Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2019
Hochtourengruppe

Hochtouren, die erste...

Ötztaler Alpen Juli 2019

Manfred Postler

Endlich hat es geklappt: nach drei Jahren Mitgliedschaft in der Hochtourengruppe nehme ich an meiner ersten alpinen Berghütten-Tour teil - und dann gleich mit dem Schwerpunkt Gletscher ;-)

Ich hatte mich voller Enthusiasmus vorbereitet: Melonen und Hanteln den Harz hinaufschleppen, Spaltenbergungsübung an den Studentenklippen, Konditionswanderung ...

Klaus und ich auf der Hochvernagtspitze
Foto: Manfred Postler

Aber das alles war nichts im Vergleich zur realen alpinen Welt.

Der Reihe nach: Schon die Anreise wurde für uns drei - Emel, Anja und mich - zu einer Gedulds- und gegen Ende rallyeartigen Zeitprüfung.

Da keiner von uns drei Neulingen den Sessellift (er verhieß einen sanften Einstieg in den Aufstieg) in Vent Richtung Breslauer Hütte verpassen wollte, mussten wir nach einem langen Stau und großem Umweg rasend schnell durchs Ötztal den Liftbetreibern entgegenjagen. Diese hatten - trotz Feierabend - netterweise auf uns gewartet. Glück gehabt.

Nach dem Lift ging’s mit 15 kg Gewicht mehr auf dem Rücken weiter bergauf. Bei ca. 2.600 Meter erwischte mich dann die alpine „Höhe“: die „Luft“ war raus. Gern gab ich das Seil an Anja ab, nahm dankbar etwas Magnesium von Emel und war froh, Schritt für Schritt irgendwann die Breslauer Hütte (2.844 m) zu erreichen. Was für ein Start! Wenn das so weiterging ...

Eisschrauben
Foto: Manfred Postler

Der nächste Tag ganz anders: ein fantastisches Panorama, schönster Sonnenschein, ein erster kleiner Klettersteig auf‘s Wilde Mannl (3.019 m). Am Nachmittag machte eine Gletscherübung richtig Laune: Steigeisen montieren, Seilschaft bilden, Abstände einhalten, Eisschrauben setzen und T-Sicherung anlegen. Ich fühlte mich angekommen.

Nach dem Wechsel zur Vernagt-Hütte (Würzburger-Haus - 2.755 m) folgten weitere Übungen am Gletscher wie in Seilschaften Gletscherspalten sicher überqueren, Abbremsen eines Sturzes mittels Eispickel und vieles mehr.

Nun waren wir bereit für die meiner Meinung nach schönste Tour der Woche: einen 2-tägigen Abstecher über die Guslarspitze (3.128 m) zum Brandenburger Haus (3.200 m) und zurück über den Fluchtkogel (3.500 m) zur Vernagthütte.

Auf diesem Weg erlebten wir, wie strapaziös Gipfelüberschreitungen sein können und wie gut echte Kameradschaft tut; wie beeindruckend der Wasserfall und die Größe des Gepatschferner ist, die einmalige Abgeschiedenheit eines wunderbar gelegenen Berghauses und die Erhabenheit eines Sonnenuntergangs auf der Dahmannspitze (3.401 m). Das wünsche ich jedem einmal selbst zu erleben.

Sonnenuntergang auf der Dahmannspitze
Foto: Manfred Postler

Die Überschreitung des Fluchtkogels tags darauf mit dem Abstieg über seinen steilen, kletterreichen Nordgrat machten riesigen Spaß.

Wir (insgesamt 14 an der Zahl) hatten die ganzen 10 Tage mit dem Wetter richtig Glück - und das bescherte uns weitere wunderbare, anstrengende Touren und grandiose Ausblicke.

Ein ganz dickes Dankeschön an Klaus, Jens und Stefan, durch deren sorgfältige Planungen und fachkundige Anleitungen ich ein unvergessliches Erlebnis erfahren und viel Wissen mitnehmen konnte. Immer wieder gerne, hoffentlich schon im nächstes Jahr !!!

Weitere Gipfel dieser Tourenwoche:

  • Wildspitze (3.768 m) 
  • Vorderer Brochkogel (3.565 m)
  • Hochvernagtspitze (3.539 m)
  • Petersenspitze (3.390 m)
  • Hintergraslspitze (3.325 m)
Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 3. November 2019