Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2020
Klettergruppe

Der Karhunkierros in Finnland, ein Wintertraum!

Die Bärenrunde mit Schneeschuhen

Nina Abel
Canyon Oulankajok
Foto: Christine Freywald

Darum geht es: Vier Winterfreunde auf einer Schneeschuhtour auf dem 82 km langen Karhunkierros (zu Deutsch: Bärenrunde) im finnischen Oulanka Nationalpark. 8 Etappen zwischen 5 und 18 Kilometern Länge. 7 Selbstversorgerhütten in klirrender Kälte aber mit bollernden Öfen.

Die letzten Wochen vor Reisebeginn haben wir (Peter Männel, Christine Freywald, Ingo Bergmann und Nina Abel ) uns mehr oder weniger enthusiastisch an die Optimierung unseres Rucksackinhaltes, insbesondere der Zusammenstellung der Lebensmittel gemacht. Da wurden Kalorien gerechnet, Instantgerichte in wilden Kombinationen zusammengeschüttet und bergeweise Schokolade und Riegel gekauft. Mit jedem Probepacken stieg die Vorfreude und am 28. Februar ging es endlich los. Mit dem Flugzeug bis Kuusamo, von dort mit dem Bus nach Ruka – dem Ausgangs- und Zielort.

Nina und Christine etwas eingefroren
Foto: Christine Freywald

Da 50 % der Gruppe (Nina und Ingo) zum ersten Mal auf Schneeschuhen unterwegs waren, wurden diese und ein paar andere Dinge vor Ort geliehen. Dass es sinnvoll ist, sein Leihgerät vor Ort und Stelle noch einmal zu testen, stellten wir fest, als wir den Leih-Kocher in der ersten Hütte in Betrieb nahmen. Die Flamme sprang von der Düse über in Richtung Ventil und die halbe Gerätschaft stand in Flammen. Das war es dann. Den konnten wir nicht benutzen, Dichtung kaputt. Gut nur, dass es in jeder Hütte einen Ofen und an einigen sogar einen Gaskocher gab und dass Peter und Christine zwei Liter Benzin und ihren Kocher dabei hatten. Wir sollten also durchkommen.

So kann Trekkingsnahrung auch aussehen
Foto: Peter Männel

Nachdem wir mit dem Taxi zum Einstieg Ristikallio gelangt und die fünf Kilometer zur ersten Hütte durch eine traumhaft schöne Winterlandschaft gelaufen waren, sah unsere tägliche Routine sodann folgendermaßen aus: Ofen anmachen (selbstverständlich mit dem Holz, das wir direkt nach Ankunft gesägt und gespalten hatten; an allen Hütten ist ein Brennholzvorrat vorhanden und es gibt Axt und Säge, um diesen auf Ofengröße zu zerkleinern); Schnee schmelzen (manchmal gab es einen Fluss oder See und wir konnten durch ein Eisloch direkt Wasser holen), Lager fertig machen, Essen, Schlafen, Ofen wieder anmachen, Schnee schmelzen, Frühstücken, Aufräumen, Einpacken, Loslaufen, Tour genießen, Ankommen. Dann von vorne.

Jussinkämpa Hütte
Foto: Peter Männel

Dass einige Tage vor uns schon Leute die Tour gegangen sind, hat uns etwas Spurarbeit abgenommen. Das freute uns zwar einerseits, dämpfte aber gleichzeitig den Wildnis-Charakter. Wir hofften einfach, im positivsten Sinne mutterseelenallein zu sein. Die ersten zwei Tage hatten wir Glück und die Hütten ganz für uns. An diesen Luxus gewöhnt, mussten wir sie ab dem dritten Tag dann doch teilen, und dann auch gleich mit sage und schreibe neun anderen Schneeschuhlern. Dass so viele Menschen zu dieser Zeit unterwegs waren, war auch für die Leute von der Nationalparkverwaltung etwas Neues.

Ein Phänomen, das uns an den besonders kalten Morgen – bei minus 26 Grad – begegnete, war das Knallen der Bäume in der Kälte. Mehr als einmal dachten wir, irgendwo in der Nähe wäre ein Schuss gefallen.

Bergfest! Es gibt Strohrum
Foto: Ingo Bergmann

Diese Art von Kälte und Winter zu erleben, zählt in jedem Fall mit zu den eindrücklichsten und schönsten Erlebnissen unserer Tour. Die kleinen Härchen in der Nase, die beim Einatmen zusammenfrieren. Heißes Wasser, das in einer Eiskristallwolke gefriert, sobald es in die Luft geschüttet wird (das mussten wir einfach mal ausprobieren). Tannen, die aussehen wie Wesen aus einer anderen Welt; die so eingeschneit sind, dass sich an ihrem Stamm Schneehöhlen gebildet haben. Oder die Elche, deren tiefe Spuren wir im Norden gesehen haben und die gerne auf den Spuren der Schneeschuhler und Snowmobile unterwegs sind, weil es weniger anstrengend ist.

Aufstieg auf den Valtavaara
Foto: Christine Freywald

Anstrengend wurde es für uns auch nochmal richtig, und zwar auf der letzten Etappe. Hier erwarteten uns 16 Kilometer, 600 Höhenmeter und der Valtavaara mit seinen nur 482 m doch der höchste Punkt der Tour. Vor allem die steilen Hänge hatten es in sich. Stellenweise versank man bis zum Hintern, bekam den Fuß gar nicht erst richtig aus dem Schnee heraus oder rutschte den gegangenen Schritt wieder zurück. Das Winterwunderland um uns herum entlohnte aber jeden Meter und am Abend konnten wir uns dann endlich mal wieder ein lecker Bierchen gönnen (und bei 8 Euro für ein Bier darf man auch von gönnen sprechen).

Fazit: Es war traumhaft schön und der Wettergott war uns mehr als gnädig. Auch wenn wir es uns noch ein wenig abenteuerlicher und einsamer gewünscht hätten. Am Ende haben wir leider keine Nordlichter zu Gesicht bekommen. Aber das ist nur ein Grund mehr zurückzukehren.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 16. Mai 2020