Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2015
Klettergruppe

Was ist eine „Einstiegsquacke“ oder wie geht Genussklettern?

Volker Schwartz und Dirk Reinecke

Als nass könnte man meine Klamotten bezeichnen, als ich mit meinem Fahrrad an der Kletterwand ankam.

 bis 3 Tassen Kaffee bei Sonnenschein
Foto: Marc Niemann

Nachdem dann Volker ernsthaftmeinte, wir sollten bei diesem Wetter doch eher wieder nach Hause fahren und uns am Sonntag noch mal treffen, um einen Tagesausflug in den Ith zu starten, schaute ich auf dem (in Ermangelung einer Lesebrille) eher verschwommenen Bildschirm meines Smartphones in der Wetterapp nach und konnte nun feststellen, dass das Wetter im Zielgebiet vorzüglich sein sollte. Dabei war mir allerdings entgangen, dass diese Info noch von vor 3 Tagen war. Trotzdem schwenkte Eva in die „Schönwettertheorie“ ein und beschrieb nun auch die Wettersituation bei Marienau in den schillerndsten Farben. Also fuhren wir los.

Erst kurz vor Hildesheim (es regnete immer noch Bindfäden) und nachdem ich meine Lesebrille gefunden sowie ein Update meiner Wetterapp vorgenommen hatte, kam mir ein wenig Zweifel.

Als wir dann aber am Naturfreundehaus in Lauenstein angekommen waren und nachdem wir 1 - 3 Kaffee bei schönstem Sonnenschein vor aufgebauten Zelten genossen hatten, konnten wir uns auf den Weg zum Klettergebiet an die Marienauer Klippen machen.

Im Klettergebiet 1) angekommen, mussten wir dann feststellen, dass doch nicht jeder Griffin einwandfreiem Zustand war (Grip 2)). Aber was tut man nicht alles für ein sorgenfreies Plaisirklettern 3), also begannen Frank, Volker und ich ein paar Routen 4) einzuhängen.

Lochturm SW-Wand unter dem Dach
Foto: Marc Niemann

Frank versuchte sich erfolgreich an der im unteren Bereich noch leicht feuchten, „Phillipskante“ (Schöne Einstiegsroute, gut abgesichert).
Anne zeigte auf einen fast cleanen 5) Riss und meinte: „Das ist doch mal‘ ne schöne Route! Hängste die ein 6)?“

Nachdem ich mich da hochgezittert hatte (zwischen „Bush Zombie“ und „Direkter Golfpfeiler“), hatte Volker schon zwei Routen eingehängt.

Wieder unten angekommen, sagte ich zu Carsten: „Ist „gegengleich redundant“ 7) eingehängt!“ Nachdem dieser mich etwas ungläubig anschaute, meinte ich zu ihm: „Na ja, zwei baugleiche Schrauber gegenläufig im Haken...“ Das musste ich ihm dann jedes Mal, wenn ich eine Route Toprope 8) eingerichtet hatte, aufs Neue erklären.

Die schönsten Routen (beide gut abgesichert), finde ich, sind: „SO Wand“ (Große Philipsklippe) und „SW Wand“ Hohestein.

Der Abend ist schnell erzählt. Hier ein paar Stichpunkte:
Grillen, viel Spaß (hier zum Beispiel das Ausdenken von lustigen Sprüchen auf DAV T-Shirts), Planen des nächsten Tages... Trotzdem relativ frühes Zubettgehen.

Am Sonntagmorgen dann Aufbruch zu den Bisperoder Klippen.

1 1/2 Stunden später sind wir dann nicht an der „Einstiegsquacke“ 9) hängengeblieben sondern haben uns, ein paar Felsen später, am Lochturm-Wächter und Lochturm abgearbeitet. Auch hier hatten wir viel Spaß und konnten unsere Kletterkünste sowohl im Toprope als auch im Vorstieg 10) ausbauen. Für mich die schönsten Routen waren hier (beide am Lochturm) „SW-Wand“ und „S-Kante“ Und zur Krönung noch ein Gipfelbuch auf dem Lochturm.

Gruppenbild Bisperoder Klippen auf der „Einstiegsquacke“
Foto: Dirk Reinecke

Am Ende am Parkplatz zurück, waren sich alle einig: „Nach der Klettergruppenfahrt ist vor der Klettergruppenfahrt!“

(1) Klettergebiet: Mit mehreren Kletterrouten erschlossenes Gebiet.

(2) Grip: Englisch für Griff, Griffigkeit, Haftvermögen. Bezeichnung für die Griffigkeit der Griffe beziehungsweise für die Höhe der Reibung der Finger und Handinnenflächen am Fels. Bezeichnet auch die Höhe der Haftreibung von Kletterschuhen auf Reibungstritten.

(3) Plaisir(klettern) (franz.: für „Vergnügen“): Gut gesichertes Genussklettern.

(4) Route: Kletterweg, welcher mit einem Kletterseil bewältigt wird (Synonym: Tour).

(5) Clean Climbing (engl. für „Sauberes Klettern“): Nur mit Klemmkeilen, Knotenschlingen und Aktiven Klemmgeräten abgesichertes Klettern, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen.

(6) Einhängen: Das Seil in einen Karabinerhaken einhängen (Synonyme: Clippen, Klippen, Klinken).

(7) Redundanz: Allgemeiner Begriff, mit dem im Bergsport eine doppelte Absicherung zum Beispiel durch zwei Schraubkarabiner bezeichnet wird.

(8) Toprope: Klettern mit Seilsicherung von oben.

(9) Quacke: Begriffaus der sächsischen Schweiz für ein 3-10 Meter hohes, freistehendes Felsgebilde, dessen Gipfel nur kletternd erreicht werden kann.

(10) Vorstieg/Vorsteigen: Das Klettern mit Seilsicherung von unten. Voraussetzung für eine anerkannte Begehung einer Kletterroute.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 16. August 2015