Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2018
Hochtourengruppe

Pfingstwanderung

von Niedersachswerfen nach Thale

Jens Köhler

Sanftes Hügelland bei Niedersachswerfen
Foto: Jens Köhler

Tim Cronenberg hatte für Pfingstsamstag und -sonntag zu einer Zweitagestour mit Biwak eingeladen. Mit dabei waren noch Holger Blume, Ulf Kassebaum und Anette Schoreit. Start war in Niedersachswerfen zwischen Ilfeld und Nordhausen, Ziel sollte Thale an der Bode sein, die Übernachtung war geplant für den Kanonenplatz, einer alten Befestigungsanlage in der Nähe der Wüstung Selkenfelde. An- und Abreise fanden mit der Bahn statt. Wir fuhren um 09:03 Uhr in Braunschweig ab, und über Salzgitter, Seesen und Herzberg dauerte die Fahrt gute zwei Stunden. Bei bewölktem Himmel brachen wir auf, aber erfreulicherweise lösten sich die Wolken im Laufe des Tages auf.

Nachdem wir die Häuser von Niedersachswerfen hinter uns gelassen hatten, ging es über den Glockenstein, die Lichte Höhe und den Hopfenberg in das schöne Markttal. Es musste nur noch der Galgenberg überwunden werden, dann waren wir auch schon in Neustadt/Harz. Vorbei an einigen schönen Häusern ging es zum Gondelteich, wo wir exakt zur Öffnung des Biergartens eintrafen und uns kurz stärkten.

Anette im „Land der Buchenhecken“
Foto: Jens Köhler

Im Anschluss hieß es dann, den Südharz so richtig zu betreten und den ersten langen Anstieg zur Burgruine Hohnstein zu bewältigen. Das ging erstaunlich gut mit den schweren Rucksäcken, oben genossen wir auf dem Burgfried eine schöne Aussicht. Danach ging es stetig weiter bergauf zur Neustädter Talsperre mit ihrer schön gestalteten Staumauer. Wir machten dort eine kurze Pause, im Anschluss wanderten wir am Stausee entlang bis zur Stauwurzel. Tim hat uns danach eine schöne Schneise mit einer Gesamtlänge von 3 km herausgesucht, die uns ca. eine Stunde lang beschäftigte. Belohnt wurden wir mit sehr einsamen Lichtungen, die von kleinen buschartigen Buchenschösslingen geprägt waren. Ursache für den eigenartigen Wuchs war Wildverbiss, der das Höhenwachstum der jungen Bäume bremst und ihnen den Charakter einer Gartenhecke verleiht. Am Ende der Schneise konnte Tim wieder einen Stempel absahnen.

Bergwiesen vor Allrode
Foto: Jens Köhler

Sodann folgten wir einem breiten Wanderweg, Jens lockerte den langweiligen Weg mit dem Einsammeln von ca. acht Geocaches auf. Kurz vor dem Erreichen der Selke wählte Tim abermals eine „lustige“ Schneise, die uns zur schönen Wiese von Selkenfelde führte. Danach querten wir die Harzhochstraße (B242), und nach vierhundert Metern grasigem Wanderweg erreichten wir den Kanonenplatz, wo wir eine große Hütte mit Schotterboden zum Übernachten vorfanden. Den Abend verbrachten wir plaudernd auf der Wiese vor der Hütte, und ohne die Kriebelmücken wäre es noch ein kleines bisschen schöner gewesen. Zum Einschlafen gab es das russische Märchen „Der Sokol“, vorgelesen von Jens' Smartphone.

Nach einer ruhigen Nacht (manche wurden durch den Ruf eines Käuzchen wach gehalten) frühstückten wir gegen sieben Uhr. Mit ca. 6 Grad war die Nacht relativ kühl, in der Holzhütte war es aber noch gut auszuhalten. Tim war sogar der Meinung, dass es bei seinem Schlafplatz unter der Fichte knapp über 0 Grad kalt war. Nachdem alles eingepackt war, ging es auf angenehmen Waldwegen in Richtung Allrode. Der Wald war nicht weiter interessant, aber die Bergwiesen vor Allrode waren im Sonnenschein wirklich nett anzusehen.

Felsen im Bodetal
Foto: Jens Köhler

In Allrode war Tims Taktik, am Friedhof die Wasserreserven aufzufrischen. Jedoch hatten wir ein Problem, den Friedhof zu finden, was letztlich daran lag, dass Tims Karte eine Wiese mit vier Grabmalen, den Allroder Ehrenfriedhof, als Gemeindefriedhof zeigte. Den Friedhof haben wir dann im Norden des Ortes auf der Karte entdeckt, leider ca. 800m abseits der eigentlichen Strecke. Anette sah dann als erste, dass es ein öffentliches WC gab, das zwar mit Münzen funktioniert, aber das Waschbecken war kostenneutral zu erreichen, so dass wir hier unseren Wasservorrat aufstocken konnten.

Weiter ging es zur Echowiese, und mittlerweile merkten wir, dass es doch ziemlich heiß war. Wir arbeiteten uns von Kreuzung zu Kreuzung voran zum Pfeildenkmal, und ab dort trafen wir immer mehr Menschen: der Hexentanzplatz war nicht mehr weit entfernt. Die Aussicht an der La-Viers-Höhe mussten wir uns auch mit vielen anderen Wanderern teilen, beim Abstieg zum Gasthof Königsruh überholten wir ca. 20 langsamere Wanderer, wobei Ulf und Holger die Überholmanöver souverän, aber fair einleiteten!

Am Gasthof herrschte ein irrsinniger Trubel! Ulf und Jens reihten sich in die Warteschlange an der Getränkeausgabe ein und warteten in Summe fast 40 Minuten. Aber ohne Weizenbier im Magen wollte so mancher das Bodetal nicht verlassen! Die Reststrecke führte uns auf dem lebhaften Wanderweg durch das Bodetal nach Thale zum Bahnhof. Die Rückfahrt klappte problemlos, und kurz nach fünf waren wir wieder zurück in Braunschweig.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 1. September 2018