Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2013
Klettergruppe

Gestatten: Kanstein!

Dirk & Volker

 Wer kennt das nicht. Im Sommer ist bestes Kletterwetter und frohen Mutes fährt man in den Ith, weil der Harz ja so gruselig und wild ist. Aber oh weh. Im Ith angekommen, erschreckt man sich, wie wenige Menschen einen Felsen einen ganzen Tag beschäftigen können. Immer voran die „Tulpenzwiebeln“, die ja alle einen weißen Kletterhelm zur Konfirmation kriegen. Der einheimische Kletterer irrt also hilflos zwischen den mit Seilmakramee verzierten Felsen umher, um dann einen freien, aber gruselig gesicherten Sechser zu klettern, wo der erste Haken in 7 Metern Höhe steckt. Ist dann noch Vogelbrut und der halbe Ith gesperrt, geht man am besten gleich Boot fahren auf der Örtze.

Kansteinfahrer
Volker Schwarz

Aber das muss ja nicht sein. Deswegen haben Dirk und ich beschlossen, die Mitglieder der Klettergruppe an unserem Wissen um geheime Kletterfelsen im Ith teilhaben zu lassen. Eigentlich sind die gar nicht geheim. Sie stehen alle auch in dem neuen Kletterführer. Trotzdem geht da nie jemand hin. Na vielleicht nicht nie. Aber schon eher selten.

Dies ist also die Geschichte von 12 unerschrockenen Kletterinnen und Kletterern und zwei Hunden, die aufbrachen in unbekannte Weiten, um neue Welten zu erobern, die sie noch nie betreten hatten.

Als Ziel hatten wir den Kanstein ausgesucht. Nicht zu weit zu laufen, genug Felsen, ausreichend Haken und wenig Besuch.

Aber schon bei der Anfahrt macht die Gruppendynamik die ersten Schwierigkeiten. Alle fanden sich auf dem kleinen Wanderparkplatz ein, nur Ellen und Olaf nicht. Sie ließen sich von einer größeren Ansammlung Autos an der Kansteinhütte blenden und gesellten sich dort dazu. Dies war allerdings eine Veranstaltung der Sektion Hannover und sie somit da falsch. Aber Dank der modernen Telekommunikation konnte dieses Problem behoben werden. Also wurde der Aufstieg zu den Felsen gestartet. Oben angekommen, wurden gleich 2 Routen am Vogelbeerfels in Angriff genommen. Ich kletterte einen Vierer und Dirk wagte sich in eine „cleane“ Fünf und nicht ganz einfach für den Grad. Dies schützte uns jedoch nicht vor dem Spott Bubus, welcher despektierlich bemerkte: „Na, an der Einstiegsroute hängengeblieben?“

Dann trudelten auch Ellen und Olaf ein. Mit Hund. Leider vertrug dieser sich nicht mit Brenda, dem Hund von Marion. Da der Klügere ja nachgibt, haben wir uns also in 2 Gruppen aufgeteilt - ein Felsen war ja eh zu klein für so viele Menschen auf einmal. Aber dann  lief es wie ein Länderspiel unter Jogi. Als zusätzliche Kurzweil kamen noch die Mitglieder des DAV Hannover vorbei, nicht wenige an der Zahl und teilweise mit Kuchenplatten in den Armen. Eine durchaus respektable Leistung, den Kuchen zu den Felsen zu tragen, leider an uns vorbei. Dafür wurden wir am Nachmittag mit Volksmusik entschädigt, die der Wind von der Kansteinhütte zu uns herübertrug.

Gegen 16 Uhr machten wir dann Feierabend und fuhren zum Campingplatz in Capellenhagen, ein kleines privates Kleinod mit warmer Dusche und jägergrün gestrichenen Telefonzellen als Toiletten. Sehr malerisch. Wir haben gegrillt und Feuer gemacht und den Tag ausklingen lassen. Als letzte Grosstat wurde noch beschlossen, am Sonntag ein weiteres Klettergebiet kennenzulernen. Brunkensen sollte es sein.

Der Sonntag begann früh, zumindest für Martin und mich. Martin wollte heim zur Familie, so dass ich mich bereit erklärt habe, schon vor dem Frühstück mit ihm schnell in Lüerdissen ein paar Routen zu klettern. Also um Sieben Uhr hoch, rein ins Auto und los. Auf dem Zeltplatz war noch gemütliche Frühstücksstimmung. Wir hatten aber keinen Blick dafür, strebten eilig über die  Wiese, hinein in den Wald und hinan zu den Felsen. Erst am Twägerstein und dann am Krokodil wurden schnell 3 Routen geklettert, und um halb Zehn waren wir wieder bei den anderen. Da wurde schon gepackt und bald fuhr Martin nach Braunschweig und wir anderen nach Brunkensen.

Auf der Hälfte der Strecke versperrte uns eine Baustelle in der Ortsmitte die Durchfahrt. Aber getreu dem Motto „Tod oder Schande“ stürzten wir uns ins Abenteuer, diese rechtswidrig zu durchqueren. Dies gelang auch allen Fahrzeugführern bravourös. Noch trunken vom Sieg über die widrigen Umstände, entstiegen wir in Brunkensen auf dem Parkplatz den Automobilen. Eine Freude, die von Olaf mit dem Hinweis „das sei jetzt aber ein Umweg gewesen, sage das Navi“, stark getrübt wurde. Traurig, aber entschlossen, strebte man zu den Einstiegen, wo die Kletterchefs dem „Sich-mit dem-Navi-Auskenner“ es mal zeigen wollten, wo denn der richtige Weg verläuft. Dies gelang dann auch zur Freude aller, bis die Hände nicht mehr zugingen. Was, dem anstrengenden Vortag geschuldet, bereits gegen halb drei der Fall war.  

Auf dem Parkplatz wurde noch ein Foto gemacht und dann die Heimreise angetreten. Eine nette Aktion, die wir nächstes Jahr sicher wiederholen werden.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 19. November 2013