Ausweg von dort geben würde?

Ralf Hartzsch hat den überhängenden Wasserstart der 'Tiefsee' bereits geschafft
Ralf Hartzsch hat den überhängenden Wasserstart der 'Tiefsee' bereits geschafft
Foto: Kai Maluck

Als ich schließlich am Standplatz stehe, weiß ich, dass es tatsächlich einen schönen und spannenden Weg durch den unteren Teil dieser Wand gibt. Und der liegt jetzt noch vor Gaby und Ralf. Die beiden kommen dort unten am Einstieg, der gleichzeitig das Ufer der Ägäis bildet, langsam in Bewegung, und während ich auf sie warte, zieht es meinen Blick immer wieder aus der aufregend-rauen Tiefe unter mir hinaus in die weite, ruhige und harmonische Ferne des Meeres. Auch das, was sich jenseits dieser Wassermassen am Horizont erhebt, wirkt faszinierend: Unser neues Klettergebiet von Loutra befindet sich ungefähr am Ende einer in das Mittelmeer hineinragenden Halbinsel, und so können wir von diesem hervorragenden Aussichtspunkt aus immer wieder die weiß verschneiten Hänge des Olymp erkennen, die Küsten Thessaliens, deren Lichter man oft abends herüberleuchten sieht und im Süden sogar die einzelnen Spitzen der Inselgruppe der Nördlichen Sporaden, die aus dem Meer herausragen.

an den „Strandtürmen“
Kai Maluck an den „Strandtürmen“ von Loutra
Foto: Gaby Lappe

Ein Kletterurlaub in Loutra auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki ist eben nicht ausschließlich ein Bergurlaub und erst recht kein typischer. Die Kombination aus der steilen, spannenden Klippenwelt, aus der man immer wieder mit zerkratzten Armen und voller faszinierender Erlebnisse im Kopf zurückkehrt einerseits, und der ruhigen, angenehmen Weite des Meeres, die man im warmen Kies am Strand oder eben auch von den Spitzen der Felsen aus genießen kann andererseits, ist etwas ganz besonders vielseitiges und schönes.

Sonnenuntergang hinter dem Olymp
Sonnenuntergang hinter dem Olymp
Foto: Kai Maluck

Vielseitig und schön waren schon die ersten Badeund Kletterurlaube, bei denen ich Anfang der 1990er Jahre als Jugendlicher den Ort Loutra kennengelernt habe, endlose Boulderquergänge über dem Meer geklettert bin und bei denen ich den Ort unheimlich gern gewonnen habe. Schön war es auch, im Herbst 2009 mit Gerhild Jüttner und Gaby Lappe hierher mit ernsterem Klettergepäck zurückzukehren und „richtige“ Routen zu klettern.

Nach einem Kurzurlaub im Januar/Februar fand dann im Frühjahr 2010 noch eine weitere Fahrt mit Gaby Lappe und Karina, Alicja, Ralf und Tim Hartzsch statt, bei der wir uns auch Gedanken über zukünftige Reisen gemacht haben: Denkbar wäre zum Beispiel eine Kombination aus einer Woche in Loutra und einigen Tagen am Olymp, wo man mit alpinem Felsklettern und Wanderungen auch einmal dem Namen unserer Hochtourengruppe etwas eher gerecht werden könnte ;) . Alternativ zum Olymp würden sich auch noch die Felsen von Meteora mit ihren mittelalterlichen Klöstern, spannenden Wanderpfaden und Kletterrouten von bis zu mehreren hundert Metern Länge anbieten. Es gibt hier noch viel zu entdecken – bestehende Wege, denen man folgen, und neue, die man erschließen kann.

Einen Kletterführer über Loutra und seine bisher erschlossenen Routen gibt es inzwischen auf den Webseiten der Hochtourengruppe

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. August 2010