Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2019
Ausbildungsreferat

Gletscherspaltenbergung im sonnigen Harz

am 06. April 2019

Manfred Postler
Aufstieg über den Eselspfad
Foto: Archiv Steube

Ich war gespannt: als absoluter Kletterneuling gleich einen Spaltenbergungskurs mitmachen, naja! Aber im Sommer soll es ins Ötztal und damit über Gletscher gehen. Also los.

Treffpunkt Kletterwand Güldenstraße: 13 Teilnehmer – alle ebenfalls gespannt und neugierig auf den Kurs. Wir verteilten uns auf die Autos und ab ging’s ins Okertal.

In der „Gletscherspalte“
Foto: Archiv Steube

Materialverteilung: jeder einen Eispickel oder ein Seil – und los ging es zur Alten Harzchaussee und dann schön hintereinander über den Eselsteig. Ein herrlicher Aufstieg. Die Sonne brach durch den Nebel – von den Bäumen in Strahlen aufgelöst. Nach kurzem Anstieg Ziel erreicht: die oberen Studentenklippen – 20 Grad, schönster Sonnenschein, weicher Waldboden.

Knoten
Foto: Archiv Steube

Und nun stellen wir uns mal vor, das ist unser „Gletscher“. Die drei Trainer – Klaus Steube, Andreas Hartmann und Clemens Pischel – zeigten nun das Stück „Die Spaltenrettung mit der losen Rolle“. Jeder Schritt, jede Position und jede Aufgabe in einer Dreier-Seilschaft wurde detailliert dargestellt und erklärt. Und jede Menge Knoten und Schlingen: Prusik-, Schmetterlings-, Achterknoten, Gardaschlinge ... Umzug zum Klippenrand. Wir waren dran: jeder an jede Position, d.h. mal „letzter Mann“, mal in der Mitte zum Einrichten einer „T-Sicherung“ und als Seilerster – also Opfer. Kommunikation war hier alles. Nur klare Ansagen zählten: „Gesichert!“, „Bereit Last zu übernehmen?“, „Hauruck!“...

Andreas erklärt die Selbstrettung
Foto: Archiv Steube

Das war aber längst nicht alles. In meiner Gruppe erklärte Andreas sehr ausführlich, was der „Gestürzte“ zur Selbstrettung tun kann, während die beiden anderen mit der Vorbereitung der Bergung beschäftigt sind.. Heißt: sich selbst mittels Fuß-, Gardaschlinge und jede Menge Prusikknoten nach oben zu arbeiten. Theoretisch alles klar. Dann hing ich in der „Spalte“ – wie war das noch einmal? Fußschlinge … ? Mist, kein richtiger Halt mit den Füßen, das Seil springt hin und her …wie ging das nochmal? …boah ist das anstrengend! Aber Andreas schwebte immer über mir – Tipps und aufmunternde Zurufe gebend. Klasse. So konnte ich mich schließlich doch bis zur Hälfte selbst hocharbeiten und ließ mich dann den Rest der Strecke bereitwillig retten – „Hauruck“.

Insgesamt war es ein wunderbarer Tag mit tollen Trainern, viel Input und jede Menge Spaß und Schweiß. Ich kann jedem empfehlen, diesen Kurs zu machen, denn auf einer echten Gletschertour möchte ich das Gelernte keinesfalls missen.

Danke an Andreas, Clemens, Klaus und meine Retter.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 30. Mai 2019