Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2017
Ausbildungsreferat

Wochenendkurs: Mehrseillängenklettern

Eckhard Slawski

Was treibt Menschen dazu, sich Samstag morgens an einem abgelegenen Felsen im Harzer Okertal bei nasskalter Witterung (im Mai!) zu versammeln? Ist es der Traum von großen alpinen Wänden?

In der Vorstellungsrunde hören sich die Wünsche der Teilnehmer an die beiden Leiter des Mehrseillängen-Kurses 2017, Roman Sendrowski und Martin Kittelmann, deutlich pragmatischer an. Häufiger werden Begriffe wie "Standplatzbau" und "Doppelseiltechnik" genannt. Von "persönlicher Sicherheit" ist die Rede, hin und wieder auch von Urlaubsprojekten jenseits von Klettergarten & Co., und von einem bekannten Alpengrat.

Der Tag startet mit Basics: Legen von Keilen, Friends, Tricams, usw., auf Bodenhöhe. Passt! Zum Klettern bei nassem Fels hat heute sowieso keiner Lust. Dann das Einmaleins des Standplatzbaus: zuerst ein Standplatz an einem sicheren, dann an zwei (welch Luxus!) sicheren Fixpunkten, verbunden mit einer vorher geknüpften Standplatzschlinge. Dann die Königslösung bei überschlagendem Klettern: die Verbindung der Fixpunkte mit dem Kletterseil. Jedes Kapitel wird anschaulich demonstriert und erklärt. Zwischenfragen erlaubt! Was passiert eigentlich mit Seilkommandos, wenn der andere mich nicht mehr hört? Aus eigener Erfahrung berichten Martin und Roman spannend über mögliche Verwicklungen und Lösungen, so dass wir zumindest schon in der Vorstellung mit Herzklopfen schwierige Situationen in zerklüfteten Felswänden meistern. Bei so viel spannender Unterhaltung ist der Tag im Nu vorbei.

Sonntagmorgen. Das Wetter hat wunschgemäß auf 'sonnig bei 20 Grad' umgeschaltet. Nach einem kleinen Warm-up folgt die praktische Umsetzung der Theorie am Fels der Marienwand. In kurzen Abständen: Standplatzbau, Nachholen des Seilpartners, Umbau, Weiterklettern. Der Lohn konzentrierten Übens: Wir werden schneller und sicherer. Zufriedene Gesichter überall. Im Stationsbetrieb können zusätzliche Fähigkeiten erworben werden: Klettern und Abseilen mit Halbseiltechnik, Aufstieg mit Prusikschlingen, Flaschenzughilfe für den Nachsteiger. Als krönender Abschluss können erste selbstständige Projekte an der Südseite der Marienwand durch geführt werden.

Bei der Abschlussrunde viele anerkennende Worte für unsere beiden Kursleiter: Unermüdlich haben Roman und Martin Fragen beantwortet, sind auf persönliche Wünsche eingegangen und haben, vielleicht das Erstaunlichste bei dem ganzen Gewusel, "immer ein Auge auf dem Geschehen gehabt".

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 24. August 2017