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Aktiv für den Klimaschutz

Ein Förderprojekt der Österreichischen Forschungsfördergesellschaft (FFG)

klima+energiefonds

Österreichischen Forschungsfördergesellschaft

Das Projekt der energetischen Sanierung der Braunschweiger Hütte, realisiert im Rahmen der General­sanierung der Hütte, wurde maßgeblich unterstützt aus Mitteln des österreichischen Klima- und Energiefonds. Dieser Fond wird verwaltet von der Österreichischen Forschungs­förderungs­gesellschaft mbH (FFG), Wien. Der beigefügte Bericht des Referates Hütten und Wege des DAV-München informiert über die Zielsetzung und die erfolgreiche Abwicklung des Projektes.

1. Ausgangssituation/Motivation des Projektes

Die Braunschweiger Hütte – vor der energetischen Sanierung
Die Braunschweiger Hütte – vor der energetischen Sanierung

Die Braunschweiger Hütte (2759 Hm) im Pitztal, Ötztaler Alpen/Tirol ist eine hochfrequentierte Schutzhütte und Stützpunkt für die Begehung der Bergwelt Ötztaler Alpen im Gebiet der Wildspitze und für den Fernwanderweg E5.

Auf der Hütte werden Lehrgänge der einzelnen Sektionen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins durchgeführt. Die Teilnehmer werden nicht nur in bergsportlichen Fertigkeiten unterwiesen, sondern im Rahmen von Umweltbildungsmaßnahmen für einen sorgsamen Umgang mit der empfindlichen Natur sensibilisiert. Ein hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz verantwortungsbewusster Hüttenbetrieb ist die Motivation für die umfangreichen Eingriffe.

Die Braunschweiger Hütte wurde 1892 eingeweiht und in den Folgejahren partiell erweitert. Einstige Außenwände bilden heute teilweise Innenwände. Ein Sanitärtrakt, für damalige Verhältnisse sehr großzügig, wurde jeweils in den Etagen des Schlafhauses an die ehemalige Außenwand der Hütte angebaut. Sowohl die Energieversorgung als auch die Beheizung der Hütte (Schwerkraftheizung mit Koksbestückung, Elektroheizungen) entsprachen weder dem heutigen Verständnis von Energieeinsparung noch dem eigenen Anspruch an die Vermeidung klimaschädlicher Gase.

Unterfangungsarbeiten Marode Fenster
Marode Fenster und Unterfangungsarbeiten

Die erzeugte Wärme in der Hütte konnte nahezu ungehindert Fenster, Türen und vor allem die Decken und die Dacheindeckung der Hütte passieren. Diese Defizite galt es gemäß den Möglichkeiten einer modernen energetischen Sanierung zu beheben.

Ein gravierendes Problem war zudem die Schimmelbildung infolge des Feuchtigkeitsausfalls in den unbeheizten Sanitärbereichen.

Die bestehenden gewerblichen- und brandschutztechnischen Ausstattungen machten eine Anpassung an geltende behördliche Auflagen erforderlich. Sie konnte keine Maßnahmen zu Vermeidung und Anpassung an den Klimawandel aufweisen, weder eine entsprechende Wärmedämmung der Gebäudehülle zur Energieeinsparung noch Versorgung entsprachen einem modernen, umweltbewussten Stand der Technik.

2. Beschreibung der Maßnahmen

Um genannten Ansprüchen an den Klimaschutz zu begegnen ist eine CO2 neutrale Wärmeerzeugung sowie Warmwasseraufbereitung auf der Hütte geplant.

Hierzu wurden von 2009 bis 2011 folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Installation einer Holzpelletheizung mit Pufferanlage als Ersatz für die bestehende Koks-Kohle Heizung.
  • Einrichtung einer thermischen Solaranlage.
  • Wärmedämmung der Gebäudehülle und des Daches.
  • Einbau von Energiesparfenstern und Außentüren.
Bauen im Hochgebirge – Einfliegen der Bauteile
Bauen im Hochgebirge – Einfliegen der Bauteile

Nach Angabe des Betreibers der Hütte wurden bislang während des Winter- und Frühjahrsbetriebs 16-18 Tonnen Koks-Kohle benötigt.

Ein Ausfall dieses fossilen Energieträgers würde eine Substitution von 50 Tonnen CO2 allein im Rahmen des jährlichen Winterbetriebs bedeuten.

Um den Anforderungen an das Bauen im Hochgebirge gerecht zu werden, betrug die Projektdauer 11 Monate verteilt auf 3 Jahre. Witterungsbedingt ist der Betrieb einer Baustelle auf 2700 Hm nur ca. 4 Monate im Jahr (nach Schneelage und Temperatur von ca. Mitte Mai – Mitte September) möglich. Projekte, die in Tallage im Laufe eines Jahres durchgeführt werden können, werden dann wie im vorliegenden Fall sehr zeitaufwändig. Nicht nur die lange Bau- und Vorhaltezeit, sondern auch die fehlende Zufahrtsmöglichkeit machen Bauprojekte im Hochgebirge sehr kostenintensiv. Im vorliegenden Projekt ist ein Transport der Baustoffe fast nur durch Hubschraubertransport und über eine Materialseilbahn möglich. Nicht nur die Bauzeit, sondern auch die Baukosten steigen hierdurch erheblich.

Wärmedämmung der Gebäudehülle
Wärmedämmung der Gebäudehülle

Trotz der oft widrigen Wetterlage konnten die geplanten Bauabschnitte termingerecht eingehalten werden. Projektsteuerung detaillierte Planung der Arbeiten für die drei Bauabschnitte (2009, 2010, 2011) ermöglichten sowohl die Aufrechterhaltung des gesamten Hüttenbetriebs als auch eine Beibehaltung der Übernachtungszahlen.

Gewissenhafte Koordination aller Beteiligter und realistische Planung der Teilgewerke machten eine termingerechte Fertigstellung bei einer steten Gewährleistung der Sicherheit für die Projektbeteiligten und Gäste möglich.

Im ersten Bauabschnitt (2009) wurden nahezu alle Außenarbeiten, der Abriss alter Gebäudeteile und der Wiederaufbau des Baukörpers entsprechend der genehmigten Einreichunterlage durchgeführt. Darunter fallen beide Gebäudekomplexe, ein neuer Eingang für den Winterraum mit Wintertoilette und zusätzlichem Schlaf-Lager sowie das neue Treppenhaus mit Aufstockung des Mitteltrakts und gänzlich anderer Dielenführung.

Im zweiten Bauabschnitt (2010) erfolgte der Abriss der alten Dächer des Ost-und Westtraktes und der Ausbau der zweiten Etage im Mittelhaus, um den Zugang zu den Personalräumen wieder herzustellen. Die neuen Dachkörper wurden an die beiden Dächer des Haupt-und Schlafhause angeschlossen, danach begann der Aufbau der thermischen Solaranlage. Die komplette Sanierung mit Neueindeckung der Dächer entsprechend der Wärmeschutzverordnung schloss die Arbeiten dieser Bauphase ab.

Im dritten Bauabschnitt (2011) wurden vorwiegend Arbeiten an den Innenbereichen durchgeführt. Wärmedämmende Fenster und Türen, die Ausstattung des Gästeumfelds und des Theken- und Ausgabebereichs wurden eingebaut sowie die Be-und Entlüftung der Sanitärbereiche fertiggestellt. Die projektgemäße Fertigstellung der Baumaßnahme mit der Installation der Pelletheizung und eingebundener thermischer Solaranlage erfolgte Anfang September 2011.

3. Zielerreichung – mit Hindernissen

Generell kann festgehalten werden, dass Umbau bzw. Sanierung der Braunschwaiger Hütte erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Nach der Hüttensaison 2011/2012 liegen uns Messdaten für Energieverbrauch und Energieeinsparung vor, die eine Auswertung und im diesem Zuge auch eine fundierte Empfehlung auf Basis hinreichender Erfahrungswerte zulassen.

Dämmung der Dächer, MOntage der thermischen Solaranlage
Dämmung der Dächer, MOntage der thermischen Solaranlage

Gemäß eines üblichen Projektablaufs haben unvorhersehbaren Mängel auch die Arbeiten auf der Braunschwaiger Hütte stets begleitet. Große Probleme bereitete die ergiebige Schneelage bis ins späte Frühjahr 2010 und der hierdurch verspätete Baubeginn. Auch die Wetterlage im Sommer 2010 führte zu erheblicher Mehrbelastung und erforderte umfassende Koordinationsleistung seitens aller Beteiligter.

Eine besondere Erwähnung verdienen die Minimierung der Schnittstellen zwischen Baumeister-/ und Zimmermannsarbeiten, dies war von Anfang an ein wesentliches Kriterium bei der Vergabe der Gewerke.

Die Vergabe beider Gewerke an eine Firma hat sich nicht zuletzt wegen der Reduzierung der unabwendbaren Schwierigkeiten und dem hierdurch erfolgten Mehraufwand an Koordination als absolut richtig erwiesen.

Die Wahl regionaler Handwerksbetriebe und deren Erfahrung mit den Arbeitsbedingungen im Hochgebirge war maßgeblich.

Braunschweiger Hütte im September 2011
Braunschweiger Hütte im September 2011

Des Weiteren halten wir die „millimetergenauen“ Bauleistungen der Zimmerleute beim Aufbau der neuen Etage des Mittelhauses in Holzfertigbauweise und die Arbeit des Helikopterpiloten samt Crew beim Einfliegen der Elemente für beachtliche Leistungen mit hoher fachlicher Kompetenz.

Final sei die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten unter der Projektleitung von Ernst Pfeifer erwähnt, ohne diese Leistung wäre sowohl der Baufortschritt als auch die Aufrechterhaltung des Hüttenbetriebs nur schwer möglich gewesen.

Die Dämmung erweist sich als höchst effizient, so konnten sämtliche Elektro-Direktheizgeräte (bereits vor Inbetriebnahme der neuen Heizung) in den verschiedenen Räumen aufgelöst werden. Neben der Energieeinsparung kann so auch die Brandgefahr minimiert und die Sicherheit der Gäste deutlich erhöht werden.

Die aufwändigen energetischen Sanierungsmaßnahmen wurden durch eine umfangreiche Förderung des Klima- und Energiefonds der Österreichischen Forschungsfördergesellschaft (FFG) möglich.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 23. Januar 2012