Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2019
Leistungsgruppe

Welt- und Europameisterschaft

Thorben erzählt…

Thorben Perry Bloem

Hallo, ich bin Thorben Perry Bloem und ich bin dieses Jahr in der Altersklasse Jugend B bei der Jugend-Weltmeisterschaft und der Jugend-Europameisterschaft gestartet. Vielleicht kann ich euch den Wettkampfsport ja noch etwas näher bringen und euch zeigen, dass es dort auch gar nicht so angespannt ist, wie man vielleicht denkt.

1. Jugend-WM in Arco:

Lucia Dörffel und ich waren die einzigen beiden Athleten, die die gesamten zwei Wochen dort zubringen durften, da nur wir vom Bundestrainerteam in allen drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed nominiert waren. So gab es natürlich auch reichlich Zeit zum Rumbummeln, Eis essen und Trikot tauschen. Das war das, worüber ich mir eher den Kopf zerbrach, anstatt über den Wettkampf. Was muss ich morgen mitbringen...wie kann ich mich mit den Leuten unterhalten, die kein Englisch können...wer von denen hat meine Größe...was will ich überhaupt für Klamotten? Im Wettkampf selber ging es entspannt zu, man hat zusammen in der Isolation gebouldert, gelacht und einfach die Zeit genossen. Solche Events sind einfach unglaublich, es entstehen so viele neue Eindrücke und man wächst mit den Leuten zusammen, sodass eine riesige Community über den ganzen Planeten entsteht. So bin ich zum Beispiel in Kontakt mit Thailändern, Koreanern, Amerikanern und Spaniern. Praktisch egal, wo man in den Urlaub Klettern fährt, man kennt irgendwen, denn so klein ist die Welt dann doch.

Aber im Nachhinein denke ich natürlich auch viel über den Wettkampf an sich nach, das Ergebnis und das Gefühl an der Wand. Ich war nicht ganz zufrieden mit meinen Ergebnissen: ein 4. Platz im Bouldern, ein 9. Platz auch wegen einer unglücklichen Aufteilung der Athleten im Speed, ein 36. Platz im Lead, da ich mich zwei Mal verklettert habe und in Summe ein 5. Platz in der „Combined-Wertung“. Aber immerhin bei einer WM. Naja, das Leben geht bekanntlich weiter und so ging's nächstes Wochenende ab in den Ruhrpott, um sich auf die Europameisterschaft vorzubereiten.

2. Ruhrpott:

Ich und mein Vater schnappten uns das Dachzelt, schnallten das federleichte 60 Kilo Schiff auf unser Auto und düsten ab nach Duisburg. Ich fühlte mich fit, das Wochenende lief gut, der Funcup (Boulderhalle Monkeyspot) am Samstag im „Trainings-Flashmodus“ war erfolgreich und die „Technik-Video-Analyse-Bouldersession“ am Sonntag im „Superblock“ ebenso, und so ging es ziemlich zufrieden Sonntagabend wieder ab nach Braunschweig mit gutem Bauchgefühl für die Jugend-EM in der kommenden Woche.

3. Bouldern Jugend-EM in Brixen:

Auch Flexibilität muss trainiert sein, um den Top im EM-Halbfinale zu halten
Foto: Jan Schenk

Aufgrund von Verletzungen und Krankheiten fielen drei von unseren eh schon viel zu wenigen neun Athleten weg und ich war mit nur fünf anderen Athleten und drei Trainern im Bus gen Süden. Und ich der Einzige unter Achtzehn... das war natürlich ein wenig blöd, denn falls wir am Ende nach dem Wettkampf eine Podiumsplatzierung hätten feiern können, wäre ich natürlich eine miese Einschränkung für die Anderen. Aber Unglück im Unglück, wäre dies auch gar nicht nötig gewesen, denn trotz einer Halbfinalquote von 100% waren wir doch alle etwas verknartscht mit dem Endergebnis, bei mir nach spannendem Finale wieder der undankbare 4. Platz.

Hierbei möchte ich noch kurz erwähnen, dass ich, da ich ja der einzige „Nicht-Junior“ war und alle Trainer vor deren Halbfinale mit in die Iso gegangen waren, dann mal schöne und gute drei Stunden ohne Team vor der mit Folie abgedeckten Wand sitzen durfte. Doch wie oben schon erwähnt, habe ich ja gute Connections und war so gut mit Quatschen und über die Boulder spekulieren beschäftigt. Alles in allem war aber natürlich auch das ein geiles Event mit zwar etwas älteren, aber trotzdem mega coolen Leuten und ich kann nur wieder und wieder sagen, wie unglaublich diese Erfahrungen sind, die man so international erfährt. Nicht nur deswegen finde ich ganz toll, dass meine Sektion Braunschweig unseren olympischen Leistungssport derart unterstützt! Nun geht es aber weiter, denn noch ist meine Saison nicht vorbei.

4. Speed Jugend-EM Voronezh (Russland):

Dies ist mein nächstes und letztes internationales Event für dieses Jahr. Und genau dafür bin ich auch jetzt gerade für vier Tage privat in Hilden Speed trainieren, damit dieses Event optimal verläuft.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig mitnehmen in die Welt der Wettkämpfe und nun geh ich trainieren! Denn obige Zeilen sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich fünf bis sechs Mal die Woche trainiere und Training wie Wettkämpfe nicht nur mit Freude, sondern auch hochkonzentriert und motiviert angehe.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 3. November 2019