Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2019
Skigruppe

Der Ruhrradweg

Zwischen Hochsauerland und Ruhrgebiet

Brigitta und Reinhold Aselmeier
Der Organisator
Foto: Reinhold Aselmeier

Wir starten radelnd am 07.09.2019 von zu Hause zum ZOB. Nach der Fahrradverladung geht es mit dem Bus nach Winterberg, der höchstgelegenen Stadt in NRW und zum Parkplatz der dortigen Liftstation. Die Räder werden entladen und auf geht es zur Quelle der Ruhr, einem Rinnsal und das ist schon geschmeichelt, auf 674 m Höhe im Rothaargebirge.

In der bewaldeten Mittelgebirgslandschaft des Hochsauerlands fahren wir im Ruhrtal auf vorwiegend Schotterwegen, meist eben, teilweise abfallend oder mit dem einen oder anderen steilen Anstieg, auch mit Einlagen im Radschieben, u.a. durch das Rosendorf Assinghausen, in dem wir den Anstieg zum Rosengarten allerdings scheuen. Kurz vor Bestwig überrascht uns ein kurzer Schauer, den wir Schutz suchend unter dem Dach einer Tankstelle vorüberziehen lassen, um anschließend bei Sonnenschein zur ersten Übernachtung zu fahren.

Wie jeden Morgen ist auch am zweiten Tag die Abfahrtszeit auf 9:30 Uhr festgesetzt und wir 20 Radler schwingen uns pünktlich auf unser Gefährt, während das Begleitfahrzeug von einem weiteren Teilnehmer mit einigem Gepäck später aufbricht und zum Zielort vorausfährt. Der gut ausgebaute Weg führt uns nach wieder kurzen heftigen Anstiegen über Meschede durch einen Auwald zur alten Residenzstadt Arnsberg. Wir verlassen den Ruhrradweg, um im „Hofcafe zur Ruhraue“ des Ritterguts Wildshausen Kaffee und Kuchen zu genießen.

Nach einer kurzen Weiterfahrt erreichen wir unser Hotel in Arnsberg. Zu Fuß geht es bald weiter über den recht steilen Weg zur schönen Altstadt und zum Limps Turm oder Lichtturm. Im Lichtturm sehen wir eine der wenigen begehbaren „Camera Obscura“ der Welt. Bei der Führung werden interessante Fotos mit Langzeitbelichtung (über mehrere Stunden) gezeigt und wir lauschen dem Vortrag zur Geschichte der Stadt. Der Weg führt uns weiter zum im 7-jährigen Krieg zerstörten alten Schloss.

Im historischen Gebäude des Arnsberger Mühlenbräu nehmen wir in einem sehr schön wiederhergestellten Raum Speis und Trank ein. Zur Gastronomie kann festgestellt werden, dass alle besuchten Restaurants durchweg über eine gute bis gehobene Küche verfügen.

Nach den ersten beiden Tagen sind nun alle richtig eingefahren. Mit zügiger Fahrt geht es bei leichtem Gegenwind durch eine offene Landschaft, die Gebirgslandschaft wird flacher. Auf den Wiesen stehen Reiher. Felder und Hecken säumen unseren gut ausgebauten Weg. In Fröndenberg legen wir eine Rast ein und „fallen“ in ein Eiscafe ein. Die Nacht verbringen wir in Haus Villigst, einer Stätte des evangelischen Studienwerks, übrigens eine Unterkunft ohne TV auf den Zimmern.

Die Radtour ist durch das „Fischerteam“ bereits 2010 vorgeradelt worden, aber wegen schwieriger Hotelreservierungen (Vorbuchung und Vorauszahlung) vom Verkehrsverein Arnsberg zusammen mit dem Gepäcktransport organisiert.

Am 4. Tag rollen wir bei schöner Fahrt und sonnigem Wetter entlang der herrlichen Ruhrauen und Stauseen, wie dem Kemnader See, Richtung Hattingen. Die Gegend ist durch Fußgänger und Radfahrer gut besucht. Mit der Fähre „Hardenstein“ setzen wir auf die rechte Flussseite der Ruhr über und kehren kurz in ein Gartenlokal ein.

Rasten werden spontan eingelegt oder um auf Nachzügler zu warten. Trotz weniger Einkaufsmöglichkeiten gelingt es jedem sich für den Tag ausreichend mit Getränken und Nahrung zu versorgen.

Der 5. Tag ist ein „Ruhetag“, zumindest vom Radfahren. Morgens besichtigen wir mit dem Stadtführer Manfred den Ort, der uns die Geschichte der Stadt und Gebäude erzählt, aber auch manche Redewendung, die natürlich aus Hattingen kommt, erläutert.

Am Nachmittag besichtigen wir mit einer guten Führung eines „Erklärbären“, wie er sich selbst bezeichnet, die Henrichshütte mit den Stationen Luftzufuhr, Schmelzofen, Bunkerstation, Qualitätssicherung und Mischfunktion der Erze. Ein Großteil der Anlage wurde 1987 nach Hunan in China verkauft.

Nach dem Start am nächsten Morgen werden wir durch einen Reifenschaden gebremst, der erst mit Schlauchspray, später jedoch noch durch einen Schlauchwechsel, zu beheben ist.

Die Tour führt weiter in zügiger Fahrt am Baldeneysee entlang. Da am heutigen Tag eine Unterversorgung an Proviant auftritt, findet am Mittag eine basisdemokratische Abstimmung zur Einkehr in einem Imbiss statt.

Zügige Fahrt der Gruppe
Foto: Reinhold Aselmeier

Durch querende Wege und Straßen, die ein kurzes Anhalten erfordern, zieht sich die Gruppe in die Länge. Bei normaler Fahrt und einem ausreichenden Abstand zwischen den Rädern ergibt sich für die 20 Radler eine Länge von 100 – 200 m, die aber in einigen Fällen wohl auch mal auf 1,5 – 2,0 km anwächst.

Am frühen Nachmittag klart der Himmel auf und die Sonne kommt hervor. Nachdem wir uns im Hotel kurz erfrischt haben, machen wir uns zu Fuß auf zum Abendessen im „Uerigen Treff“, einem gut besuchten Lokal in der Altstadt.

Nach der Abfahrt am nächsten Morgen setzt etwas Regen ein, der zum Anlegen der Regenkleidung führt, erwähnenswert, weil es die einzige Umkleideaktion ist. Kurze Zeit später sieht der Regen die Nutzlosigkeit seins Daseins ein und zieht sich wieder zurück. Wir besichtigen das interessante Wassermuseum „Aquarius“ in Mühlheim zur Trinkwasseraufbereitung. Nach der Weiterfahrt entlang von Straßen mit viel Verkehr, der Querung von Straßen, Baustellen, Ampeln und anderen Hindernissen, durch das „echte Ruhrgebiet“ mit enger Bebauung erreichen wir die Mündung der Ruhr in den Rhein, nun ja wir lassen sie links liegen.

Nun heißt es sich zu sputen, um rechtzeitig am Gasometer mit der Ausstellung „Der Berg ruft“, die auch durch den DAV unterstützt wird, zu gelangen. Eingebremst wird die Fahrt durch eine weitere Glasscherbe im Reifen sowie die Reparatur an einem Fahrradständer. Die Ausstellung beeindruckt durch große Bilder von Gebirgen und Bergen in aller Welt. Das Highlight ist das von der Gasometerdecke hängende dreidimensionale Matterhorn, das mit Licht entsprechend den Tageszeiten, dem Sonnenlauf folgend, angeleuchtet wird.

Die morgendliche Fahrt des nächsten Tages gestaltet sich, wie schon oben beschrieben, durch Straßen, Querungen, viel Verkehr etc. als schwierig. Diese wird auf dem Weg zur „Zeche Zollverein“ in Essen durch das Warten an Ampeln, die sich teilweise Zeit lassen „grün“ zu leuchten, Warten auf Nachzügler, sinnige, unsinnige oder irrige Tipps und Hilfestellungen nochmals komplizierter. Nach der erfolgreichen Ankunft der Teilnehmer zerstreuen sich diese und erkunden weitgehend selbstständig das umfangreiche Gelände. Am Nachmittag wird die Fahrt deutlich entspannter fortgesetzt und wir erreichen das Tagesziel „Auf Schalke“.

Beim anschließenden Abendessen bedanken sich die Teilnehmer bei Hermann Fischer und Ingrid Eggers für die Organisation, die Erkundung der Strecke, die Auswahl der Besichtigungen und der Restaurants sowie der sehr guten Führungen.

Die Teilnehmer
Foto: Reinhold Aselmeier

Am 9. Tag, dem 15.09.2019, erfolgt die Busfahrt mit Fahrradanhänger von Gelsenkirchen nach Braunschweig und mit dem Fahrrad zum Ausgangspunkt der Reise.

Auf der Rückfahrt kündigt Hermann Fischer leider an, dass nach 16 Jahren und 10 Touren (an Werra, am Main, den “Fünf Flüssen“, der Ems, in Nordholland, in Südholland, der SaaleUnstrut, der Spree, in Berlin und der Ruhr) diese nunmehr die letzte von ihm organisierte ist.

Die Teilnehmer bedauern dies und bedanken sich für die vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 3. November 2019