Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2016
Skigruppe

Wollt Ihr nach Rondablikk oder lieber woanders hin?

Hermann Fischer

Diese Frage, gestellt vom Norwegen-Langlauf- touren-Profi Helmut Hielscher zu Beginn einer Planung für eine Langlauf-Tour in Norwegen, ist sicher ganz normal. So auch geschehen zeitig im Jahre 2015. Die Entscheidung lautete: Rondablikk. Wer noch nicht das richtige Kartenmaterial besitzt, besorgt sich dieses; GoogleRecherchen werden angestellt, kurzum die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren. Doch welch eine Überraschung: 4 Tage vor der Abreise wird die Frage erneut gestellt und als Ziel Gålå vorgeschlagen!

Aufstellen zum Gruppenfoto!

Was war geschehen?

Gålå Høgfjelllshotell

Das in Rondablikk gebuchte Hotel hatte vorübergehend seine 180 Betten für die Unterbringung von 230 Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Um auf sich und ihre Not aufmerksam zu machen, setzten die Flüchtlinge das Hotel durch Öffnen der Wasserhähne und Verstopfen der Abflüsse im wahrsten Sinne des Wortes unter Wasser, was dazu führte, dass von dem Hotel eigentlich nur noch die Außenmauern unversehrt erhalten blieben. Glücklicherweise hatte unser Reiseveranstalter Sausewind die Situation rechtzeitig mitbekommen und durch Erkundungen vor Ort klären können, dass den Beteuerungen des Hotelbetreibers, das Haus sei am 22.02.16, dem Tag unserer Ankunft, schon wieder bezugsfertig, kein Glauben zu schenken war.

Keinen der gemeldeten Teilnehmer konnte das ernsthaft erschüttern. Binnen Stunden hatte Helmut das Okay für das neue Ziel und los ging es am Sonntag, dem 21. Februar mit dem Bus gen Norden, nun nach Gålå †(gesprochen: Golo).

Von Braunschweig bis Kiel begleitete uns der Regen, im Kattegat erzeugte der Sturm 3 m hohe Wellen, Oslo aber begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein, und auf der Weiterfahrt zum neuen Urlaubs-Domizil wurden die Schneemassen rechts und links der Straße immer mächtiger und leuchtender. Langläufer-Herz, was willst du mehr?

Puh! Es geht bergauf

Auch das Hotel fand unsere volle Zustimmung; insbesondere konnten wir eine überaus freundliche, fast schon familiäre Betreuung genießen. Alles, was ein müder Langläufer benötigt, war da, und wenn einmal nicht, wurde es im Nu beschafft.

Loipen in herrlicher Landschaft

Gleich am ersten Tag stand eine Tour nach Fefor auf dem Programm, ein Hotel, in dem wir im Jahre 2006 zwei Wochen zu Gast waren. Es waren nur 16 km, aber schon 2006 hatten einige Teilnehmer geschworen, dass sie die Strecke Gålå†-Fefor nie mehr laufen werden. Zumindest fiel ihnen das unterwegs ein, als sie erneut steile Höhen im Grätsch-Schritt erklommen. Zu spät! Schön ist es trotzdem, wenn man den inneren Schweinehund besiegen kann. Außerdem waren die Strapazen sehr schnell bei der KaffeePause im Hotel vergessen, zumal der Bus uns dann zurück nach Gålå †brachte.

Wohin jetzt?

An den folgenden Tagen mussten wir feststellen, dass das Langlaufgebiet um Gålå sehr viele Loipen anzubieten hat, die sich durch ein recht hügeliges Gelände schlängeln und deshalb so manchen Schweißtropfen auf Stirn und Rücken zaubern. Aber bei strahlender Sonne, herrlicher Landschaft und vor allem auch mit einer SchneeQualität, die keinerlei Wachsprobleme verursachte, boten selbst anstrengende Touren ein nahezu ungetrübtes Vergnügen. Die Landschaft ist reich gesegnet mit größeren und kleineren Seen, an denen die Loipen häufig entlang führen. Ob die rechts und links liegenden, in der Sonne glitzernden ebenen Schneedecken allerdings einen See oder nur ebenes Land unter sich verbargen, konnte man nur auf der Karte oder auf dem GPS ergründen. Weiß, weißer, am weißesten, so erschien uns die Landschaft, die wir auf exzellent präparierten und gut beschilderten Loipen durchwandern durften.

Wohin mit
dem Teller?

Viel Vergnügen bereitete allmorgendlich der Anstieg vom Hotel zur Loipe: Ein Tellerlift forderte nämlich von den 70jährigen Handgriffe, die ihnen als 7jährige entschieden leichter gefallen sind.

Daten aus dem GPS-Gerät

Am Nachmittag zurück im Hotel gönnte man sich eine Tasse Kaffee, meist bereichert durch ein Schmankerl, und die GPS-Nutzer verglichen ihre aufgezeichneten Daten wie zurückgelegte Kilometer und überwundene Höhen. Anhand der neuesten Wettermeldungen, die stets an der Rezeption auslagen, wurden die Pläne für den nächsten Tag besprochen.

Da das Hotel nur in Eigen-Regie von Sausewind betrieben wurde, enthielten die beim Abendessen und danach auf dem Tisch stehenden Gläser nicht teures Bier aus Norwegen, sondern spiegelten den Getränkemarkt von Braunschweig, vom Wolters-Bier bis zum Rotwein von „denn`s Bio“, wider.

Fazit: Vergiss Rondablikk! Gålå war mindestens genauso schön! Die Teilnehmer bedankten sich entsprechend am Abschieds-Abend in feuchtfröhlicher Runde bei ihrem Organisator Helmut und beauftragten ihn mit der Planung für die nächste Norwegen-Tour im Jahre 2018.

Alle Fotos: Jürgen Reinefeld und Helmut Hielscher

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 16. Mai 2016